bedeckt München 30°

Suchtberatung in Freising:Auf Augenhöhe

Alkoholeinkauf von Jugenlichen.

Die meisten Jugendlichen, die zur Jugendsprechstunde von Prop kommen, haben ein Problem mit Alkohol oder Cannabis.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Der Erfolg der vom Suchthilfeverein Prop seit 2013 angebotenen Jugendsprechstunde ist in einer Befragung der Besucher bestätigt worden. Gut 300 junge Menschen nehmen das niedrigschwellige Angebot jährlich in Anspruch.

Von Gudrun Regelein, Freising

Gut 300 Jugendliche kommen jedes Jahr in die Jugendsprechstunde der Psychosozialen Beratungs- und Behandlungsstelle Prop Freising, dem Verein für Prävention, Jugendhilfe und Suchttherapie. Es sind junge Menschen zwischen 13 und 24 Jahren, die meisten von ihnen haben ein Problem mit Alkohol oder Cannabis. "Wir haben uns im Jahr 2013 für diese Jugendsuchtberatung als niedrigschwelliges Angebot entschieden, da wir einen großen Bedarf sahen", sagt Beatrice Brinninger, Leiterin des Jugendbereichs bei Prop.

Die Entscheidung fiel, obwohl im Suchthilfesystem so eine Jugendsprechstunde nicht vorgesehen ist und es dafür keine Regelfinanzierung gibt. "Das bedeutet, dass wir uns in Eigenregie um die Versorgung suchtbelasteter Jugendlicher kümmern", erklärt Brinninger. Dass das Angebot aber greift und angenommen wird, habe eine Evaluation aus diesem Jahr belegt. Bislang wird die Jugendsuchtberatung durch zwei Sponsoren - die FMG Flughafengesellschaft München und den Rotary Club Flughafen München - finanziert, seit dem vergangenen Jahr beteiligt sich außerdem der Landkreis Freising an der Finanzierung. "Der Jugendhilfeausschuss hat einen jährlichen Zuschuss von 5000 Euro bewilligt, da eine solche Beratung für junge Menschen sehr wichtig ist", sagt Christine Binder, Sachgebietsleiterin im Freisinger Jugendamt. Aus eigenen Geldmitteln sei das für Prop nicht möglich. Zwischen Prop und dem Jugendamt gebe es zu diesem Angebot auf allen Ebenen einen engen Austausch.

Es geht darum, was der Jugendliche selbst will

In der Jugendsuchtberatung geht es um Prävention oder um eine situative Hilfe - und "es geht immer darum, was der Jugendliche selber will und welche Unterstützung die geeignete ist", sagt Brinninger. "Das sind oft Maßnahmen, die wir anbieten, können aber auch andere Konzepte sein." Beim Thema Cannabis und Drogen beispielsweise gebe es das Fred-Projekt für erstmals auffällige Jugendliche von Prop, bei Essstörungen dagegen werde nach der Beratung an niedergelassene Therapeuten vermittelt.

Den Erfolg und die Notwendigkeit der Jugendsprechstunde habe eine Evaluation gezeigt, die in diesem Frühjahr von der Fachhochschule Landshut durchgeführt wurde, betont Beatrice Brinninger. 19 Studentinnen und Studenten haben etwa 30 junge Menschen, die bei der Prop Beratungsstelle in Freising Unterstützung und Hilfe gesucht haben, im Anschluss befragt. "Das Ergebnis kann sich sehen lassen", sagt Brinninger. Viele empfanden das Angebot der Jugendsuchtberatung als hilfreich. Zwar sei es nicht bei allen zu einem veränderten Suchtmittelkonsum gekommen, aber: "Es ist ein positiver Eindruck geblieben, der dann im Notfall auch zu einem erneuten Besuch motiviert." Auch wenn viele Jugendliche von ihren Eltern, der Schule oder der Polizei geschickt wurden, war der positive Aspekt der Beratung dominant.

Vier von den Befragten besonders positiv bewertete Punkte wurden von der Forschungsgruppe dokumentiert: Zum einen waren das die Gespräche auf Augenhöhe, der gute Kontakt zu den Beratern und die örtliche Erreichbarkeit der Beratung. Zum anderen wurde die offene Informationsvermittlung ohne moralischen Zeigefinger sowie die Unterstützung und Hilfe bei der Auseinandersetzung mit sich widersprechender Wünsche als besonders hilfreich angesehen. Das Angebot der Jugendsuchtberatung von Prop müsse unbedingt fortgeführt und bei steigender Nachfrage weiter ausgebaut werden, lautet die Bilanz der Forschungsgruppe. "Die Evaluation hat uns gezeigt, dass wir gute Arbeit leisten", sagt Brinninger. Eine Regelfinanzierung, betont sie, sei auch aus diesem Grund "definitiv erstrebenswert".

© SZ vom 27.07.2020/nta

SZ Plus
Drogenkonsum
:Hauptsache, es knallt

Die traditionellen Rauschmittel Tabak und Alkohol reizen immer weniger Menschen. Die Zukunft scheint neuen Drogen zu gehören - und altbekannten, deren Image sich gerade wandelt.

Von Sebastian Herrmann und Kathrin Zinkant

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite