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Start Up-Unternehmen:Freisinger Trio entwickelt vegane Pflanzenmilch

v.l.  Michael Sysoev, Julia Deuter, Jonathan Herrmann

Michael Sysoev, Julia Deuter und Jonathan Herrmann (von links) wollen mit ihrer neuen Pflanzenmilch "Plain" aus Weihenstephan den Markt erobern.

(Foto: oh)

Eigentlich wollten drei Gründer von der Hochschule Weihenstephan ihre neue Pflanzenmilch vorstellen. Die Corona-Krise verhindert das.

Der Durchbruch kam an einem späten Abend im vergangenen Sommer. Julia Deuter, Michael Sysoev und Jonathan Herrmann, alle um die 30, hatten schon stundenlang unterschiedliche Rezepturen probiert. Eine war zu süß, die andere zu dick, alle waren müde und wollten heim. Und dann: "Das ist sie, geil - genauso muss sie schmecken!" Die ideale Pflanzenmilch war geboren, mit "einem cremigen Mundgefühl", ihr Name "Pläin".

Julia Deuter muss immer noch lachen, wenn sie sich an den Augenblick erinnert. Das dreiköpfige Start Up-Unternehmen aus dem Dunstkreis der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf hatte sein lang gesuchtes Produkt gefunden - eine vegane Pflanzenmilch, die nicht nur schmeckt wie Kuhmilch, sondern auch deren Nährwert und funktionelle Eigenschaften hat. Seit zwei Wochen ist "Pläin" in München auf dem Markt - und mitten in die Corona-Krise geraten.

"Es war eine Riesenkampagne geplant, mit Verkostungen, das mussten wir jetzt natürlich alles absagen", erzählt Julia Deuter. Eine öffentlichkeitswirksame Präsentation der Pläin-Milch aber ist wichtig, damit die Kunden eine Vorstellung vom Produkt haben. Und damit sie die Pflanzenmilch überhaupt finden, denn die steht im Kühlregal, im Gegensatz zu herkömmlichen Milchersatzprodukten. Und es gibt sie in der gläsernen Pfandflasche und nicht im üblichen Tetrapack. "Das war uns ganz wichtig", sagt Julia Deuter, "es ist schließlich ein Naturprodukt".

Der Anstoß kam von Michael Sysoev, er ist auf einem Milchbauernhof in Russland aufgewachsen und als 16-Jähriger nach Deutschland gekommen. Milch war für ihn Lebenselixier, doch irgendwann wurden ihm die Probleme der Massentierhaltung bewusst, ausgelöst durch einen Hähnchenbrater unter seinem Fenster. Er studierte Wirtschaftsingenieurwesen und Umwelttechnik, schrieb seine Masterarbeit über Milchalternativen und probierte in der Küche mit Reis und Haferflocken herum. Irgendwann fragte er in Weihenstephan, ob er die Versuchsküche nutzen könne.

Das Trio zerlegte Kuhmilch in ihre chemischen Bestandteile

"So haben wir uns kennen gelernt", erzählt Julia Deuter, die in Weihenstephan Lebensmitteltechnologie studiert, so wie Jonathan Herrmann. Und sie fügt hinzu: "Das war nicht Zufall, das war Fügung." Das Trio ging ans Werk, zerlegte Kuhmilch in ihre chemischen Bestandteile und baute sie aus pflanzlichen Komponenten nach. So viel verrät Deuter, "die Basis ist Kokos und Reis, hochwertige Fette und Eiweiße". Nicht nur Geschmack und Inhaltsstoffe sollten stimmen, sondern eben auch das "cremige Mundgefühl", laut Deuter "die Haupteigenschaft, die man liebt an Milch, dass man sie aufschäumen kann und sie nicht ausflockt". Das Problem sei, "dass pflanzliche Proteine ein pappiges Gefühl im Mund machen, das muss man wegbekommen".

Sie bewarben sich um "Exit", ein Förderstipendium von Bund und EU, das Projekte von Start Ups aus Unikreisen bei nachgewiesenem Innovationsgrad unterstützt. "Also keine weitere Hafermilch, sondern was Neues", erklärt Deuter. 130 000 Euro gibt es verteilt auf ein Jahr, für den Lebensunterhalt, Rohstoffe, Material. Thomas Lötzbeyer, Professor für Chemie, Biochemie und Lebensmittelchemie unterstützte die Drei, die alsbald in den Bau der Produktionsanlage einstiegen.

Den Fuß in den Lebensmittelmarkt zu bekommen, war schwierig, schon wegen der geringen Produktionsmengen. Schließlich gewann man die Biomarktkette "Vollcorner", sechs Filialen in München werden seit zwei Wochen exklusiv beliefert, pro Filiale zwölf Flaschen, "und wir sind bei allen in ein bis zwei Tagen ausverkauft", sagt Deuter. Jetzt will man das Angebot auf Unverpackt-Läden ausdehnen und ab Dienstag, 31. März, gibt es Pläin im Freisinger Bioladen Lebenskunst am Rindermarkt. Bei der Produktionsmenge ist noch Luft nach oben.

© SZ vom 30.03.2020/nta
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