Diana Melzer ist auf der Suche nach Paten. Die 42-jährige Freisingerin hat ein neues Projekt: „Rikscha Pate“ heißt es. Auf diese Weise will sie bedürftigen Menschen eine Stadtführung in ihrer motorisierten Rikscha ermöglichen. Melzer ist eigentlich Apothekerin, arbeitet aber nur noch in Teilzeit. Die leidenschaftliche Radlerin hat nämlich seit drei Jahren einen Nebenjob: Sie bietet in Freising Stadtführungen mit ihrer motorisierten Rikscha an.
Auslöser für ihr neues Projekt war ein Erlebnis im vergangenen Herbst. Eine Rollstuhlfahrerin erkundigte sich nach einer Fahrt. „Eigentlich war schon alles ausgemacht, dann hat sie nach dem Preis gefragt“, erzählt Melzer. „Als sie erfuhr, dass die Fahrt 90 Euro kostet, sagte sie, das könne sie sich nicht leisten.“ Melzer bot ihr dann die Fahrt für den halben Preis an.
Die Rundfahrt quer durch Freising zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten war dann auch für Melzer ein besonderes Erlebnis. „Mein Gast war so begeistert, war so glücklich danach.“ Melzer war so berührt, dass ihr die Fahrt nicht mehr aus dem Kopf ging. Die meisten Kunden hätten kein Problem, sich den Luxus einer Rikscha-Fahrt zu leisten. „Mir wurde erst durch diese Dame bewusst, wie viele Menschen das nicht können – und was für diese so ein Erlebnis bedeutet.“ Auch in Freising sei Armut ein großes Thema, es gebe viele Menschen, die am Existenzminimum lebten. „Sie können oft am gesellschaftlichen Leben nicht teilhaben.“
Ein erster Sponsor ist bereits gefunden
Sie begann, nach Sponsoren zu suchen, schrieb verschiedene Unternehmen und Organisationen an. Einen Unterstützer hat sie inzwischen schon gefunden: Die Rotarier Freising wollen nicht nur zehn Fahrten für Bedürftige finanzieren, sondern noch zehn weitere für Bewohner eines Altenheims. Auch Melzer will sich beteiligen: Nach zehn gesponserten Fahrten gibt es eine gratis.
Noch ist nicht endgültig geklärt, wie die Kunden ihre Bedürftigkeit nachweisen sollen. „Ich will natürlich von niemandem den Bürgergeldbescheid sehen. Aber ich möchte schon sichergehen, dass das nicht ausgenutzt wird“, erklärt Melzer. Sie sei im Kontakt mit Wohlfahrtsverbänden, habe die Tafel angeschrieben und den Freisinger Verein „Kulturgut“, der kostenfreie Kontingente für Kulturveranstaltungen bietet, um sich Rat zu holen.

