bedeckt München
vgwortpixel

Freisinger Band-Geschichten:"Wir haben gesprüht vor Kreativität"

wurff1

An den Auftritt von Wurff im legendären Circus Gammelsdorf können sich die Fans der Freisinger Band heute noch erinnern.

(Foto: privat)

Günter Janovsky erinnert sich an die Zeit mit seiner Band "Wurff" zurück. Gegründet wurde diese legendäre Freisinger Gruppe irgendwann Ende der Siebzigerjahre. Sie bracht es sogar zu einem Auftritt in der Fernsehsendung des Bayerischen Rundfunks "Live aus dem Alabama"

Sie heißen Eucalyptus, Schlagzeile, Wurff , Tutti Bandi oder Anabasis. Freising hat in den Achtzigerjahren einige Bands hervorgebracht, die sich auch überregional einen gewissen Bekanntheitsgrad erspielt haben. Was ist aus den Helden von einst geworden? An was erinnern sich die Fans? in einer kleiner Serie geht die Freisinger SZ diesen Fragen nach.

"Es war damals wirklich eine ziemlich freie Zeit. Wir haben einfach gemacht, was wir wollten", erinnert sich Günter Janovsky. Die Zeit, die Janovsky meint, sind die Jahre, die er mit seiner Band Wurff verbracht hat, gegründet irgendwann Ende der Siebziger, vermutlich 1978, vielleicht aber auch erst Anfang der Achtziger. Mancherorts ist sogar 1972 zu lesen. "Ich bin wirklich nicht derjenige, der sich irgendwelche Daten merkt", sagt Janovsky. Fest steht jedoch: Wurff hat seit ihrer Gründung einen erheblichen Einfluss auf die regionale Musikszene gehabt und hat gut 40 Jahre später noch kein Stück ihres Gewichts eingebüßt. Norbert Bürger etwa, Freisinger Gitarrist, Kabarettist und Abseits-Retter sei mit 15 bei so gut wie jedem Konzert dabei gewesen, erzählt Janovsky. "Das war damals meine erste Begegnung mit Live-Konzerten", bestätigt Bürger. "Die hatten damals eine Wahnsinns-Power, das hat einfach Eindruck auf mich gemacht", erinnert er sich weiter.

Die Band hat sich nicht nur mit ihrer Musik verewigt, sondern auch mit der Gründung der Moosburger Kneipe "Luftschloss"

Wenn nicht schon der Einfluss, den Wurff auf Freisinger Musiker ausübten, genügte, so haben sie sich spätestens mit der auf einige Mitglieder zurückgehenden Gründung der Moosburger Kneipe "Luftschloss", dem Vorläufer des aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenkenden Hirschen, endgültig in der Region verewigt. Von Anfang an war den Gründungsmitgliedern klar, dass sie das Projekt Wurff nicht nur zum Spaß aufziehen wollten. "Wir haben damals alle unsere Jobs aufgegeben, um uns voll auf die Musik zu konzentrieren."

"Wir", das sind Schlagzeuger Jim Hubai, die Gitarristen Hans Mooser und Roberto Eichenlaub sowie Günter Janovsky an Bass und Gesang. Die vier Musiker, alle Anfang 20, waren keinesfalls unerfahren in der weiten Welt der Musik: Mit Hubai habe er schon in der Realschule zusammen gespielt und Eichenlaub sei damals der beste Gitarrist der Gegend gewesen, erinnert sich Janovsky, der selbst damals schon lange kein unbeschriebenes Blatt mehr war. Später kamen diverse andere Musiker zu Wurff, unter anderem Keyboarder Jan Albert und Willi Sammann, dessen großer Bruder Hannes schon gut zehn Jahre vorher mit der Freisinger Band Eukalyptus durchaus große Erfolge gefeiert hat. Was die jungen Männer vom Gros der anderen zur damaligen Zeit erfolgreichen Bands abhob, waren ihre deutschen Texte und mit Sicherheit ihr Einsatz. "Wir gingen sogar so weit, dass wir uns die anderen Bands alle gar nicht mehr angehört haben. Wir wollten einfach etwas eigenes machen", erzählt Janovsky.

wu

Ein Bandfoto von Wurff aus früheren Zeiten.

(Foto: privat)

"Die hatten Wiedererkennungswert durch eigenen Sound"

Diese Abschottung von anderen Musikern half den Mitgliedern offenbar, mit eigenen Ideen aufzuwarten - und das nicht zu knapp. "Wurff waren wirklich unsere Freisinger Promis", erinnert sich Oliver Voss, der früher selbst bei einigen Auftritten im Publikum stand. "Die hatten einfach Wiedererkennungswert durch ihren ganz eigenen Sound", so Voss weiter, der inzwischen mit Jazzinger selbst in seiner eigenen Band spielt.

