Mitgliederrückgang bei Sportvereinen:Halb so schlimm

Mitgliederrückgang bei Sportvereinen: Auch wenn die Kletterhalle derzeit geschlossen ist: Der Freisinger Alpenverein registriert keine Abmeldungen, aber auch keine neuen Mitglieder.

Auch wenn die Kletterhalle derzeit geschlossen ist: Der Freisinger Alpenverein registriert keine Abmeldungen, aber auch keine neuen Mitglieder.

(Foto: Marco Einfledt)

Der Bayerische Landessportverband prophezeit einen dramatischen Mitgliederrückgang durch die Corona-Krise, doch bei den Vereinen im Landkreis ist man gelassen. Eine große Austrittswelle gibt es dort nicht.

Von Johann Kirchberger, Freising

Einen dramatischen Mitgliederrückgang prophezeit der Bayerische Landessportverband (BLSV), sollten die Corona bedingten Beschränkungen anhalten und der Freizeit- und Amateursportbereich weiter geschlossen bleiben. Die schnelle Rückkehr zum Sport sei überlebenswichtig. Die Vereine im Landkreis Freising sehen das freilich halb so schlimm. Abseits der Großstadt kündige man seine Mitgliedschaft nicht so schnell, sagt Franz Lupp, Vorsitzender des TSV Jahn Freising, "da steht man zu seinem Verein".

Einen Rückgang der Mitgliederzahl habe er zwar schon auch registriert, so Lupp. Aber nicht, weil so viele ausgetreten seien, sondern weil sich die Zahl der Neueintritte in den vergangenen Monaten halbiert habe. Speziell zu Beginn eines neuen Schuljahres meldeten sich im Normalfall zahlreiche Kinder und Jugendliche an, das sei heuer ausgeblieben. Verständlich sei das, sagt Lupp, warum solle jemand Mitglied eines Vereins werden, wenn alle Sportstätten geschlossen sind. Den Jahn hätten die Corona-Beschränkungen aber lange nicht so schwer getroffen wie andere. "Wir haben eine eigene Halle und ein gutes Hygienekonzept", sagt er, und "unsere Wiese neben der Halle hat uns gerettet". Dort habe man den ganzen Sommer über Sport treiben können.

Lupp wünscht sich eine klare Linie

Anders sei das beim Mannschaftssport. So habe man frühzeitig alle Basketballteams, bis auf die Erste Mannschaft, abgemeldet. Bei einem Training in festen Gruppen sei das Risiko kalkulierbar, bisher sei ihm auch kein Fall bekannt, dass sich jemand im Sportbetrieb angesteckt habe. Aber die Leute zu Auswärtsspielen zu schicken, "das wollten wir nicht, da hätten wir uns sehr unwohl gefühlt". Grundsätzlich wünsche er sich eine klarere Linie, sagt Lupp, wenn in der Stadt andere Regeln gelten wie in den Hallen des Landkreises, sei das ein Unding.

Auch Christian Rester, Vorsitzender der Freisinger Sektion des Deutschen Alpenvereins, kann bisher keinen Mitgliederschwund ausmachen. Aber ein Mitgliederzuwachs sei momentan auch nicht festzustellen, berichtet er. Wenn heuer die Skisaison ausfalle, betreffe das seine Sektion nicht. "Wir sind mehr bergsteigerisch orientiert und bieten Touren an." Und nach Österreich werde derzeit eben nicht gefahren.

Trainer sollen verstärkt Kontakt zu Spielern halten

Von noch stabilen Mitgliederzahlen berichtet auch Rudolf Hauke vom TSV Eching. Aber man müsse aufpassen, sagt er, "wenn wir heuer nicht in der Halle spielen dürfen, kann sich das schon auswirken". Die Trainer der 18 Jugendmannschaften habe man deshalb angewiesen, verstärkt Kontakt zu den Spielern zu halten. Diese Anweisung haben auch die Jugendtrainer des SE Freising erhalten. Austritte wegen fehlender Spiel- und Trainingsmöglichkeiten habe er bisher nicht bemerkt, sagt Jugendleiter Manuel Esch. Aber generell gehe die Zahl der aktiven Jugendlichen zurück. Das sei der Wandel der Zeit und habe nichts mit Corona zu tun, "die Burschen haben eben auch andere Hobbys".

Die Neueintritte stagnierten, die Zahl der Abmeldungen sei um zehn Prozent höher als sonst zum Jahresende üblich, meldet Oliver Schäffler vom SC Eching. "Aber da kann man nichts machen, so schnell wird da nichts besser." Viel mehr als Corona wirke sich bei seinem Verein das Fehlen der abgebrannten Tennishalle aus.

Die Tennishalle ist auch das Sorgenkind beim BC Attaching. Die nämlich habe man Mitte November schließen müssen, klagt Vorsitzender Albert Ziegltrum. Wenn das so bleibe und Abos zurückgezahlt werden müssten, habe das natürlich finanzielle Auswirkungen. Ansonsten meldet Ziegltrum eine "erstaunliche Entwicklung" seines Vereins. In den vergangenen sechs Wochen habe es fünf Austritte gegeben, das sei zum Jahresende üblich, aber diesen Abmeldungen stünden 20 Neuzugänge gegenüber, die meisten bei den Baseballern.

"Alles halb so schlimm", sagt auch Dietmar Buchta, der Vorsitzende der SG Eichenfeld. Sein Verein habe 670 Mitglieder, wenn wie üblich zum Jahresende einige davon austreten, sollte man nicht groß darüber diskutieren. Natürlich sei es traurig was derzeit ablaufe, wenn keine Weihnachtsfeiern abgehalten werden könnten und das Vereinsheim geschlossen sei. Man bemühe sich aber, auch so Kontakt zu den Mitgliedern zu halten. Der neue Wirt biete etwa am Wochenende Essen zum Mitnehmen an, was gut angenommen werde. Er verstehe natürlich, dass der BLSV die Situation ein wenig dramatisiere, so Buchta, wenn der aber wirklich etwas für seine Vereine tun wolle, dann solle er sich für höhere staatliche Zuschüsse einsetzen. Ein Lob zollt Buchta der Stadt Freising. Mit der Jugendförderung und den Übungsleiterzuschüssen sei er sehr zufrieden. Er hoffe nur, dass es da wegen Corona zu keinen Kürzungen komme.

© SZ/nta
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