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Sommerferien 2020 im Landkreis Freising:Alles durchgeplant und desinfiziert

In der Zauberschule beim Abenteuerspielplatz am Sebaldhaus schnitzen die Kinder gerade Zauberstäbe. Die Masken sind Pflicht.

(Foto: Marco Einfeldt)

Das Sommerferienprogramm in Stadt und Landkreis findet in diesem Jahr unter Corona-Bedingungen statt. Die Kinder müssen viele Regeln beachten, sind nach dem Lockdown aber froh über jede Abwechslung.

Von Gudrun Regelein, Freising

Beim Sommerferienprogramm des SV Dietersheim trugen die Kinder in jeder Gruppe ein andersfarbiges T-Shirt. So sahen die Betreuer und die Kinder sofort, wer zu wem gehört - und die notwendigen Abstandsregeln und Hygienevorschriften konnten problemlos eingehalten werden. Wie in Dietersheim wird in den meisten Gemeinden im Landkreis auch in Zeiten von Corona ein Ferienprogramm angeboten, wenn auch in abgespeckter Version. "Ich hätte ein schlechtes Gefühl gehabt, wenn wir gar nichts gemacht hätten", sagt Elisabeth Maier, Jugendreferentin in Haag. Dort finden die Veranstaltungen vor allem im Freien statt, beispielsweise eine Open-Air-Filmnacht, eine Schnitzeljagd im Wald und eine Entdeckungstour durch den Weltwald. "Die Resonanz ist sehr gut, wir sind fast ausgebucht", sagt Maier. Die Kinder bräuchten nach dem Lockdown wieder Gesellschaft, das Programm biete willkommene Abwechslung.

Zeltlager, Schlauchbootfahrten, Freizeiten und Übernachtungen gibt es beim Ferienprogramm 2020 der Stadt Freising nicht. "Da hätten wir kein gutes Gefühl gehabt", sagt Stefan Memmler, einer der beiden Leiter der Stadtjugendpflege. Bei diesen Angeboten nämlich wäre es schwierig mit der Maskenpflicht und der Abstandsregel geworden. Auch die Veranstaltungen mit einer Fahrzeit von über eine Stunde habe man deshalb gestrichen.

Gab es in Freising 2019 noch etwa 130 Veranstaltungen, so werden es 2020 noch etwa 90 sein. Auch die Teilnehmerzahl musste wegen der Vorschriften verringert werden: In diesem Jahr werden es knapp 1000 Kinder und Jugendliche weniger sein als im Vorjahr. Nur noch 15 Teilnehmer sind jetzt pro Veranstaltung erlaubt, auch bei den Busfahrten, wo eigentlich inzwischen wieder 35 Kinder gestatten sind. Auch im Sebaldhaus gibt es in der "Zauberschule" in diesem Jahr weniger Teilnehmer. "Die haben wir um die Hälfte reduziert", sagt Memmler. Zu Beginn waren es noch 100 Kinder gewesen, nun seien es nur noch 60. Mit 100 Kindern nämlich sei es trotz des großen Geländes und der vielen Werkstätten extrem schwierig gewesen. "Trotz des vielen Personals war es mit dem Abstand und der Maskenpflicht grenzwertig." Dass sich Pulks bildeten, konnte nicht verhindert werden. Im Gegensatz zu früher können die Kinder in diesem Sommer auch nicht frei auf dem weitläufigen Gelände herumlaufen. Alles ist durchgeplant, es gibt Unterricht in den Werkstätten und die Mittagspausen finden in Zwölfergruppen an den Feuerstellen statt.

Das Sommerferienprogramm sei in diesem Jahr zwar eine "schwierige Geschichte, aber: "Insgesamt funktioniert es gut, es ist handelbar", sagt Memmler. Das Händewaschen und Desinfizieren würden alle Kinder schon aus der Schule kennen. "Die akzeptieren die Vorschriften. Die Kinder sind ja froh, dass sie überhaupt etwas machen können." Im Jugendhaus in Moosburg gibt es in diesem Sommer ein ganz anderes, neues Programm, berichtet Yann Schmidl, Sozialpädagoge der Stadt Moosburg. "Eigentlich läuft es wie in einem klassischen Jugendhausbetrieb, mit Billard, Playstation, Basteln. Dazu kommen dann Angebote wie Kochen, Kinoabende, eine Vogelstimmenwanderung oder Radfahren", berichtet er. Maximal zehn Kinder sind gleichzeitig da, betreut werden diese in aufeinanderfolgenden Blöcken. Der Betreuungsschlüssel ist hoch, fünf Mitarbeiter kümmern sich um die zehn Kinder. Das sei notwendig, um die Hygienemaßnahmen einhalten zu können, erklärt Schmidl. Natürlich gilt auch hier die Maskenpflicht, ein Einbahnstraßensystem führt durch das ganze Gebäude und den Außenbereich. "Die Kinder halten sich auch vorbildlich an die Regeln", lobt Schmidl. Insgesamt werden in diesem Sommer 63 Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren betreut, im vergangenen Jahr waren es 250 gewesen - aber noch gebe es einige freie Plätze.

Auch in Neufahrn ist in diesem Sommer alles anders. Das Jugendzentrum bietet wochentags auf dem Volksfestplatz ein buntes Programm mit verschiedenen Aktivitäten wie Malen, Basteln und Spielen an, berichtet Michaela Wiencke, Mitarbeiterin der Gemeinde. Dort ist auch ein kleines Zelt aufgebaut, der Platz bietet im Freien eine große Freispielfläche. "Das Programm 2020 ist zwar sehr abgespeckt, aber wir wollten die berufstätigen Eltern entlasten", sagt Wiencke. Deshalb habe auch der Hort während der Ferien für alle Schulkinder der ersten bis sechsten Klasse durchgehend offen, die Mittagsbetreuung habe wochenweise geöffnet. "Das ist als Angebot für solche Eltern gedacht, die coronabedingt schon ihren Jahresurlaub verbraucht haben", erklärt Wiencke. "Die Resonanz war aber erstaunlich gering."

© SZ vom 14.08.2020

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