Monika Schwind von der Freisinger Mitte und Nico Heitz von den Grünen erleben derzeit einen streng getakteten Alltag. Beide sind voll berufstätig – sie als Revisorin bei einer Freisinger Privatbank und Finanzreferentin des Stadtrats, er als Berufsschullehrer und Kulturreferent – und beide absolvieren nach Feierabend noch zwei, drei oder sogar mehr Wahlkampftermine wahr. Zumindest bis zur Stichwahl am 22. März: Da wird sich entscheiden, wer ins Rathaus einzieht.
Im ersten Wahlgang holte Monika Schwind 34,2 Prozent der Stimmen, Nico Heitz 21,9 Prozent, Schwind hat also die besseren Karten. Die eine, 51 Jahre alt, wäre die erste Oberbürgermeisterin der Stadt, der andere, 28, der erste Grüne an der Spitze Freisings. Sie gehört einer lokalen Wählervereinigung an, die unabhängig von übergeordneten Gremien agiert. Der andere einer bundesweit vernetzten Partei. Doch wofür stehen die beiden Kandidaten?
Innenstadt
Fragt man Monika Schwind, was sie als Oberbürgermeisterin zuerst angehen würde, landet man schnell beim Thema Innenstadt. „Ich würde Anwohnerausweise ausstellen, sodass es schon aus der Ferne erkennbar ist, wer überhaupt einfahren darf.“ Ein pragmatischer Ansatz, der die Kontrollen vereinfachen soll. Schwind findet, dass man der aktuellen Verkehrsregelung ein bisschen Zeit geben sollte, weil die Neugestaltung der Innenstadt erst im Dezember abgeschlossen wurde. „Ich bin nach wie vor dafür, dass man erst im Herbst prüft, was sich an der Regelung bewährt hat und was geändert werden sollte“, sagt sie. Ob dann ein Ratsbegehren nötig ist oder intensive Gespräche mit den Anwohnern und Gewerbetreibenden ausreichen, wird sich zeigen.
Nico Heitz hat jedoch andere Pläne: Für ihn sollte ein Bürgerentscheid endlich Klarheit zum Thema Fußgängerzone bringen. „Die Freisingerinnen und Freisinger verdienen es, dass sie nach so vielen Jahrzehnten über das Thema mitentscheiden dürfen.“ Ein Bürgerentscheid, wie der Name schon sagt, muss zwar von den Bürgerinnen und Bürgern initiiert werden, lässt sich aber beeinflussen, etwa durch die Formulierungen der Fragestellungen und die Mobilisierung der Öffentlichkeit.
Beide Kandidaten sind sich einig, dass eine alternative Lösung zu den großen Bussen, die derzeit über die Hauptstraße fahren, gefunden werden muss. Schwind denkt dabei unter anderem über eine perspektivische Anpassung des Liniennetzes nach, um die Innenstadt von einigen Bussen zu entlasten. Heitz möchte unbedingt die kleineren Busse zurückholen, „aus Gründen der Sicherheit, der Wirtschaft und der Kultur“, wie er sagt. Außerdem fordert er häufigere Kontrollen gegen rücksichtslose Radfahrer in der Fußgängerzone. Schwind wiederum könnte sich vorstellen, dass Radfahrer in der ohnehin kleinen Fußgängerzone ihr Fahrrad schieben müssen.
Wohnen
Die Schaffung bezahlbaren Wohnraums ist in der ganzen Region ein Thema, für Nico Heitz aber die absolute Priorität. „Wenn ich gewählt werde, werde ich mich als erstes mit der Kämmerei und der Stadtplanung zusammensetzen, um die Wohnbauprojekte, die stillstehen, wieder in Gang zu bringen“, sagt er. Als Beispiel nennt er die Vorhaben an der Oberen Pfalzgrafstraße oder an der Johann-Braun-Straße. „Es ist wichtig, dass wir uns beim Freistaat Bayern dafür einsetzen, dass wieder Fördermittel bereitgestellt werden“, betont Heitz. „Sollte es nicht ausreichend funktionieren, müssen wir die Planungen so überdenken, dass diese Wohnbauprojekte auch ohne Fördermittel realisierbar sind.“
Auch Schwind will sich für mehr bezahlbaren Wohnraum einsetzen, betont aber zugleich, dass es auch um Lebensqualität in der Stadt geht. Am Bahnhofsareal soll etwa ein modernes Quartier mit Wohnungen, Büros und Freizeitmöglichkeiten entstehen. Zudem liegt ihr das Thema Barrierefreiheit besonders am Herzen.
Finanzen
Die Stabilität der kommunalen Finanzen ist das, was die meisten Bürgermeister für die größte Herausforderung sehen. Heitz plädiert dafür, eine überfraktionelle Haushaltsklausur schon im Verlauf des Jahres und nicht erst zum Jahresende abzuhalten, um Sparmaßnahmen in Ruhe zu besprechen. Und um zu vermeiden, dass wichtige Entscheidungen in letzter Minute getroffen werden.
Eine essenzielle Einnahmequelle für die Kommunen ist die Gewerbesteuer. Vorhandene Gewerbeflächen sind weitgehend ausgelastet; neue sollten nach Ansicht von Heitz vorrangig für ortsansässige Betriebe, die wachsen wollen, reserviert werden. Schwind sieht es ähnlich und nennt als erste Zielgruppe jene Handwerksbetriebe und Unternehmen, die bereits in Freising ansässig sind und sich vergrößern wollen. „Wir müssen uns um solche Unternehmen bemühen“, sagt sie. Nicht nur wegen der Gewerbesteuereinnahmen, sondern auch wegen der Arbeitsplätze.


