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Mehr Sicherheit auf Freisings Straßen:Radwege der Zukunft

Gut 380 Teilnehmer einer Radldemo besichtigen auf einer Fahrt durch Freising Straßenabschnitte, die einen schlechten Ruf in Sachen Verkehrssicherheit genießen. Die Organisatoren berichten über Verbesserungsvorschläge.

Von Thilo Schröder, Freising

Eigentlich könnte Freising eine sehr fahrradfreundliche Stadt sein. Das werden sich die laut Polizei rund 380 Teilnehmer der Radldemo am vergangenen Freitag vermutlich gedacht haben, als sie praktisch gefahrenlos durch Teile der Kreisstadt fuhren. Eigentlich. Denn sie passierten auf ihrer Route mehrere Straßenabschnitte, die normalerweise als neuralgische Punkte in Sachen Verkehrssicherheit für Radfahrer gelten, etwa die Korbinianskreuzung, die Erdinger Straße oder die Wippenhauser Straße. Ein Überblick über einige von Radlern besonders kritisierte Stellen, die im Zuge der Demonstration abgefahren wurden, sowie mögliche Umgestaltungen, wie sie der Radentscheid Freising und seine Unterstützer auf Basis des Mobilitätskonzepts der Stadt Freising fordern beziehungsweise wie sie die Stadt derzeit plant.

Korbinianskreuzung

"Die Korbinianskreuzung ist derzeit einer der Knotenpunkte im Stadtgebiet mit den höchsten Kfz-Verkehrsmengen und großen Defiziten für den Fuß- und Radverkehr", heißt es im Mobilitätskonzept. An der Kreuzung will die Stadt einen Radstreifen sowie einen Radschutzstreifen anbringen, den Gehweg will man außerdem stellenweise verbreitern. Dafür soll für Autos eine Fahrspur wegfallen. Zuletzt hat der Planungsausschuss zudem darüber diskutiert, neben dem Pop-up-Radweg in der Kammergasse die ebenfalls an die Korbinianskreuzung angrenzende Alte Poststraße gleichermaßen als Fahrradstraße auszuweisen.

Laut Mobilitätskonzept wird die Umsetzung der Maßnahme parallel zur geplanten Eröffnung von Umgehungsstraßen wie der Nord-Ost-Umfahrung (diesen Herbst) und der Westtangente (voraussichtlich Mitte 2021) anvisiert. Die Stadt rechnet ab dann mit weniger Autoverkehr in der Kernstadt. Dass durch Umgehungsstraßen und weniger Verkehr in Freising alles besser werde, hält Radentscheid-Vertreter Jürgen Maguhn indes für eine Vorstellung, die "leider ins Reich der Träume" gehöre, wie er am Freitag sagte.

Isar-Hochbrücke

Die Flussquerung zwischen Altstadt und Lerchenfeld über die Isarstraße wird im Mobilitätskonzept als "hochbelastet" beschrieben. Entlang der Isarstraße sieht das Konzept vor, die momentan nur mit einem Fußweg ausgestattete Hochbrücke zu verbreitern und über die Luitpoldbrücke bis zum Knotenpunkt Isarstraße/Ismaninger Straße durchgehend durch einen Radweg zu ergänzen, beziehungsweise generell Fahrrad- und Fußgängerfreundlich zu gestalten. Derzeit ist auf Teilen der Straße ein Radweg markiert, allerdings zu schmal, auf der Hochbrücke fehlt ein separater Radweg oder Schutzstreifen. Umgesetzt werden soll die Maßnahme 2021.

Erdinger Straße

Das Mobilitätskonzept sieht vor, bestehende Lücken im Freisinger Radverkehrsnetz entlang von Hauptverkehrsachsen des Radverkehrs zu schließen. Eine dieser sogenannten Pilotrouten zwischen Lerchenfeld und Weihenstephan führt über die Erdinger Straße. Die Verbindung stellt demnach "eine der wichtigsten und meistgenutzten Radrouten im Stadtgebiet" dar. Für Abschnitte der Erdinger Straße konstatiert das Konzept, dass Radler wegen beengter Straßenverhältnisse und hohem Autoaufkommen oft den Fußweg nutzen würden, der aber wiederum für eine gemischte Nutzung zu schmal sei. Dort käme es vergleichsweise oft zu Unfällen.

