Einblicke ins StadtmuseumDas Meisterstück von Johann Georg Dinckl

Lesezeit: 2 Min.

Bei diesem Gewehrschloss handelt es sich wohl um das Meisterstück des Freisinger Büchsenmachers Johann Georg Dinckl.
Bei diesem Gewehrschloss handelt es sich wohl um das Meisterstück des Freisinger Büchsenmachers Johann Georg Dinckl. (Foto: Christian Willner Photographie; Willner/Stadtmuseum)

Der Freisinger Büchsenmacher fertigt ein außergewöhnliches Gewehrschloss.

Von Peter Becker, Freising

" 100 Einblicke in das Freisinger Stadtmuseum", so lautet der Titel des 45. Sammelbandes des Historischen Vereins Freising. Er gibt mit ausgewählten Objekten einen Überblick über die vielfältige Sammlung des Stadtmuseums, die mehr als 6000 Objekte aufweist. Die Publikation zeigt einen Querschnitt durch die Freisinger Geschichte von der Steinzeit bis zur Gegenwart. Mit Vorfreude blickt der Historische Verein dem Zeitpunkt der Eröffnung des neuen Stadtmuseums entgegen, in dem diese Fundstücke wieder aus dem Depot ans Licht geholt werden. Einen Vorgeschmack darauf bietet eine Serie der SZ Freising , in der ausgewählte Exponate vorgestellt werden. Heute: ein außergewöhnliches Gewehrschloss.

Um das Meisterstück des Freisinger Büchsenmachers Johann Georg Dinckl könnte es sich bei dem Gewehrschloss handeln, das sich im Bestand des Freisinger Stadtmuseums befindet. Es besitzt ein Rad- und Steinschloss - also zwei verschiedene Zündmechanismen. Eva Willberg vom Stadtmuseum bezeichnet dies in ihrem Beitrag zum aktuellen Sammelblatt als außergewöhnlich. Es sei aber auch ein Indiz dafür, dass es nie in ein Gewehr eingebaut war. In das Eisen ist die mit einer Mondsichel gekrönte griechische Jagdgöttin Diana eingraviert. Über der rechten Schulter trägt sie einen Bogen.

Eine sogenannte Inschriftenkartusche neben der Diana weist den Hersteller als den in Freising arbeitenden Johann Georg Dinckl aus: "IOH: Georg Dinckl in Freysing". Dieser wurde am 30. März 1754 als Sohn eines Büchsenmachers in Hall in Tirol geboren. Er dürfte von seinem Vater und von dem ebenfalls aus Österreich stammenden und seit 1760 in Freising tätigen Johann Wimpassinger das Handwerk gelernt haben. Als 19-Jähriger heiratete er 1774 dessen Witwe Katharina Wimpassinger. Aus diesem Jahr stammt wohl auch sein Meisterstück. Ein Indiz dafür ist laut Eva Willberg, dass der Gegenstand die beiden damals üblichen Techniken zeigt: das Rad- und ein Steinschloss. Darauf weise ebenso ein altes Beschriftungsschild hin. Das Gewehrschloss wurde bereits im Jahr 1898 gekauft.

Dinckl war nicht nur Büchsenmacher, sondern auch als "Altgeldwürth" bekannt

Dinckl wohnte an der Hauptstraße 40 in Freising. Das Haus war mit einer Braugerechtigkeit verbunden. Dinckl war deshalb nicht nur Büchsenmacher, sondern übte auch das Braurecht aus. Er sei als "Altgeldwürth" bekannt gewesen, schreibt Eva Willberg. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete Dinckl 1787 Maria Anna Kainz, Tochter aus dem benachbarten Furtnerbräu. Seine dritte Ehe ging er mit der Schmied- und Eisenhändlerstochter Franziska Schuhbauer aus Haag in Oberbayern ein. Dinckl starb am 4. Oktober 1804 als angesehener Bürger Freisings. Er gehörte dem Äußeren und Inneren Rat an. Die bedeutenden Fernhandelskaufleute Matthias und Anna Maria Oberbucher hatten mehrfach Patenschaften für seine Kinder übernommen - ebenfalls ein Zeichen für sein Ansehen. Eine Art Tagebuch Dinckls erzählt von privaten und gesellschaftlichen Ereignissen in Freising.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Gutscheine: