Das neue Sprachcafé in Freising stehe zwar allen Menschen offen, die ihre Deutschkenntnisse verbessern wollen, sagt Sina Hörl, Integrationsbeauftragte der Stadt Freising. „Aber ich denke, dass vor allem Geflüchtete kommen werden.“ Viele von ihnen hätten wegen der Verschärfungen in der Asylpolitik derzeit wenig oder sogar gar keinen Zugang zu Integrations- und Sprachkursen. Das Sprachcafé könne diese Kurse zwar nicht ersetzen, aber: „Hier kann in entspannter Atmosphäre Deutsch geübt und gleichzeitig neue Kontakte geknüpft werden.“
Freising sei eine multikulturelle Stadt und auch im Landkreis lebten viele Migranten: Neben Geflüchteten, zuletzt insbesondere aus der Ukraine, seien das auch Fachkräfte aus vielen Ländern. „Der Flughafen und internationale Unternehmen sind attraktive Arbeitgeber, die Unis ziehen viele Studierenden aus dem Ausland an“, sagt Hörl. Der Landkreis zähle derzeit etwa 184 570 Einwohner, davon seien etwa 20 Prozent zugewandert.
Viele wollten ihre Deutschkenntnisse verbessern oder die Sprache üben. Verallgemeinern könne man das aber nicht, betont Hörl. Ein Migrationshintergrund oder ein ausländischer Pass ließen nicht automatisch Rückschlüsse auf die Sprachkompetenz einer Person zu. „Viele sind auch mit Deutsch als Muttersprache aufgewachsen oder sprechen bereits sehr gut Deutsch.“
Das Sprachcafé ist ein gemeinsames Projekt des „Treffpunkt Ehrenamt“ und der Interkulturellen Stelle der Stadt Freising. Immer wieder wendeten sich Menschen mit Fluchterfahrung und geringen Deutschkenntnissen an den Treffpunkt, berichtet dessen Leiterin Johanna Sticksel. „Sie suchen ein Ehrenamt, bei dem sie Kontakt zu Muttersprachlern haben und ihr Deutsch verbessern können.“ Die Vermittlung sei jedoch oft schwierig. So sei sie auf die Idee eines Sprachcafés als ungezwungenen Begegnungsort gekommen.
„Mibikids“ bietet Kindern eine Deutschförderung
Läuft alles planmäßig, startet das Sprachcafé bereits Ende Juli. Genügend Ehrenamtliche, die die wöchentlichen Treffen im Café des Mehrgenerationenhauses in Freising moderieren, stehen bereits bereit. In lockerer Atmosphäre sollen sich die Besucher dort über zuvor ausgewählte und alltagsnahe Themen wie Hobbys oder Lieblingsessen, unterhalten. Falls das Sprachniveau zu unterschiedlich ist, können verschiedene Gruppen gebildet werden. „Wir hoffen, dass sich viele trauen, zu kommen“, sagt Sticksel. Informationen über das neue Angebot werde es in den Flüchtlingsunterkünften geben, zudem würden noch Plakate in der Stadt aufgehängt.
Samuel Fosso begrüßt das neue Sprachcafé sehr. „Jedes Angebot, das zugewanderten Menschen, die keine Muttersprachler sind, beim Lernen der Sprache hilft, ist willkommen.“ Der gebürtige Kameruner lebt seit 2001 in Deutschland, zuvor studierte er in Polen. Er lernte beide Sprachen, Deutsch und Polnisch spricht er fließend. „Das war mir persönlich sehr wichtig“, sagt der frühere Referent für Migration der Stadt Freising. „Ich möchte schon mit den Menschen in dem Land, in dem ich lebe, kommunizieren können.“ Das sei nicht nur eine Bereicherung, sondern erleichtere den Alltag. „Die Sprache ist ein Türöffner, sie ist der Schlüssel zur Integration.“ 2010 gründete Fosso aus dieser Überzeugung heraus gemeinsam mit anderen Migranten den Freisinger Verein „Mibikids“. Die Initiative von Migranten für Migranten bietet Kindergarten- und Schulkindern in kleinen Gruppen eine ehrenamtliche Deutschförderung an.

