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Mobilitätskonzept:Mehr Sicherheit für Radfahrer

Mit dem Rad auf der Landshuter Straße in Freising unterwegs zu sein, ist aktuell nicht ganz ungefährlich. In Zukunft soll ein Schutzstreifen den Radfahrern mehr Sicherheit bieten.

(Foto: Marco Einfeldt)

Es gibt Überlegungen, in Freising neben der Kammergasse auch die Alte Poststraße als Fahrradstraße auszuweisen, auf einem Teilstück der Landshuter Straße sollen Schutzstreifen entstehen.

Von Kerstin Vogel, Freising

Während sich die Freisingerinnen und Freisinger langsam an den temporären Radschutzstreifen entlang der Kammergasse gewöhnen und damit - wenn auch inoffiziell - schon mal testen, ob das heiß diskutierte Provisorium nicht doch auch eine Zukunft als Fahrradstraße hat, plant die Stadt bereits weitere Verbesserungen für den Radverkehr. Am Mittwoch hat sich der Planungsausschuss mit den Ideen für eine Radwegführung entlang der Landshuter Straße beschäftigt, und so wie es aussieht, läuft es auch hier auf die durchaus umstrittenen Schutzstreifen hinaus.

Die Pläne sind Bestandteil des Mobilitätskonzepts, das der Stadtrat erarbeitet hat. Es möchte nicht nur die Kammergasse, sondern auch die Alte Poststraße als Fahrradstraße ausweisen, die mit der General-von-Nagel-Straße dann Bestandteil des Hauptfahrradnetzes sein soll. Die Landshuter Straße soll zwischen Isarstraße und Kölbl- beziehungsweise Wendelinstraße dagegen zum neuen "Erschließungsnetz" gehören. Möglich wird das unter anderem, weil die Landshuter Straße mit der Fertigstellung von Westtangente und Nordostumfahrung in diesem Bereich zur Kreisstraße herabgestuft und die Stadt damit zum Baulastträger wird.

Diskutiert worden war für die etwa 750 Meter lange Strecke zunächst auch ein einseitiger Radweg für beide Fahrtrichtungen. Diese Variante wurde jedoch verworfen - unter anderem, weil die Ampelanlagen an der Mainburger und an der Kölblstraße die dann notwendige gesonderte Signalphase nicht mehr geschafft hätten: Ihre Kapazitäten sind erschöpft, wie es hieß. Zudem fehle es an manchen Stellen am Platz und im Bereich des Herrenwegs müsste für diese Variante sogar noch Grund erworben werden.

Die Planung wird wohl weit über 214 000 Euro kosten

Näher untersucht wurde vom Ingenieurbüro BSM deshalb nur noch die zweite Variante eines beidseitigen, jeweils 1,50 Meter breiten Schutzstreifens entlang der Landshuter Straße. Auch hier wird es indes nicht damit getan sein, ein paar Striche auf die Straße zu malen, wie die Präsentation im Ausschuss zeigte. So wird es beispielsweise stadteinwärts an der Kreuzung zur Mainburger Straße spezielle Radaufstellflächen geben müssen, sogenannte Radfahrertaschen, die vor allem ein sicheres Linksabbiegen ermöglichen sollen. In der Landshuter Straße müsste etwa östlich der Einmündung der Alten Poststraße eine Insel eingebaut werden. Im Abschnitt zwischen Alter Poststraße und Kölblstraße sollen von Bäumen unterbrochene Längsparker angeboten werden und östlich der Alleestraße würde beispielsweise eine barrierefreie Bushaltestelle mit Wetterschutz gebaut.

Aufgrund der vorliegenden Ergebnisse der Machbarkeitsstudie sei davon auszugehen, dass die Planung weit über 214 000 Euro kosten werde und europaweit ausgeschrieben werden müsste, hieß es im Ausschuss. Die vorgestellte Vorplanung soll nun zudem im Radweg-Arbeitskreis ausdiskutiert und eventuell ergänzt werden. Die eigentlich gewünschte schnelle Umsetzung zeitnah nach der Freigabe von Nordostumfahrung und Westtangente werde daher nicht möglich sein.

Noch viele offene Fragen

Tatsächlich zeichnete sich auch im Planungsausschuss weiterer Diskussionsbedarf ab. So ergab eine Nachfrage von Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher, dass bis zu 30 Parkplätze für die Schutzstreifen an der Landshuter Straße wegfallen würden, was nicht jeder Stadtrat gut hieß. Emilia Kirner (ÖDP) wies darauf hin, dass die Schutzstreifen Fahrradfahrer nur bedingt schützen würden. "Das ist zwar besser als nichts", sagte sie, bat aber darum, noch einmal zu prüfen, ob nicht auch richtige Fahrradstreifen denkbar wären. Dass noch Parkplätze rechts neben den Schutzstreifen vorgesehen seien, nannte sie gefährlich. Manfred Drobny (Grüne) warnte auch, dass bei der vorliegenden Planung abbiegende Lastwagen den Schutzstreifen queren müssten: "So funktioniert das nicht, das ist ein No-Go."

Zufrieden war dagegen Robert Weller (Freie Wähler), der den vorgestellten Überlegungen noch eine spezielle Besonderheit attestierte: "Das ist eine von vorne bis hinten gute Planung und ich bin glücklich, während alle anderen unzufrieden sind", sagte er: "Sonst ist das immer andersherum: Wir haben eine schlechte Planung, alle sind glücklich und ich bin unzufrieden."

© SZ vom 11.09.2020/nta

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