Freisinger Funktionär macht Mut:"Sport wird immer bleiben"

Freisinger Funktionär macht Mut: Florian Warmuth (rechts) im Gespräch mit D-Jugend Trainer Christian Greiner (links). Der junge Mann in der Mitte ist Sohn Balthasar Warmuth.

Florian Warmuth (rechts) im Gespräch mit D-Jugend Trainer Christian Greiner (links). Der junge Mann in der Mitte ist Sohn Balthasar Warmuth.

(Foto: Marco Einfeldt)

Corona legt das Sportgeschehen auch im Kreis Freising fast lahm. Florian Warmuth, Kreisvorsitzender des Landes-Sportverbands, rät Vereinen, innovativ und flexibel zu bleiben.

Interview von Johann Kirchberger, Freising

Corona hat das Sportgeschehen im Landkreis weitgehend lahmgelegt. Manche Sportarten haben die Saison abgebrochen, manche unterbrochen. Wie es weitergehen soll und kann, ist derzeit noch völlig offen. Nach Aussage des Kreisvorsitzenden Florian Warmuth sei der Bayerische Landes-Sportverband (BLSV) mit seinen über 4,6 Millionen Mitgliedern auf der ständigen Suche nach Lösungen und stehe in engem Kontakt zur Staatsregierung und Sportminister Joachim Herrmann. Dabei stelle der BLSV nicht nur klare Forderungen auf, sondern biete auch praktikable Lösungen im Sinne des Sports an. Auch die Verdoppelung der Vereinspauschale sei aus einer Zusammenarbeit von BLSV und Innenministerium entstanden. Auch verweist Warmuth auf das BLSV-Service-Center (089/15702 400 oder service@blsv.de), das den Vereinen mit Handlungsempfehlungen zur Seite stehe. Der Sport, sagt der Kreisvorsitzende, werde trotz der gegenwärtigen Probleme nicht untergehen.

SZ: Seit ein paar Wochen dürfen zwar die Fußballer wieder trainieren und Testspiele austragen, noch ist aber offen, wann wieder um Punkte gespielt werden kann. Fällt demnächst eine Entscheidung?

Warmuth: Ich gehe davon aus, dass die Staatsregierung in den nächsten Tagen zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs Stellung beziehen wird, Richtlinien aufstellen und eventuelle Möglichkeiten aufzeigen wird. Alles unter Berücksichtigung der aktuellen Lage und der möglichen Auswirkungen auf ein Ansteigen der Coronazahlen.

Der gesamte Jugendbereich pausiert. In manchen Fußballvereinen haben sich die Kinder seit dem vergangenen Herbst nicht mehr gesehen. Besteht da nicht die Gefahr, dass sich die jungen Leute ganz vom Sport abwenden?

Die Gefahr sehe ich eher in allen anderen Sportarten. Beim Fußball als Freiluftsportart gibt es seit geraumer Zeit die Möglichkeit in größeren Gruppen zu trainieren. Bis auf die jüngsten Jahrgänge ist ein Training nach den Hygienevorschriften praktikabel umzusetzen. Auch spielt die Medienpräsenz des Fußballs eine große Rolle. Bei allen anderen Sportarten sieht es dagegen düster aus. Im Profibereich deshalb, weil sich Spiele ohne Zuschauereinnahmen nicht rentabel darstellen lassen.

In den Hallen herrscht noch weitgehend Ruhe. Jetzt sind Sommerferien und danach werden Turnhallen womöglich ganz für schulische Zwecke benötigt. Können sich die Vereine dagegen wehren?

Turnhallen sind meist in Hand der Gemeinden und Landkreise und an Schulen angeschlossen. Sollten die Hallen mehr zur schulischen Nutzung benötigt werden, um einen regulären Unterricht zu gewährleisten, wird sich der Sport nicht anmaßen, dies in Zweifel zu ziehen oder gar sich dagegen wehren. In Zeiten, in denen Zusammenhalt wichtiger denn je ist und eine schulisch Versorgung elementar wichtig für uns alle ist, muss man realistisch abwägen, wie wir unsere Gesellschaft durch diese schwere Zeit bringen.

