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Freisinger Archivstück des Monats:Blumen für Adenauer

Bundestagskandidat Franz Seidl (l.) und Regierungsdirektor Alois Braun (r.) mit Bundeskanzler Konrad Adenauer vor dessen Zug in Freising.

(Foto: Stadtarchiv)

Zwei Fotos des Stadtarchivs erinnern an eine Stippvisite des Bundeskanzlers in Freising.

"Die Gerüchte, die sich am Mittwoch hartnäckig in Freising hielten, obwohl sich alle Behörden, Polizei und Bahn in strengstes Schweigen hüllten, erwiesen sich als wahr. Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer, der sich zur Zeit auf einer Wahlreise durch Deutschland befindet, traf in der Nacht zum Donnerstag, wenige Minuten vor Mitternacht, mit seinem Sonderzug von Regensburg kommend in Freising ein." So beginnt der Bericht des Freisinger Tagblatts zum Kurzaufenthalt des ersten Bundeskanzlers während des Bundestagswahlkampfes 1953. An die Stippvisite erinnern zwei Fotos, die das Archivstück des Monats November bilden.

Trotz einer umfangreichen Presseberichterstattung und etlichen Schaulustigen, die versuchten, den Kanzler zu Gesicht zu bekommen, war Adenauers Freising-Besuch kein gewöhnlicher Wahlkampftermin, wie Florian Notter, Leiter des Stadtarchivs, ausführt. Die Stadt bot vielmehr ein sicheres Quartier im Zuge verschiedener Auftritte am 13. August in München, darunter war eine Großkundgebung im Deutschen Museum. Der Sonderzug, mit dem der Bundeskanzler zu reisen pflegte, passierte am 12. August gegen 23.45 Uhr den Freisinger Bahnhof und machte auf einem Nebengleis, das zur Motorenfabrik Schlüter führte, für etwa einen Tag Halt - streng bewacht von der Stadt-, Land- und Bahnpolizei. Zu den Terminen in der Landeshauptstadt wurde Adenauer am nächsten Vormittag dann mit dem in einem Packwaggon mitgeführten Dienstwagen, einem Mercedes-Benz 300, gefahren. Von dort zurückgekehrt, bestieg er am Abend des 13. August in Freising wieder den Sonderzug und reiste weiter.

Bei einem Gespräch mit Kommunalpolitikerin soll es um die wirtschaftliche Situation in Freising gegangen sein

Auch wenn es in Freising selbst keinen Wahlkampfauftritt gab, so wurde der hohe Gast dennoch freudig begrüßt: Am Morgen des 13. August machte Oberbürgermeister Max Lehner dem Kanzler seine Aufwartung. Zwei Mädchen überreichten ihm einen Blumenstrauß und erhielten dafür jeweils eine Tafel Schokolade. Ein kleineres Gespräch gab es zudem mit zwei Vertretern der örtlichen CSU, dem Notar und Bundestagskandidaten Franz Seidl aus Dorfen und dem Regierungsdirektor im Kultusministerium (und früheren NS-Widerstandskämpfer) Alois Braun. Bei dem Gespräch soll es um die wirtschaftliche Situation in Freising gegangen sein.

Gut drei Wochen nach Adenauers Kurzaufenthalt in Freising fand die Wahl zum zweiten Deutschen Bundestag statt. Der Bundeskanzler und die CDU/CSU fuhren mit 45,2 Prozent ein starkes Ergebnis ein (im Vergleich zur ersten Bundestagswahl von 1949 mit einem Plus von 14,2 Prozent). Konrad Adenauer wurde infolge des Ergebnisses vom Bundestag erneut zum Bundeskanzler gewählt - ein Vorgang, der sich 1957 und 1961 wiederholen sollte. Im Oktober 1963, nach 14 Amtsjahren, trat der inzwischen 87-Jährige als Bundeskanzler zurück. Nach Freising war Adenauer in all den Jahren nicht mehr gekommen.

Quellen: Stadtarchiv Freising, Fotosammlung; ebd., Zeitungssammlung, Freisinger Tagblatt, 15.08.1963 u. 21.04.1967.

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