bedeckt München 20°

Inhabergeführte Geschäfte:Freisinger Schlafstudio: Dreimal so groß wie früher

Das Freisinger Schlafstudio an der Landshuter Straße feiert im kommenden Jahr sein 30-jähriges Bestehen. Neben Bettgestellen, Matratzen und anderem Zubehör verfügt es heute über eine eigene Wäscherei, Zudecken- und Kissenfertigung sowie eine persönliche Schlafberatung.

Von Rosanna Wegenstein, Freising

Die großen Fenster des Schlafstudios ziehen sich an mehreren Häuserfronten an der Landshuter Straße 30 entlang. Das runde, türkise Logo mit der Feder in der Mitte sei neu gestaltet, solle fröhlich wirken und auch beim Vorbeifahren erkennbar sein, erklärt Gisela Müller, Inhaberin des Geschäftes. "Freisinger Bettenhaus" steht nun ebenfalls neben dem Logo angeschrieben. "Damit die Leute nicht denken, dass wir ein Schlaflabor sind", sagt Gisela Müller lächelnd.

Bettsysteme kann Gisela Müller, Inhaberin des Schlafstudios individuell an die Bedürfnisse ihrer Kunden anpassen.

(Foto: Marco Einfeldt)

2020 wird das Schlafstudio 30 Jahre alt. Der Standort des Bettenhauses war immer derselbe, doch es ist seit seinen Anfängen um das Dreifache gewachsen. Heute besteht es nicht mehr nur aus dem Geschäft, in dem es Matratzen, Bettgestelle und verschiedenstes Zubehör zu kaufen gibt, die man für das Schlafzimmer braucht. Mittlerweile verfügt das Schlafstudio über eine eigene Wäscherei, eine Zudecken- und Kissenfertigung sowie eine persönliche Schlafberatung.

Elke Strasser, Geschäftspartnerin von Gisela Müller, ist 2017 nach längerer Krankheit gestorben. Die Jahre nach ihrer Erkrankung seien eine sehr schwere Zeit gewesen, erzählt Gisela Müller. Doch man spürt ihre Zuversicht und das Bedürfnis weiterzuführen, was sie gemeinsam aufgebaut haben. Dabei wird sie von ihrem Team, besonders von Annette Strasser und von ihrem Sohn Philipp Müller unterstützt, der in den Betrieb übernommen wurde. 2018 gab es einen großen Räumungsverkauf. Die Räume des Schlafstudios wurden anschließend neu gestaltet und das Sortiment wurde erweitert.

Der Trend zu Wasserbetten geht allmählich zurück

Auffallend ist die Vielfalt, die bei jedem einzelnen Produkt geboten ist. Sie ist zum Beispiel spürbar, wenn Gisela Müller die unterschiedlichen Liegesysteme auflistet, die sie in ihrem Angebot hat. Längere Zeit waren Wasserbetten besonders beliebt, für die es im Schlafstudio einen eigenen Service gibt. "Es kommen auch viele Erdinger zu uns", sagt Gisela Müller und erklärt, dass der Grund dafür sei, dass der Trend zu Wasserbetten allmählich zurückgeht und viele Geschäfte sie nicht mehr in ihrem Sortiment haben.

Das Schlafstudio an der Landshuter Straße feiert 2020 sein 30-jähriges Bestehen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Währenddessen sei die Nachfrage nach Boxspringbetten gewachsen. Diese verkauft das Schlafstudio auch, allerdings nicht in einer "All-in-one-Version", hebt Gisela Müller hervor. Am Beispiel einer ihrer Federkernmatratzen, die ein wichtiger Bestandteil der Boxspringbetten sind, zeigt sie, wie man die einzelnen Federkernmodule, die darin liegen und die verschiedene Festigkeitsstufen haben, austauschen kann. "So kann man ergonomisch feiner arbeiten", erklärt sie und betont, dass es ihr ein großes Anliegen ist, die verschiedenen Bettsysteme bestmöglich individuell an die Kunden und Kundinnen anzupassen. Dabei verweist sie auf die Möglichkeit, Matratzen ohne Metall zu kaufen, die zu 100 Prozent aus Naturlatex bestehen, auf die Komfortbetten, deren Höhe man ändern kann, oder auf einen neuen Stuhl, der über eine Aufstehhilfe verfügt und per Motor verstellbar ist. Die Zielgruppe für jene Artikel sind besonders ältere Menschen, die eine eingeschränkte Mobilität haben oder zuhause gepflegt werden müssen.

Gisela Müller erzählt, dass sie allerdings immer mehr junge Kunden und Kundinnen habe, die es schätzten im Schlafstudio langfristig betreut und beraten zu werden. Aufgrund der günstigeren Preise sei es für diese heute natürlich verführerisch, auf Amazon zu bestellen. Doch Gisela Müller versucht ihnen Rabatte zu ermöglichen und zu erklären, dass es volkswirtschaftlich und in Zeiten des Klimawandels große Vorteile hat, in Geschäften am Ort zu kaufen, wo die Produkte regional hergestellt werden und die Händler in Deutschland Steuern zahlen.

"Ich erschrecke manchmal darüber, welchen Mut ich früher hatte", sagt Müller

"Die Zeiten haben sich verändert, du brauchst nicht schlafen", sagt Gisela Müller und erzählt, dass es immer schwieriger wird selbständig zu sein, da man nicht wirklich ein soziales Netz habe und der Markt sich so rapide drehe. In der Industrie kenne sie viele, denen es nicht gut gehe, da es besonders heute sehr wichtig sei Werbung zu machen. Dazu benötige man allerdings ein großes finanzielles Potenzial. "Ich erschrecke manchmal darüber, welchen Mut ich früher hatte", sagt die Inhaberin des Bettenhauses schließlich nach einer kurzen Nachdenkpause und erinnert sich an die Nacht vor der Geschäftseröffnung und daran wie aufgeregt sie damals war.

Sie stellt fest, dass sie nicht weiß, ob sie sich heute noch einmal dazu entscheiden würde sich selbständig zu machen. Gleichzeitig betont sie allerdings, dass ihr die Arbeit noch immer großen Spaß macht und dass sie zuversichtlich in die Zukunft blickt. "Ich sehe unseren Einzelhandel noch in 20 Jahren", sagt Gisela Müller entschlossen. Das 30-jährige Bestehen des Schlafstudios soll 2020 auf jeden Fall gefeiert werden.

© sz.de/nta
Inhabergeführte Geschäfte in Freising

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite