Für die beiden Störche, die in der Freisinger Altstadt einen Nistplatz suchen, gibt es womöglich ein Happy End. Seit fast zwei Wochen mühen sich die Vögel, auf dem Kopf der Statue am Marienplatz einen Horst zu errichten – bislang mit mäßigem Erfolg. Die Stadt prüft derzeit, ob nur wenige Meter entfernt auf dem Marcushaus eine Nisthilfe installiert werden könnte. Sollte dies möglich sein, könnte sie bis Freitagvormittag bezugsfertig sein. Ein Segen wäre das auch für die Mariensäule.
Die Störche sind derzeit Freisings beliebtestes Fotomotiv. Selbst vom Treiben am Wochenmarkt lassen sie sich nicht stören und landen mit Zweigen im Schnabel immer wieder auf den Köpfen von Maria und dem Jesuskind. An dem Denkmal ist nach Schätzung der Stadt bereits ein Schaden im mittleren vierstelligen Euro-Bereich entstanden. Genaueres lasse sich allerdings erst sagen, wenn die Zweige entfernt sind, sagt Pressesprecherin Carolin Nünemann. Experten gehen zudem nicht davon aus, dass es den Vögeln gelingen könnte, auf dieser schmalen Auflage einen Horst zu bauen.
Das Marcushaus als Alternativstandort bietet sich aus Sicht der Stadt an, weil die Störche dort bereits erste Versuche im Horstbau unternommen hatten. Da die Blechverkleidung eines aufgemauerten Giebelabschlusses jedoch sehr glatt ist, rutschten die Stöcke bei Wind und durch die anfliegenden Vögel immer wieder ab. Die Chancen, dass eine Nisthilfe an dieser Stelle angenommen wird, schätzt man im Rathaus als gut ein.
Der Bau einer Nisthilfe sei technisch relativ einfach und kostengünstig umzusetzen, erklärt Nünemann. Eine erste Grobeinschätzung der Statik durch die zuständige Abteilung zeige, dass bei fachkundiger Montage keine größeren Bedenken bestünden. Die Untere Denkmalschutzbehörde habe ebenfalls zugestimmt. Aus naturschutzfachlicher Sicht sei es ein guter Platz. Besser sogar als die Mariensäule, weil das Dach deutlich höher liegt und von den Vögeln besser angeflogen werden kann.
Sollte es den Vögeln tatsächlich gelingen, einen Horst zu bauen, bleibt die spannende Frage, ob sich Freising in eine Stadt der Störche verwandeln könnte. Denn Weißstörche brüten gern in losen Kolonien, wie Günther Knoll vom Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) erklärt. Drei weitere Paare gibt es bereits. Eines brütet seit drei Jahren nicht weit entfernt auf einem Kamin an der Oberen Hauptstraße. Ein Horst wird seit etwa acht Jahren auf der alten Brennerei am Weihenstephaner Berg genutzt, ein weiterer an der Angerstraße. Alexandra Prinz, beim LBV für das Weißstorch-Monitoring zuständig, findet es „wunderbar, dass die Stadt so schnell eine konstruktive Lösung gefunden hat“.

