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Online-Veranstaltung der Freisinger Landkreis-SPD:Nicht mit Seitenhieben gespart

SPD Bayern

Das traditionelle Aschermittwochstreffen der SPD fand heuer - wie so vieles zurzeit - als Online-Veranstaltung statt.

(Foto: dpa)

Bei ihrem virtuellen Aschermittwochstreffen sparen die Sozialdemokraten nicht mit Seitenhieben auf die Konkurrenz. Im Jahr der Bundestagswahl streichen die Genossen aber auch die Erfolge der eigenen Regierungsarbeit heraus.

Von Hanna Dittrich, Freising

"Bier genießende Genossen, Fisch genießende Genossen. Genossen genossen den Abend." Mit diesen Worten eröffnete der Vorsitzende des Langenbacher Ortsvereins, Johannes Hehnen, die jährliche Aschermittwochsveranstaltung der Landkreis-SPD. Auch wenn diese pandemiebedingt nicht wie gewohnt in einem Langenbacher Wirtshaus, sondern nur online stattfinden konnte, fehlte es nicht an den für so einen Abend typischen Zutaten: Seitenhiebe für den politischen Gegner, Aufzeigen gesellschaftlicher Missstände, Hervorheben der eigenen Leistungen.

Nach Hehnen übernahm Kreisvorsitzender Andreas Mehltretter das nur sprichwörtliche, weil virtuelle Rednerpult. Jeder der Teilnehmer saß schließlich alleine zu Hause vor seinem Computer, einige hatten sich allerdings Bier eingeschenkt und auch vom Fisch zum Abendessen war die Rede.

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Woran erkennt man, von welcher Partei man gerade eine Veranstaltung besucht - mit Ausnahme der omnipräsenten Aufsteller, Farben und Flaggen? Für den Vorsitzenden der SPD Langenbach, Johannes Hehnen, ist das ganz klar: anhand der Begrüßungen. So beginne man in seiner Partei die Reden immer mit "Genossinnen und Genossen" - dies käme zwar etwas altbacken daher, aber die anderen Parteien hätten es auch nicht besser. Die FDP begrüße sich mit "Sehr geehrte Damen und Herren". Dies klinge seiner Meinung nach wie "Vorstand, Bank und Aufsichtsrat" - eben einfach nach FDP. Die CDU und die Grünen würden mit ihrer Anrede "Meine lieben Freundinnen und Freunde" glatt lügen. Hehnen glaubt kaum, "dass ein Friedrich Merz irgendeinen Freund in der Partei hat". Die Grünen wären es in der Tat aber gerne. Die CSU hingegen sei ehrlicher. Sie spreche von "Parteifreunden". Auch wie die AfD ihre Mitglieder begrüße, scheine zu passen: "Patriotinnen und Patrioten" klinge immerhin so ähnlich wie "Idiotinnen und Idioten", endet Hehnen und erntet für seine Ausführung über die anderen Parteien etliche virtuelle Lacher sowie Applaus in Form von Smileys und Händewinken.hadi

Mehltretter begann seinen Beitrag mit einer Aufzählung dessen, was "in unserer Gesellschaft alles schief läuft" und durch Corona aufgezeigt worden sei. Dabei legte er einen besonderen Fokus auf die Pflegekräfte, die Ärmsten unserer Gesellschaft und vor allem benannte er, was die SPD bereits getan habe, um dieser Ungerechtigkeit entgegenzuwirken. Sie werde unter anderem weiter dafür kämpfen, dass es angemessene Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen gebe. Dass die Coronabilanz der Bundesregierung im Allgemeinen durchwachsen sei, so Mehltretter, liege ganz einfach daran, "dass wir nicht allein in der Regierung sind". Unter anderem das Kurzarbeitergeld, vereinfachter Zugang zum Arbeitslosengeld und die Mehrwertsteuersenkung hätte es ohne die SPD so nicht gegeben, stellt Mehltretter klar.

Mit Seitenhieben auf die politischen Gegner wurde nicht gespart

Neben dem Herausstellen der eigenen Erfolge sparrte Mehltretter unter virtuellem Beifall aber auch nicht mit Seitenhieben gegen die politischen Gegner. So habe die Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) so viel Erfahrung mit Landwirtschaft, "dass sie für die Lebensmittel ihrer Heimat Werbung mit Orangensaft und Bananen macht. Anscheinend wachsen laut Klöckner in Rheinland-Pfalz mittlerweile sogar Bananen und Orangen". Innenminister Horst Seehofer (CSU) freue sich, "wenn an seinem Geburtstag Flüchtlinge in Kriegsgebiete abgeschoben werden". Da sei ihm "last and least" Verkehrsminister Andreas Scheuer doch lieber. Der sei nämlich "viel zu unfähig, solche Grausamkeiten in die Tat umzusetzen". Dieser CSU-Minister sei auch nur noch im Amt, damit der "Söder-Stern" noch heller strahle.

Weiteres unumgängliches Thema war die Bundestagswahl im Herbst. Auch in diesem Zusammenhang wurde kritisiert, ironisiert und sich über so manche politische Fehltritte der Gegner lustig gemacht.

Das Ende der offiziellen Veranstaltung bildete ein Video der Jungen Sozialdemokraten (Jusos). Eine Gruppe von Jugendlichen unterhielt sich über die kommende Wahl, als einer anmerkte: "Also die SPD wähle ich auf gar keinen Fall. Was haben die denn schon je für uns getan?" Die Folge war eine sich immer weiter steigernde Aufzählung all der wichtigen Handlungen der SPD in den vergangenen Jahren - vom Mindestlohn über die Grundrente bis zur 40-Stunden-Woche und dem Kohleausstieg. Anschließend wurden in kleinerer Runde noch weitere Argumente für die SPD besprochen und gesammelt - ein Genosse meinte zum Schluss: "So muss einfach jeder von uns jeden Tag einen überzeugen, die SPD zu wählen, dann wird das im September was."

© SZ/nta
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