"Wir haben gesprüht vor Kreativität. Wenn du eine Idee für einen Song hattest, musstest du regelrecht darum kämpfen, dass es auch dein Song bleibt, weil alle so viele Dinge beisteuern wollten", bestätigt Janovsky. Diese Kreativität brachte Wurff zahlreiche Auftritte ein, viele davon im Circus Gammelsdorf, einer legendären Institution im Landkreis, oder im Lindenkeller, einige auch in großen Fernsehsendungen des Bayerischen Rundfunks wie etwa "Live aus dem Alabama". Für diese Konzerte habe man sich sehr gut vorbereitet und viel geprobt, zum Teil auf Höfen von Sannyasins. Mit diesen Anhängern des Hinduismus, die ihr Leben ganz der Besitzlosigkeit verschrieben haben, habe man damals viel Kontakt gehabt, sagt Günter Janovsky. "Das waren natürlich auch einzigartige Gestalten", erinnert sich der 65-Jährige heute.

Hubai, Eichenlaub und Sammann sind mittlerweile tot

Er sitzt auf der Terrasse seines Moosburger Hauses, in dem er zusammen mit seinen Kindern und Enkeln lebt. "Es ist ein ziemliches Glück, dass man so leben kann", sagt Janovsky mit Blick auf seinen Garten. Ein Glück, welches nicht allen ehemaligen Mitgliedern von Wurff beschert ist: Jim Hubai, Roberto Eichenlaub und Willi Sammann sind bereits gestorben.

Auch bei vielen anderen aus der Band hat sich einiges getan: Keyboarder Jan Albert hat eine Marokkanerin geheiratet und ist zum Islam konvertiert, Gitarrist Tom Leonhardt, der auf Wurff durch eine Zeitungsannonce aufmerksam wurde und erst kurze Zeit vorher während einer Westdeutschland-Tour seiner damaligen Band Karussell in einer Nacht- und Nebelaktion aus der DDR geflohen war, ist als einer der wenigen ehemaligen "Wurffler" zwar der Musik als Lebensunterhalt treu geblieben, verdient sein Geld heute aber nicht mehr mit Bandauftritten sondern als freier Komponist und Musikproduzent.

An konkrete Daten kann sich Günther Janovsky, Sänger bei "Wurff" nicht mehr so genau erinnern. Wie es damals war, davon hat aber allerdings nichts vergessen. Musik macht der 65-Jährige auch heute noch.

(Foto: Marco Einfeldt)

In den Achtziger Jahren löste sich die Band auf, der eine wurde Versicherungsvertreter, der andere ist bis heute Musiker

Nicht so Gründungsmitglied und Gitarrist Hans Mooser: Der arbeitete zwischenzeitlich als Versicherungsvertreter, inzwischen ist der 68-Jährige schon in Rente. Mooser, der nach Buch am Erlbach in Niederbayern gezogen ist, erinnert sich immer noch gerne an seine Zeit bei Wurff zurück. "Manchmal treffe ich ein paar der noch lebenden Mitglieder auf irgendwelchen Festen, dann trinken wir ein paar Halbe und erinnern uns zurück", schwärmt Mooser in Erinnerung an die Jahre mit der Band, die er als schönste Zeit seines Lebens beschreibt. Für ihn war diese Zeit nach fünf Jahren vorbei. "Ich habe einfach die Lust an der Musik verloren", erklärt Mooser. "Ich konnte mich zwar super entfalten und in der Musik aufgehen", aber, so der ehemalige Gitarrist weiter, irgendwann habe einfach Schluss sein müssen.

Nicht viel später war es das dann tatsächlich mit dem gesamten Projekt Wurff: Um das Jahr 1984 trennten sich die Musiker, vielleicht war es aber auch 1986. "Wie gesagt, ich und Daten...", sagt Günter Janovsky lachend. Er spielt nach wie vor in einigen Bands, am bekanntesten ist wohl "Gurupemo, seine "Rentnerband", wie Janovsky sie liebevoll nennt. Sie tritt immer noch regelmäßig in der Region auf. "Man kann nicht einfach so für immer mit etwas aufhören", erklärt Janovsky mit Blick auf die Musik. Bei all dem, was er, was Wurff im Landkreis und darüber hinaus bewegt haben, ist das auch gut so.

Montagsinterview "Ich war Hippie und wollte Musik machen"

Montagsinterview

"Ich war Hippie und wollte Musik machen"

Günter Janovsky, Sänger und Urgestein der Freisinger Szene, erinnert sich an seine Kindheit in der "Bronx von Freising" und an den Jahu-Musikladen.   Interview von Katharina Aurich