Bandporträt:Ein schickes Gefieder

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Bandporträt: Die Band "Plume" fällt durch ästhetisch durchdachte Bilder auf. "Das ist ja mehr als nur Musik machen", sagt Pascal Pashaee, Sänger der Band aus Freising.

Die Band "Plume" fällt durch ästhetisch durchdachte Bilder auf. "Das ist ja mehr als nur Musik machen", sagt Pascal Pashaee, Sänger der Band aus Freising.

(Foto: Kai Sieber/privat)

Sie sind jung, dynamisch und sie schrecken vor nichts zurück - nicht einmal vor einer Kostenrechnung. Die Band "Plume". Ein Kunstprojekt, das von Pascal Pashaee gegründet wurde - einem ehemaligen Schüler des Freisinger Camerloher-Gymnasiums.

Interview von Lena Meyer, Freising

Seit 2020 macht sich die Band mit experimentellem Electric Post-Rock einen Namen. Jetzt versuchen sich Pascal Pashaee (Gesang), David Riederer (Gitarre), Luka Lorch (Keyboard), Richard Kilian (Schlagzeug) und Dennis Nienaber (Bass) als Vorband zu etablieren. Ein Gespräch über Lampenfieber, Themenfindung und die Frage, warum Liebe auch toxisch ist.

SZ: Plume heißt ja Feder auf Französisch. Spiegelt das Eure Musik und Band wider?

Pascal Pashaee: Im Französischunterricht, am Camerloher, hat jemand mal Feder gesagt. Der Name ist hängen geblieben und ich wollte ein Kunstprojekt unter dem Namen Plume starten. Er ist eigentlich ziemlich durchdacht.

Richard Kilian: Uns ist aufgefallen, dass Plume eine Kunstfeder ist. Ein schickes Gefieder, das keinen anderen Wert hat, außer ästhetisch zu sein. Das ist das Konzept von unserem Instagram - wir achten darauf, dass jeder Post ins visuelle Gesamtkonzept passt und nicht schnell konsumierbar, sondern jedes Mal etwas Interessantes ist. Da passt dieser ästhetische Anspruch einer Kunstfeder gut dazu.

Dennis Nienaber: Aber nicht nur auf Instagram. Du wirst uns nie irgendwo auftreten sehen, ohne dass wir herausgeputzt sind. Das gehört zur Band dazu - dass man eine Grundpräsenz ausstrahlt. Wir sind ein sehr schön geschmückter Vogel, der auch nice singen kann.

SZ: Eure erste Single war "Tiredness breaks over Me", die 2020 erschien. In dem Lied ging es um persönliche Erfahrungen von dir, Pascal. Ist es schwierig, das zu thematisieren?

Pascal Pashaee: Das Thematisieren an sich ist nicht schwer. Sondern wie man es anstellt. Ich habe in den ganzen Liedern alles unter dem Mantel einer Metapher verdeckt. Ich bin kein Fan von diesen direkten Messages. Ich versuche, das ein bisschen auszuschmücken - wie die Feder. Ein bisschen Poesie reinbringen. Ausprobieren ist auch eine Sache von Plume, wir wollen experimentieren. Deswegen versuche ich, meinen Horizont zu erweitern und im nächsten Lied diese Metaphern weg zu lassen.

SZ: Besteht denn die Gefahr, zu viel Persönliches zu teilen?

Pascal Pashaee: Wenn es wirklich meine Emotionen sind, gibt es kein zu nah. Dann kommt es immer darauf an, wie ich es ausdrücke. Manche Künstler packen ihr ganzes Leben - nicht nur Emotionen - in Songs und zwar absolut frontal in einen Text. So etwas würde ich nicht machen, weil ich das selber unangenehm finde. Aber wenn es um Emotionen geht, sehe ich keine Grenzen.

SZ: Welche Themen beinhalten die neuen Songs?

Pascal Pashaee: Die gerade in Produktion sind, thematisieren Liebe. Also romantische Liebe. Egal auf welches Gender bezogen.

Dennis Nienaber: Und es gibt einen toxischen Twist. So wie Liebe eben ist.

SZ: Wie setzt Ihr das musikalisch um?

Richard Kilian: Das ist schwer zu sagen. Meistens ist die Musik zum Text von unseren aktuellen Inspirationen abhängig. Das hat man ja schon bei unserer EP gemerkt. Die hat einen roten Faden, aber trotzdem ist jeder Song anders als der andere. Und das ist auch weiterhin bei unseren neuen Songs so. Die werden alle vom Charakter her anders sein.

SZ: Eure EP "Seaviis" ist 2021 erschienen. Was hat sich seitdem für Eure Band verändert?

Pascal Pashaee: Vieles. Unsere Professionalität und Herangehensweisen. Wir haben sehr viel gelernt und Erfahrung gesammelt. Nicht nur auf das Musikalische bezogen: Die Sichtweise als Band hat sich generell geändert und auch das Mindset.

