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Neues Parkhaus in Freising:Nicht mehr konsensfähig

Eine Festlegung gibt es jetzt für den Bereich um das „Kriechbaumareal“: Die Stadt plant hier ein Parkhaus.

(Foto: Marco Einfeldt)

Der Planungsausschuss hält an den Plänen für ein Parkhaus im Westen der Altstadt fest, die im Stadtrat einst einstimmig formuliert worden sind. Mittlerweile zweifeln jedoch einige Räte an der Notwendigkeit des Vorhabens.

Von Kerstin Vogel, Freising

Das Ziel war vom Stadtrat vor mehr als zehn Jahren in der Konzeption für die Umgestaltung der Innenstadt einstimmig formuliert worden: Als Punkt 9 ist da der Bau eines Parkhauses im Westen der Altstadt aufgeführt - und die Mehrheit des Stadtrats will auch daran festhalten. Der Planungsausschuss hat die Verwaltung am Mittwoch mit 9:5 Stimmen beauftragt, für das "Kriechbaumareal" und den angrenzenden Grund der islamischen Gemeinde an der Wippenhauser Straße den 2019 beschlossenen Bebauungsplan Nummer 158 "Westliche Altstadt" auszuarbeiten. Auf Basis einer Studie wurde für das Grundstück, das der Stadt hier gehört, eine Nutzung als Parkhaus mit 134 Stellplätzen festgelegt.

Die Gegenstimmen kamen zustande, weil Grüne, ÖDP und Linke mittlerweile Zweifel an der Notwendigkeit eines Parkhauses hegen. Zwar hatten sich die Stadtwerke noch einmal ausdrücklich für den Bau ausgesprochen. Der Bedarf entstehe durch die Auflösung von Stellplätzen in der Innenstadt und die Veranstaltungsstätte am Lindenkeller, heißt es da. Auch Besucher aus Richtung Allershausen könnten so auf kurzen Wegen die Altstadt erreichen. Für die Grünen allerdings war der Bedarf nicht schlüssig nachgewiesen, wie es Bürgermeisterin Eva Bönig formulierte.

Mit dem Parkhaus hole man den Verkehr wieder in die Stadt, kritisiert der Umweltreferent

In der Altstadt würden durch den Umbau lediglich Kurzzeitparkplätze wegfallen, die Parkhäuser im Marriott und am Wörth seien vor allem abends nicht ausgelastet, der Lindenkeller sei von dort aus leicht zu erreichen. Wenn man das Urteil des Verfassungsgerichts zum Klimaschutz ernst nehme, könne man keine weiteren Parkhäuser bauen, erläuterte ÖDP-Stadtrat Ulrich Vogl seinen Meinungsumschwung. Stattdessen sollten vorhandene Kapazitäten besser genutzt werden. Die Entscheidung zum Parkhaus hätte er gerne zurückgestellt, bis man sehe, "wie nachhaltig sich das Verkehrsverhalten durch Corona ändert". Grundsätzlich wurde Umweltreferent Manfred Drobny (Grüne). Da werde eine Umgehungsstraße wie die Westtangente mit all ihren Problemen gebaut, um den Verkehr aus der Stadt zu bringen, kritisierte er: "Und dann baut man ein Parkhaus, um ihn wieder reinzuholen."

Durchsetzen konnten sich die Kritiker nicht. So erklärte Hans Hölzl für die Freisinger Mitte, dass man das Parkhaus für unbedingt notwendig halte: für den Lindenkeller, für das Kulturzentrum, das möglicherweise auf dem Kriechbaumgelände noch entstehe, für die islamische Gemeinde, das Goldbergviertel und die AOK. Robert Weller (FW) sprach von einer "hervorragenden Planung". Die Parkplätze könnten auch von Menschen, die von außerhalb in die Stadt kämen, genutzt werden, so Weller: "Wir müssen unserer Verantwortung als Oberzentrum gerecht werden." CSU-Stadtrat Rudi Schwaiger wähnte sich gar "im falschen Film". Schließlich habe man bei der Erarbeitung der Innenstadtkonzeption hart um die einzelnen Punkte gerungen und einstimmig dafür entschieden: "Ich sehe keine Veränderung der Bedarfslage", sagte Schwaiger. Im Gegenteil würden ungeachtet der Corona-Pandemie die Zulassungszahlen im Landkreis weiter steigen.

