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Straußfarm im Landkreis Freising:Liebe auf den ersten Blick

Als Bettina Hiereth zum ersten Mal eine Straußenherde sah, verguckte sie sich in die Vögel. Nun betreibt sie selbst eine Farm bei Wolfersdorf. Im Hausladen gibt es Produkte aus Eiern und Staubwedel aus den Federn der Tiere.

Mit einem Tritt ihrer kräftigen Beine können Strauße einen Menschen töten. Es ist also Vorsicht geboten.

(Foto: Marco Einfeldt)

Sie liefern gesundes Fleisch und riesige Eier, aber man sollte ihnen nicht zu nahe kommen, denn mit einem Tritt ihrer kräftigen Beine können sie einen Menschen töten. Die Heimat des großen Vogels ist Südafrika, aber auch in Badendorf, einem Ortsteil von Wolfersdorf, leben 34 Strauße auf dem Hof der Familie Hiereth. Landrat Josef Hauner besuchte mit etwa 50 Bürgern am Mittwoch während seiner Tour durch den Landkreis die beeindruckenden Tiere mit den langen, dünnen Hälsen und großen Federn. Gut gesichert hinter zwei Zäunen musterten Hahn Franz Joseph Strauß und seine Hennen aufmerksam die Gäste, welche die Tiere, die bis zu 70 Stundenkilometer schnell laufen können, ebenfalls interessiert und ehrfürchtig betrachteten.

Strauße sind schreckhaft und verteidigen ihr Revier

Strauße seien schreckhaft und verteidigten ihr Revier, daher seien die doppelten Zäune wichtig, beschrieb Bettina Hiereth. Tauche beispielsweise ein Igel im Gehege auf, würden sie nervös und angriffslustig. Spaziergänger, die zu nahe kommen, mögen sie nicht, auf sie selbst reagierten die Laufvögel jedoch gelassen, schilderte ihre Besitzerin. Ihre Liebe zu den ungewöhnlichen Tieren entstand zufällig. Als Hiereth und ihr Mann, nachdem sie den elterlichen Hof 2006 übernommen hatten, auf der Suche nach einem Nebenerwerb waren, berichtete ihnen jemand von der Möglichkeit, Strauße wegen ihres gesundes Fleisches, das den Cholesterinspiegel schont, und ihren Eiern, die auch von Eiweißallergikern vertragen werden, zu halten.

Auch der Freisinger Landrat war schon da, er besichtigte den Straußenhof der Familie Hiereth kürzlich bei seiner Landkreis-Tour.

(Foto: Marco Einfeldt)

"Ich besuchte dann eine Straußenfarm, um mich zu informieren, schaute einer Henne in die Augen und habe mich in diese Tiere verliebt", schilderte Hiereth die Anfänge. Anfangs produzierten sie selbst Fleisch und Eier, inzwischen konzentrieren sie sich auf die Eier und kaufen das Fleisch für den Hofladen dazu. In dem kleinen Selbstbedienungsgeschäft findet man aber noch mehr:Nudeln und Eierlikör aus Straußeneiern, ausgeblasene Dekoeier und Lampen mit einem Straußenei als Schirm, dazu Strauße als Plüschtiere und Staubwedel aus Straußenfedern. Diese seien antistatisch und würden den Staub perfekt aufnehmen, beschrieb Hiereth. Ein Hit sei das Straußenfett, das beste Mittel gegen Neurodermitis, Schuppenflechte und offene Hautwunden, schilderte die Gastgeberin. Allerdings überzeugte der etwas ranzige Geruch die Besucher nicht so ganz.

Im Winter legen Strauß-Hennen keine Eier

Die Eiproduktion sei ein Saisongeschäft, von Mai bis September lege eine Henne alle zwei Tage ein Ei irgendwo im Gehege, meist an den Rand. Im Winter hätten die Strauße Legepause. Natürlich wollten die Gäste wissen, wie schwer ein Straußenei und wie viel Eigelb und Eiweiß darin enthalten sei. Über die Antworten staunten sie nicht schlecht, denn ein Straußenei wiegt etwa zwei Kilogramm und darin befindet sich gut 1,3 Kilogramm Eimasse, die sich genauso wie der Inhalt eines Hühnereis verarbeiten lasse. Die Schale des Eis sei hart, man müsse ihr mit Hammer und Schraubenzieher zu Leibe rücken, oben und unten ein Loch hineinschlagen und dann das Ei auspusten, beschrieb die Straußenfachfrau. Dies erinnert an das Auspusten von Hühnereiern zum Bemalen für Ostern, nur in einer anderen Dimension.

Bettina Hiereth und ihre Nichte Laura verkaufen im Hofladen auch Staubwedel aus Straußenfedern.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Haltung der großen Vögel sei nicht kompliziert, sie bräuchten genügend Auslauf, einen Stall als Schutz vor Regen und in der kalten Jahreszeit. Ganz wichtig sei ein Sandbad zur Pflege der Federn und zur Abwehr von Ungeziefer, genauso wie für heimisches Geflügel. Die Straußenhaltung sei eine langfristige Angelegenheit, denn die Tiere, die ausgewachsen etwa 100 Kilogramm wiegen, werden bis zu 80 Jahre alt.