Süddeutsche Zeitung

Einblick ins Museum:Die Stutzuhr des Johann Zaglmann

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Der Uhrmacher arbeitete im Auftrag des fürstbischöflichen Hofs in Freising.

Von Peter Becker, Freising

"100 Einblicke in das Freisinger Stadtmuseum", so lautet der Titel des 45. Sammelbandes des Historischen Vereins Freising. Er gibt mit ausgewählten Objekten einen Überblick über die vielfältige Sammlung des Stadtmuseums, die mehr als 6000 Objekte aufweist. Die Publikation zeigt einen Querschnitt durch die Freisinger Geschichte von der Steinzeit bis zur Gegenwart. Mit Vorfreude blickt der Historische Verein dem Zeitpunkt der Eröffnung des neuen Stadtmuseums entgegen, in dem diese Fundstücke wieder aus dem Depot ans Licht geholt werden. Einen Vorgeschmack darauf bietet eine Serie der SZ Freising, in der ausgewählte Exponate vorgestellt werden. Heute: die Stutzuhr des Johann Zaglmann.

Anfang des 18. Jahrhunderts war Süddeutschland in der Entwicklung und Herstellung mechanischer Uhren führend. Kostbare Uhren waren auch am kunstaffinen Hof des Fürstbischofs sehr beliebt, weshalb sich in Freising das Uhrmacherhandwerk entfalten konnte. Den Titel eines "hochfürstbischöflichen Hofuhrmachers" hatte sich Johann Zaglmann erworben, kurz nachdem er 1715 Bürger der Stadt Freising geworden war.

Der Groß- und Kleinuhrmacher stammte aus Arnschwang in der Oberpfalz, schreibt Eva Wollberg vom Freisinger Stadtmuseum in einem Beitrag zum Sammelblatt. 1716 heiratete er die aus Kelheim stammende Gastwirtstochter Anna Katharina Hueber. Das Paar wohnte von 1717 an in einem Anwesen an der heutigen General-von-Nagel-Straße 20. Zagelmanns Frau starb wohl bei der Geburt des zweiten Kindes. Im November 1719 heiratete er Maria Wältl, Tochter eines Eisenwarenhändlers aus Rosenheim. Sie gebar ihm sechs Kinder. Zaglmann starb 1729 als geachteter Freisinger Bürger.

Laut Eva Wollberg schuf Zaglmann Uhren in allen Größen - von der Turmuhr der Freisinger Residenz bis zur Taschenuhr. Die Stutzuhr, die vermutlich aus dem Jahr 1720 stammt, befindet sich seit 2017 im Bestand des Stadtmuseums. Sie wurde bei einer Auktion ersteigert. Die Uhr besteht aus Laubholz, Messing, Kupfer, Glas und ist mit Ölfarbe verziert. Im Gegensatz zu einer Wand- oder Standuhr wurden Stutzuhren auf einem Tisch oder einer Kommode aufgestellt. Aufgebaut ist sie auf drei Platinen, was laut Eva Willberg eine Besonderheit darstellt.

Das Zifferblatt besteht aus Messing und ist mit getriebenen Bandwerkornamenten geschmückt. Rund um die Führung des Zeigers hat Johann Zaglmann seine Signatur hinterlassen. Eine Besonderheit stellt die bemalte Rückseite des Zifferblatts dar. Normalerweise blieben diese ungeschmückt. Dort sind die Buchstaben "CSL" zu lesen. Vermutlich handelt es sich dabei um die Initialen des Auftraggebers. Kombiniert sind diese mit einem spiegelverkehrten "N". Laut Eva Willberg rührt dies daher, dass die Uhr vor einem Spiegel aufgestellt worden war. Durch die verglaste Rückwand habe man das meisterhafte Uhrwerk und die Malerei betrachten sowie das spiegelrichtige Monogramm lesen können.

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