Einblick ins Stadtmuseum:Der karolingische Münzschatz von Lerchenfeld

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Einblick ins Stadtmuseum: Etwa 40 Silberpfennige waren 1938 bei Bauarbeiten in Lerchenfeld gefunden worden. 25 Denare befinden sich in der Sammlung der Stadt Freising.

Etwa 40 Silberpfennige waren 1938 bei Bauarbeiten in Lerchenfeld gefunden worden. 25 Denare befinden sich in der Sammlung der Stadt Freising.

(Foto: Stadtmuseum Freising, Willner)

Etwa 40 Denare waren 1938 bei Bauarbeiten an der Moosstraße gefunden worden.

Von Peter Becker, Freising

"100 Einblicke in das Freisinger Stadtmuseum", so lautet der Titel des 45. Sammelbandes des Historischen Vereins Freising. Er bietet mit ausgewählten Objekten einen Überblick über die vielfältige Sammlung des Stadtmuseums, die mehr als 6000 Objekte aufweist. Die Publikation zeigt einen Querschnitt durch die Freisinger Geschichte von der Steinzeit bis zur Gegenwart. Mit Vorfreude blickt der Historische Verein dem Zeitpunkt der Eröffnung des neuen Stadtmuseums entgegen, in dem diese Fundstücke wieder aus dem Depot ans Licht geholt werden. Einen Vorgeschmack darauf bietet eine Serie der SZ Freising, in der ausgewählter Exponate vorgestellt werden. Heute: der karolingische Münzschatz von Lerchenfeld.

Eine Ahnung von der früheren Bedeutung Freisings vermittelt laut Ulrike Götz, Direktorin des Stadtmuseums, der Münzschatz, der 1938 beim Bau einer Wohnsiedlung an der Moosstraße in Lerchenfeld zum Vorschein gekommen ist. Er umfasste etwa 40 Denare, die man dort an der Einmündung der Meisenstraße entdeckte. 25 Silberpfennige gingen laut Götz in den Besitz der Stadt Freising über, ein Teil blieb in Privatbesitz, ein anderer ist verschollen.

Um 700 nach Christus herum stand auf dem Domberg eine Pfalz der Agilolfinger Herzöge. Freising bildete somit im frühen Herzogtum Baiern neben den alten Römerstädten Regensburg, Passau und Salzburg über hunderte Jahre eines der Zentren des Landes. Laut Götz sind aus der Frühgeschichte Freisings nur wenige Zeugnisse erhalten. Umso größere Bedeutung kommt dem Lerchenfelder Münzschatz aus der Zeit der Karolinger zu. Der wurde vor etwa 1200 Jahren, etwa zwischen 825 und 840, vor den Stadtmauern jenseits der Isar vergraben. Warum, das ist nicht bekannt.

Einer der Denare fällt aus der Reihe

24 Münzen stammen entsprechend ihrer Inschrift aus dem sogenannten Christiana-Religio-Typ des Kaisers Ludwig des Frommen (814 bis 850). Sie wurden um das Jahr 822 herum eingeführt. Geprägt wurden sie vermutlich in Mailand, Orléans und Tours. Einer der Denare fällt laut Götz aus der Reihe. Er stammt aus England und wurde unter Erzbischof Wulfred von Canterbury geprägt.

Und noch eine Besonderheit stellt der Freisinger Münzschatz dar. Neben einem Fundort zwischen Fridolfing im Landkreis Traunstein und Freilassing ist er der einzige bekannte aus karolingischer Zeit im heutigen Bayern. Das frühe Mittelalter war von Naturalwirtschaft geprägt. Münzen waren zu kostbar, um damit Dinge des täglichen Bedarfs zu bezahlen. Geld taucht deshalb laut Götz nur an zentralen Orten auf, an denen auch Fernhändler ihren Sitz hatten.

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