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Die neue Normalität im Schulalltag :Lernen mit Maske und Abstand

Von Montag an müssen die Klassen an den meisten Schulen wegen der Corona-Auflagen geteilt werden – eine Gruppe wird dann jeweils digital unterrichtet.

(Foto: Marco Einfeldt)

Im Camerloher-Gymnasium hat der Präsenzunterricht unter strikten Hygienevorschriften begonnen. Weder Lehrer noch Schüler und Schülerinnen wünschen sich eine Rückkehr zum Home-Schooling.

Von Gudrun Regelein, Freising

"Alles ist anders als in den Jahren zuvor", sagt Andrea Bliese, Leiterin des Freisinger Camerloher-Gymnasiums. Das neue Schuljahr hat an diesem Dienstag begonnen, in ihm soll laut Staatsregierung der Regelbetrieb Priorität haben und digitaler Distanzunterricht die Ausnahme bleiben. Ein Einbahnstraßensystem führt durch das Camerloher-Gymnasium, Wegmarkierungen und Abstandsaufkleber sind auf den Böden geklebt und Schilder mit Benimmregeln hängen in den Klassenzimmern. Die Pausen finden nur in der Klassengemeinschaft statt. Und natürlich gilt die Maskenpflicht auf dem gesamten Schulgelände.

Der Start in das Schuljahr 2020/2021 war geprägt durch ein dominantes Hygienekonzept, sagt Andrea Bliese. "Es geht darum, die Schüler gesund durch den Unterricht zu bringen." Dafür habe man alles Mögliche getan. Fast 30 Seiten umfasst der Plan vom bayerischen Kultusministerium. "Aber es sind Kinder und es sind täglich 1000 Kinder im Haus. Die Praxis ist anders als die Theorie", fügt die Schulleiterin an. In der Realität sei es gar nicht so einfach zu vermeiden, dass Schüler in Gruppen zusammenstehen. Das sieht man immer wieder auf dem Weg durch das Gebäude, vor dem Zimmer des Betreuungslehrers beispielsweise wartet eine Handvoll Schüler - sie stehen eng beinander.

Das musische Angebot als "Bauchwehstelle"

Dennoch ist Andrea Bliese froh, dass das Homeschooling endlich ein Ende hat und es wieder einen Präsenzunterricht gibt. Und eine Rückkehr zu einer gewissen Normalität - wenn auch mit Einschränkungen. Die Schule ist eines von 56 Gymnasien in Bayern mit musischem Zweig. "Und das ist meine Bauchwehstelle", sagt Bliese. "Denn der musische Zweig ist unser Profil - und unser einziges Profil." Wenn es dieses breit gefächerte Angebot an Instrumentalunterricht, Ensembles, Orchestern und Chören nicht mehr gibt, fürchtet sie um die Schülerzahlen. Orchester- und Chorproben mit vielen Schülern aber sind momentan nicht möglich, auch die Blasinstrumente dürfen zumindest in den ersten zwei Wochen nicht gespielt werden. "Ich hoffe aber, dass wir sehr reduziert wieder einsteigen können", sagt Bliese. So plane man beispielsweise Chorproben mit nur 15 Schülern in einem großen Raum, normalerweise singen dort 120 Choristen gemeinsam. Eine "behutsame Rückkehr" mit ersten Instrumenten soll es bald geben. Dass aber das traditionelle Weihnachtskonzert, eines der Highlights im Schuljahr, in diesem Jahr stattfinden wird, sei utopisch. "Da werden wir uns eine Alternative überlegen und wohl eine digitale Version anbieten."

So viel Präsenz wie möglich, so wenig digital wie nötig. Das gilt auch am Camerloher-Gymnasium. Die Schulleiterin hofft, dass der so intensiv vorbereitete Präsenzunterricht nicht wieder unterbrochen werden muss. Aber sie sei realistisch, "ich befürchte, es kann passieren, dass wir wieder zu einem Homeschooling zurückkehren müssen", sagt Bliese. Und das werde schon jetzt vorbereitet, schon jetzt gebe es dafür ganz viele Fortbildungen für die Lehrer. "Alles ist in Arbeit."

Auch die Schüler bevorzugen Präsenzunterricht

Sophia Thaller ist Lehrerin und die Schulpsychologin am Camerloher-Gymnasium. In diesem Schuljahr leitet sie eine 9. Klasse, sie unterrichtet dort Latein. Auch Thaller ist glücklich um den erneuten Präsenzunterricht, betont sie. "Für die Schüler ist das wichtig, es ist etwas ganz anderes, gemeinsam in einer Klasse zu sitzen und zu lernen." Am ersten Schultag hätten sich alle ihre Schüler ohne zu protestieren an die neuen Regeln gehalten und die Masken während der gesamten Unterrichtszeit getragen - auch wenn das auf Dauer mühsam sei und man sich schlechter verstehe. "Die Schüler sind komplett kooperativ", schildert sie. Eine zweite Homeschooling-Phase wünsche sich niemand.

30 Schülerinnen und Schüler der 9d sitzen an diesem Mittwoch, dem zweiten Schultag, mit dem notwendigen Abstand und Masken im Klassenzimmer. Thema der heutigen Lateinstunde ist das Lesen und Übersetzen der lateinischen Originallektüre. "Ich verstehe den Live-Unterricht einfach besser", sagt Fiona. Außerdem mache es viel mehr Spaß, gemeinsam mit Freunden zu lernen. Die meisten der Schüler hoffen, dass dieses Schuljahr als einigermaßen normales funktionieren wird. Silas rechnet zwar mit einem erneuten Digitalunterricht, "aber das wäre schlimm", sagt er. Korbinian hat zwar auch keine Lust darauf, denn Homeschooling sei schwierig, weil anstrengend. Aber er sieht auch Vorteile im Zuhause-Lernen: "Zumindest habe ich da mehr Freizeit", sagt er pragmatisch.

© SZ vom 10.09.2020/nta
Wirtshaus Weißbräu Huber in Freising, 2020

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