Bedauert wurde, dass es trotz aller Bemühungen nicht gelungen ist, eine gemeinsame Lösung für alle drei Grundstücke zu finden. Doch die Gemengelage war von Anbeginn nicht einfach. Die Erbengemeinschaft, der das Kriechbaum-Grundstück gehört, war von der Vorstellung, ein Parkhaus zu bauen, zunächst nicht begeistert, später wurde hier die Idee geboren, ein kleines Kulturzentrum zu errichten. Das Areal der Moschee wiederum bedarf einer Neuordnung - und seit die Stadt das nördlichste Grundstück in diesem Bereich erworben hat, ist sie als weiterer Player im Spiel.

In mehreren Studien wurden mögliche Szenarien und Nutzungsverteilungen geprüft

Um die unterschiedlichen Entwicklungsinteressen unter einen Hut zu bringen, waren in mehreren Studien mögliche Szenarien und Nutzungsverteilungen geprüft worden. Eine Variante sah etwa ein Gebäude mit Innenhof vor, für das alle drei Grundstücke einbezogen worden wären. Hier wären Räume für das Islamische Gemeindezentrum sowie Wohnen und eine kleine Gewerbefläche untergebracht worden. Zusätzlich zur möglichen Tiefgarage unter dem Gemeindezentrum war auf der

gegenüberliegenden Straßenseite eine Parkgarage für die öffentliche Nutzung vorgesehen. Für die Realisierung wäre indes eine gemeinschaftliche Entwicklung aller Eigentümer notwendig geworden, auf die man sich aber nicht einigen konnte.

In einer anderen Studie wurde die Machbarkeit einer abschnittsweisen Bebauung auf den Grundstücken geprüft: Geplant war hier ein L-förmiges Gebäude, das sich inklusive einer Tiefgarage über alle Grundstücke erstreckte und eine offene Nutzungsverteilung zugelassen hätte. Doch auch hier war eine Einigung auf die dafür notwendige veränderte Grundstücksaufteilung nicht möglich.

Geplant sind 134 Stellplätze in vier Geschossen und einem Untergeschoss

Der Entwurf, der jetzt weiter entwickelt wird, sah einen "Stadtblock" vor, der auf die Grundstücksverhältnisse Rücksicht nahm und eine getrennte Entwicklung zuließ. Das Grundstück der Stadt würde dabei vollständig überbaut. Die Nutzung des Baukörpers wurde dabei zunächst noch nicht definiert. Das Privatgrundstück im Süden blieb unbeplant, was Raum für die Absichten des Eigentümers ließe. Die Vorhaben wären unabhängig voneinander realisierbar. Bei einer neuerlichen Untersuchung dieser Variante wurde die jetzt auch festgelegte Nutzung "Parkhaus" für das stadteigene Grundstück geprüft. Die Studie dazu sieht 134 Stellplätze in vier Geschossen und einem Untergeschoss vor. Die Zufahrt erfolgt von der Schönmetzlerstraße. Auf den Dachflächen wären weitere acht Stellplätze ebenso denkbar wie die Errichtung von Photovoltaik-Anlagen oder eine Dachbegrünung, die Fassade könnte im Interesse einer klimaschonenden Bauweise begrünt werden.

Die Gesamtkosten belaufen sich grob geschätzt auf 4,58 Millionen Euro; ein Stellplatz würde damit 34 000 Euro kosten. Dass der Standort, Park- und Suchverkehr in der Innenstadt sowie höheres Verkehrsaufkommen generiert, räumen auch die Stadtwerke ein.

© SZ vom 18.06.2021/axka
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