In allen Sportarten sind inzwischen Hygienekonzepte aufgestellt worden. Manche Maßnahmen erscheinen ein wenig übertrieben, wie etwa auf das Duschen zu verzichten oder Bälle ständig zu desinfizieren. Kann das in der Praxis funktionieren?

Es funktioniert in der Praxis. Nur kann dies nicht die Normalität werden, um den Sport zu betreiben, den wir kennen und schätzen. Die Hygienevorschriften werden uns leider weiter begleiten und beeinträchtigen einen der Hauptbeweggründe, sich sportlich zu betätigen, den gesellschaftlichen Aspekt. Das Zusammenkommen in ungezwungener Art mit Freunden ist ein immens wichtiger psychologischer Faktor unseres Lebens.

Zuschauer bei Mannschaftssportarten sind ja noch grundsätzlich ausgeschlossen. Den Vereinen brechen da wich- tige Einnahmen weg. Im Fußball sind Geisterspiele möglich, aber im Basketball, Volleyball oder Eishockey wird das schwierig. Kann da der BLSV helfen?

Der BLSV kann keine Ausfälle übernehmen. Wir können nur mit Handlungsempfehlungen und Ratschlägen helfen, aber nicht Geld an die Vereine verteilen oder Profibetrieben aus der Misere helfen.

Alle Vereine hoffen, gleich nach den Sommerferien neu starten zu können. Das gilt nicht nur für die Mannschaftssportarten, sondern auch für Gymnastikstunden. Glauben Sie das wird klappen?

Für alle Hallensportarten wird es schwierig, aber nicht unmöglich sein, wieder in eine gewisse Normalität zu kommen. Die Hallen müssen umgerüstet werden und die Sportler müssen sich an die Regeln und Richtlinien halten. Nur so lässt sich das Infektionsrisiko in Grenzen halten. Wobei schon zu sehen ist, dass die Disziplin nachlässt.

Viele Meisterschaften wurden und werden immer noch abgesagt. Selbst die Olympischen Spiele 2021 sind in Gefahr. Wie lange hält der Sport das aus?

Der Sport wird immer bleiben, da es eine sehr große Sportbegeisterung gibt. Natürlich wird es schwierig für die Vereine, so weiterzumachen wie bisher. Es müssen die Angebote angepasst werden. Auch müssen die Vereine an der Kostenschraube drehen, vor allem auf der Ausgabenseite, da eine Erhöhung der Einnahmen im Moment sicher nicht zu erzielen ist.

Wenn die Zahl der Neuinfizierten weiter steigt, könnte es durchaus dazu kommen, dass der Sport wieder hinten runter fällt. Laufen die Vereine nicht Gefahr, dass ihnen dann die Mitglieder davon laufen?

Es wird in Bayern keine Lockerungen geben, auch im Sport nicht, solange die Fallzahlen zu hoch sind. Es werden die Mitgliederzahlen sinken, da das Angebot reduziert werden muss und die Planbarkeit nicht mehr gegeben ist. Es kann kein Spielplan erstellt werden, eine Trainingssteuerung ist schwierig, die Motivation der Sportler sinkt, wenn kein klares Ziel in Sicht ist. Ich setze da aber stark auf den Einfallsreichtum unserer Vereine, um dem Mitgliederschwund entgegenzusteuern.

Wie zuversichtlich sind Sie eigentlich, dass sich die Lage bald wieder normalisiert und was raten Sie den Vereinen?

Persönlich bin ich der Meinung, dass es keine rasche Normalisierung der Lage geben wird. Die Unsicherheit ist das größte Problem der Vereine. Noch gibt es finanzielle Rücklagen und das Jahr 2020 werden die meisten Vereine mit einem blauen Auge überstehen. Aber was passiert 2021 und in den folgenden Jahren? Als Rat kann ich nur weitergeben: Bleibt innovativ und flexibel, um unseren geliebten Sport am Leben zu erhalten.

© SZ vom 31.08.2020/av
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