Dennis Nienaber: Es ist nicht mehr ein Hobbyprojekt, wie es damals eins war. Es macht immer noch Spaß. Aber es ist etwas geworden, was große Visionen mit sich bringt.

SZ: It´s getting serious.

Alle: Ja!

Richard Kilian: Es gibt mehr und mehr Sachen, auf die wir achten müssen. Es nimmt auch immer mehr Zeit in Anspruch. Je mehr man investiert, desto mehr merkt man, woran man noch arbeiten muss. Es wird zu einer Art unbezahlten Nebenjob, den wir machen, weil es unsere Passion ist. Aber jetzt fangen auch Sachen an, die uns nicht so viel Spaß machen, wie eine Kostenrechnung. Solche Sachen werden jetzt unumgänglich.

SZ: Studium, Ausbildung, Musik. Auf einer Skala von eins bis zehn - wie stressig ist es, das alles unter einen Hut zu bringen?

Dennis Nienaber: Neun bis zehn.

SZ: Doch so hoch. Wie geht Ihr mit dem Stress um?

Richard Kilian: Ich studiere aktuell Bauingenieurswesen, was ein absolutes Vollzeitstudium ist. Es ist eine ziemliche Gratwanderung, in dem Studium mitzukommen und gleichzeitig viel Energie in die Band zu investieren. Ich glaube, das ist bei uns allen so: Jeder weiß, man macht seine Ausbildung oder sein Studium, um einen festen Halt in der Gesellschaft zu haben. Aber wir alle wissen, dass wir Bock hätten, unsere Band hauptberuflich durchzuziehen.

Dennis Nienaber: Eines Tages werden wir unsere Band hauptberuflich durchziehen.

SZ: Wie fühlt sich das für Euch an, auf einer Bühne vor einer großen Menge an Menschen zu performen?

Dennis Nienaber: Das kommt stark darauf an, wer da ist. Wenn die Plume-Family da ist, ist es ein sehr nices Gefühl. Letztens waren wir in Stuttgart. Das war unser erstes Auswärtskonzert und das war ein ganz anderes Feeling. Aber letztendlich haben wir immer noch uns. Wir sind unser Safespace und wir können uns immer zu einander drehen. Solange wir gemeinsam auf der Bühne stehen, ist keiner richtig "aufgeschmissen". Man fühlt sich sicher.

SZ: Pascal, Du hast vor vier Jahren Dein Abitur am Camerloher-Gymnasium in Freising abgelegt. Hat Dir das musische Wissen weiter geholfen auf Deinem Weg in der Band?

Pascal Pashaee: Ja, auf jeden Fall. Das Camerloher hat mir gezeigt, dass ich unbedingt eine Band haben will und mit Leuten Musik machen will, die mir gefällt. Ich habe viel Erfahrung gesammelt, gerade Bühnenerfahrung. Auf jeden Fall habe ich etwas aus der Schule mitgenommen, wenn nicht sogar alles. Die wichtigsten Sachen für Plume habe ich auch in der Camerloher-Zeit angefangen, zu entwickeln. Auf jeden Fall ein großes Ja!

SZ: Euer Stil ist ja nicht gerade "Camerloher-Old-School". Welche Bands prägen Euch?

Pascal Pashaee: Auf jeden Fall Bring me the Horizon. Linkin Park. Von den Persönlichkeiten her The Cure.

Richard Kilian: Man muss dazu sagen, dass das der große gemeinsame Nenner ist. Aber jeder hat Bands und Genres, die einen prägen. Deswegen entsteht auch von uns so eine diverse Musik, weil jeder etwas anderes hört. Wir haben alle unsere Überschneidungen, aber jeder hat seine speziellen Genres, aus denen er seine Inspiration zieht.

SZ: Bowie oder Red Hot Chilli Peppers - mit wem würdet Ihr eher auftreten wollen?

Dennis Nienaber: Boah! Chilli Peppers. Einfach mehr Bezug und es sind coole Dudes.

Pascal Pashaee: Bowie ist an sich auch cool, vor allem was sein Auftreten angeht. Da gibt es auf jeden Fall Überschneidungen mit Plume. Aber vom Spirit und den Künstlern her, haben wir mehr Bezug zu den Red Hots. Das sind vier Charaktere, die ein gemeinsames Werk bilden, obwohl sie alle unterschiedlich sind - wie wir.

Richard Kilian: Diese Ausgelassenheit der Red Hots ist auch das, was wir verkörpern. Wir versuchen auf der Bühne so viel Energie in die Musik zu bringen, wie es geht.

Am Freitag, 9. Dezember, um 19.30 Uhr spielt Plume in der Hansa39. Der Eintritt ist frei.

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