„Fange bald mein Studium an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf an, suche dringend ein Zimmer!“ – so oder so ähnlich lesen sich derzeit viele Beiträge in Facebook-Gruppen und auf WG-Portalen. Mitte Oktober startet das Wintersemester in Freising. Für Hunderte Studierende, darunter viele aus dem Ausland, beginnt damit nicht nur die Vorlesungszeit, sondern auch ein Wettlauf um die wenigen verfügbaren Wohnungen.
Die Lage ist seit Langem angespannt. Bereits vor vier Jahren, erzählt Anna Müller, habe sie mit ihrem Freund eine Wohnung in Freising gesucht. Obwohl ihr Partner in München studiert, erschien Freising wegen der guten S-Bahn- und Busverbindungen ideal. „Wir haben uns nur eine Wohnung angesehen, und die war total heruntergekommen“, erinnert sie sich. Das Treppenhaus habe gestunken, die Küche sei notdürftig zusammengezimmert gewesen. Die Einzimmer-Wohnung mit Mini-Schlafraum und Küchenzeile kostete damals 900 Euro. Ob warm oder kalt, weiß Anna Müller nicht mehr. „Aber für den Zustand war das einfach viel zu teuer.“
Viel getan hat sich seither offenbar nicht. „Die Mieten fangen meist bei 600 Euro an“, berichtet Jagan Trophan. Der junge Mann kommt aus Japan und wird von Oktober an in Freising studieren. Von Japan nach Freising kann er aber mal nicht eben so pendeln. „Eine Wohnung ist für mich wichtig.“ Nicht nur zum Leben, sondern auch für ein Visum.
Gerade Studierende aus dem Ausland stehen unter Zeitdruck. Ohne festen Mietvertrag können sie oft nur ein befristetes Visum oder eine vorläufige Aufenthaltserlaubnis erhalten. Wohnen bei Freunden ist keine Dauerlösung. „Ich habe über 20 Vermieter angeschrieben, aber keine einzige Zusage bekommen“, erklärt Jagan Trophan.
Hinzu kämen zweifelhafte Angebote. Manche Wohnungen seien extrem teuer für ihre Größe, andere wirken wie Betrug, erzählt er. Während des Oktoberfests verschärft sich die Situation zusätzlich – viele Wohnungen werden kurzfristig an Touristen vermietet, was die Preise noch weiter in die Höhe treibt.
Die Nachfrage nach einem Zimmer im Wohnheim ist riesig
Eine Alternative sind Studierendenwohnheime wie die Anlage Lange Point. Die Mieten dort sind vergleichsweise günstig und bewegen sich bei etwa 300 Euro. Doch die Nachfrage ist riesig. Auf der Website des Wohnheims wird mitgeteilt, dass die Wartezeiten oft bis zu fünf Semester betragen können.
Freisinger Studierende, die in ihrer Heimatstadt studieren möchten, haben oft nur eine Möglichkeit: weiter bei den Eltern wohnen. Anna Müller wollte das damals nicht. „Wir haben am Ende eine Wohnung im Münchner Umland gefunden – die war tatsächlich günstiger als in Freising.“ Für Jagan Trophan gibt es keine Alternative: Er kann nicht einfach in Japan bleiben und pendeln. Also muss er weiter suchen – und hoffen, dass sich die Lage entspannt.

