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Kleines Angebot:Barrierefreie Wohnungen dringend gesucht

Viele ältere Menschen sind auf Rollatoren angewiesen, ihre Häuser und Wohnungen sind oftmals jedoch nicht barrierefrei.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Auch im Landkreis gibt es immer mehr ältere Menschen. Sie stehen vor dem Problem, dass ihr Zuhause oft nicht seniorengerecht ist. Ersatz zu finden ist schwer.

Von Gudrun Regelein

Die Lebenserwartung in Deutschland steigt, die Menschen werden immer älter. Laut dem Statistischen Bundesamt beträgt der Anteil der 60 bis 80 Jahre alten Bürger an der Gesamtbevölkerung schon jetzt knapp 22 Prozent, 80 Jahre und älter sind knapp sieben Prozent - Tendenz steigend. Der demografische Wandel ist auch im eigentlich jungen Landkreis Freising zu spüren, die hier lebenden Menschen erreichen ein immer höheres Lebensalter - und damit gewinnen Themen, die Senioren betreffen, an Bedeutung.

Die Pflegebeauftragte für den Landkreis, Diana Flammann, ist eine Ansprechpartnerin für Senioren und deren Angehörige. Sie legt den Fokus in ihrer Beratung zwar auf die Pflege, aber damit verbunden ist fast immer die Wohnsituation. "Die allermeisten Senioren wollen unbedingt möglichst lange zu Hause wohnen bleiben. Das ist ihnen sehr wichtig ", berichtet Diana Flammann.

Tipps zu Alltagshelfern

Bei zwei bis drei ihrer Beratungen in der Woche gehe es neben anderen Fragen auch um das Wohnen. Viele der Anrufer oder Besucher melden sich aber erst sehr spät - dann, wenn die Mobilität schon stark eingeschränkt ist oder sie schon pflegebedürftig sind. "Ich frage in diesen Fällen natürlich die Wohnsituation ab, ob beispielsweise das Schlafzimmer und das Bad ebenerdig liegen", sagt Flammann. Sie gibt Tipps zu den Hilfsmitteln, also Alltagshelfer wie eine Aufsteh- und Sitzhilfe. Wegen möglicher Umbaumaßnahmen in Haus oder Wohnung vermittelt sie an Dagmar Seghutera, die ehrenamtliche Wohnberaterin des Landratamtes. Deren Thema ist das altersgerechte und sichere Gestalten des Zuhauses, wie die Barrierefreiheit oder eine bauliche und räumliche Anpassung. Geklärt wird daneben die Finanzierung der Maßnahmen, die förderfähig sind. Auch alternative Wohnformen stellt Dagmar Seghutera vor, zumindest dann, wenn das Wohnen im eigenen Zuhause nicht mehr möglich ist.

Barrierefreiheit im eigenen Haus oder der Wohnung sei Privatsache, sagt Rita Schwaiger, Vorsitzende des Kreisseniorenbeirates. "Aber immerhin gibt es dafür eine Förderung." Häufig wurden die Häuser der heutigen Senioren vor vielen Jahren so gebaut, dass dort Platz für die Kinder war, an Barrierefreiheit dachte man damals nicht. Selbst wenn das Haus umgestaltet werden könnte, sei es im Alter für zwei oder einen Bewohner zu groß.

Ältere Wohnungen sind meist nicht barrierefrei

"Einige gehen dann auf die Suche nach einer seniorengerechten Wohnung und dann wird es schwierig", schildert Schwaiger. Der Bedarf im Landkreis werde noch nicht gedeckt, sagt sie. Auch nicht bei den öffentlich geförderten Wohnungen: Die neueren seien inzwischen zwar barrierefrei, das schreibe der Gesetzgeber seit einigen Jahren so vor. Die älteren dagegen nicht. "Die Kommunen sind sehr bemüht, Abhilfe zu schaffen", sagt Schwaiger. Aber bei einer schon heute sehr großen Nachfrage, die in den kommenden Jahren noch wachsen wird, werde man nie ausreichend Wohnungen schaffen können. Der Wille dazu sei zwar in vielen Gemeinden da, aber die Umsetzung scheitere häufig: Sei es am Mangel bei den notwendigen Grundstücken oder aber auch aus finanziellen Gründen.

Angesichts der demografischen Entwicklung gebe es beim Thema seniorengerechtes Wohnen gerade im Landkreis viele Versäumnisse, kritisiert SPD-Kreisrat Herbert Bengler. "Wir zählen in Deutschland zu den zehn Landkreisen mit der schlechtesten Versorgung an Pflegeplätzen und einem Angebot an für Senioren geeigneten Wohnungen", sagt Bengler. Unter den Seniorenheimen gebe es nur wenige, die ein seniorengerechtes Wohnen anbieten - und auch beim Blick auf den öffentlich geförderten Wohnraum schaue es nicht besser aus. Der Altbestand sei für Senioren in der Regel nicht geeignet, eine Barrierefreiheit - Duschen ohne Schwellen, breite Türen für den Rollator und einen Lift statt der Treppe - suche man vergeblich. "Da gibt es einiges, was in den nächsten Jahren passieren muss", fordert Bengler.

© SZ vom 07.01.2021/psc
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