Der Freisinger Grünen-Stadtrat Nico Heitz sprach am Freitagnachmittag von "ganz dringendem Handlungsbedarf" in der Erdinger sowie der Mainburger Straße. Fanny Wirth von der Freisinger Ortsgruppe von Fridays for Future forderte, die "Erdinger Straße als Fahrradstraße" umzuwidmen. Laut dem Mobilitätskonzept der Stadt Freising soll nun geprüft werden, dem Radverkehr hier Vorrang gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern zu gewähren.

Korbiniansbrücke

Die Korbiniansbrücke als Hauptradwegverbindung über die Isar zwischen Lerchenfeld und Innenstadt ist derzeit für den motorisierten Verkehr weitgehend gesperrt, nur Busse und Krafträder dürfen sie queren. Dennoch, heißt es im Mobilitätskonzept, seien Radfahrer durch Busse verunsichert. Geplant ist darum eine Änderung der Vorfahrtsregelung an der Kreuzung Luitpoldstraße/Korbiniansbrücke, sodass Fuß- und Radverkehr Richtung Innenstadt bevorzugt werden. Die Umsetzung der Maßnahme wird derzeit untersucht. Anhand der Brücke zeigt sich ein weiteres Defizit: Wer von der Erdinger Straße über die Korbiniansbrücke kommend Richtung Innenstadt radeln will, muss im Zweifelsfall über die Isarbrücke, also einen Umweg in Kauf nehmen. So erklärten auch die Organisatoren der Radldemo deren etwas seltsam anmutende Route an dieser Stelle, "da in Richtung Innenstadt keine praktikable Alternative zur Querung der Bahntrasse vorhanden ist". Auch das Mobilitätskonzept resümiert, dass Möglichkeiten zur Querung von Bahntrasse und Isar "nicht aufeinander abgestimmt" seien.

Karlwirtkreuzung

Ähnlich der Korbinianskreuzung wird die Karlwirtkreuzung im Mobilitätskonzept als "stark defizitärer Knotenpunkt" deklariert. Sehr hohe Verkehrsmengen mit einem hohen Anteil an Durchgangsverkehr sowie eine enge Straßenführung und enge Seitenbereiche seien für den derzeitigen Mischverkehr nicht tragbar. Allerdings sei bedingt durch die Enge zugleich "kein Raum für zusätzliche Radverkehrsanlagen". Auch hier wird aber angenommen, dass nach Freigabe der Westtangente der Autoverkehr abnimmt und Fahrspuren gegebenenfalls umgewidmet werden können. Wegen langer Wartezeiten an den Ampeln, so das Konzept, wirke die Kreuzung auf Fußgänger und Radfahrer zwischen Bahnhof, Schulstandorten, Campus Weihenstephan und Altstadt zudem als Barriere. Es gelte darum, die Wartezeiten nach Möglichkeit zu verringern.

Wippenhauser Straße

Aufgrund der Schulstandorte ist die Wippenhauser Straße im Mobilitätskonzept als "eine der vom Radverkehr meistgenutzten Verbindungen im Stadtgebiet" deklariert. Vertreter des Radentscheids kritisieren, dass ein fahrradfreundlicher Umbau hier schon seit Längerem verschleppt werde. In der von Autos hochfrequentierten Straße ist bislang ein Schutzstreifen markiert; allerdings sei dieser zu schmal und daher nicht nutzungspflichtig, wie es im Mobilitätskonzept heißt. Es fehlten sichere und attraktive Alternativen für Radfahrer. In der Wippenhauser Straße werden demnach vergleichsweise häufig Unfälle registriert. Das Konzept sieht vor, dass der Abschnitt von der Karlwirtkreuzung über die Wippenhauser Straße bis zum Wettersteinring in einer "integrierten Umbauplanung" umgebaut wird, um die Situation für Busse, Radfahrer und Fußgänger zu verbessern. Auch hier soll nach Freigabe der Westtangente geprüft werden, ob zugunsten des Radverkehrs auf Abbiegespuren verzichtet oder eine Einbahnstraße eingerichtet werden kann.

© SZ vom 22.09.2020

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