Freising ist gerüstet:Das Ende der Plastikbecher naht

Von Anfang 2022 an sind in der EU To-Go-Verpackungen aus Plastik verboten. Viele Gastronomen haben schon auf Alternativen umgestellt, doch die sind oft teurer.

Von Melanie Glinicke, Freising

"Wenn man sich in der Innenstadt die ganzen Becher anschaut, die übergequollenen Mülleimer, dieses ganze Plastik, das durch die Stadt weht, das ist einfach eklig", sagt Günther Sesselmann, Inhaber des Geschäftes Fashion & More in der Freisinger Innenstadt. Die Zustände, die er beschreibt, werden mit einer neuen EU-Verordnung bald ein Ende finden.

Restbestände dürfen aufgebraucht werden

Diese Verordnung sieht vor, viele Einweg-Plastik-Produkte innerhalb der Europäischen Union zu verbieten, dazu zählen zum Beispiel To-go-Becher, Fast-Food Verpackungen, Strohhalme und Einweggeschirr. Die Verordnung trat am 3. Juli in Kraft, bis Ende des Jahres können in der Gastronomie und im Handel allerdings noch Restbestände aufgebraucht werden, wie Eva Zimmerhof vom Landratsamt Freising berichtet. Eine Kontrolle nach Ablauf dieser Zeit könnte laut Zimmerhof zusammen mit der Lebensmittelhygieneüberprüfung erfolgen, was bislang allerdings nur eine Überlegung sei.

Freising ist gerüstet: In der Freisinger Q-Bar schlürfen die Gäste ihre Getränke bereits aus Papp-Strohhalmen.

In der Freisinger Q-Bar schlürfen die Gäste ihre Getränke bereits aus Papp-Strohhalmen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Günther Sesselmann ist sehr froh über die neue Verordnung und bezeichnet sie "als das Beste, das jemals entschieden wurde". Sein Geschäft Fashion & More ist ein sehr umweltbewusster Laden mit nachhaltiger und fairer Mode sowie fairem Kaffee. Plastik gab es bei ihnen noch nie, der Kaffee wird hier einfach aus dem Glas getrunken. "Es gibt einfach genügend Alternativen zu Plastik", so Sesselmann. Und genau auf diese Alternativen werden nun alle Freisinger Gastronomen umsteigen müssen.

Manche Materialien sind bei heißen Getränken problematisch

Das Eiscafé Garda befindet sich gerade in der Übergangszeit, wie Inhaber Diego Campo berichtet. "Manche unserer Trinkhalme sind im Moment noch aus Plastik, manche nicht, die sind aus abbaubaren Stoffen. Mir ist allerdings aufgefallen, dass sich manche dieser Strohhalme bei heißen Getränken biegen", berichtet Campo. Bei den Löffeln aus Plastik hat er sich noch nicht für eine Alternative entschieden, zur Debatte stehen welche aus Holz oder welche aus Keks, obwohl diese natürlich leicht brechen können, wie Campo sagt.

Freising ist gerüstet: Die Bäckerei Geisenhofer setzt auf To-go-Becher aus Pappe.

Die Bäckerei Geisenhofer setzt auf To-go-Becher aus Pappe.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die To-go Styropor-Bechern für Eis hat er bereits durch kompostierbare ersetzt, was allerdings viel teurer ist. "Die neuen Boxen kosten drei- bis viermal so viel, gerade in der Corona-Zeit, als sich die Leute nur etwas zum Mitnehmen holen konnten, war das also sehr teuer für mich. Diesen Preis kann ich nicht nachvollziehen", so Campo. Grundsätzlich findet er die Verordnung aber gut. "Vieles aus Plastik ist sowieso überflüssig, wie zum Beispiel die Trinkhalme, meiner Meinung nach verfälschen sie auch den Geschmack eines Getränks. Es gibt so viel Müll und so viel unnötiges Plastik, das ist echt Wahnsinn", sagt er.

Freising ist gerüstet: Steffen Irion vom Parkcafe packt Essen zum Mitnehmen schon vor Ablauf der Übergangsfrist in Karton-Boxen. Noch bis Ende des Jahres dürfen Hande lund Gastronomie Restbestände aus Plastik ausgegeben, dann ist Schluss.

Steffen Irion vom Parkcafe packt Essen zum Mitnehmen schon vor Ablauf der Übergangsfrist in Karton-Boxen. Noch bis Ende des Jahres dürfen Hande lund Gastronomie Restbestände aus Plastik ausgegeben, dann ist Schluss.

(Foto: Marco Einfeldt)

Froh über die Verordnung ist auch Johannes Wunner, Inhaber der Q-Bar, in der schon seit Längerem so gut es geht auf Plastik verzichtet wird, wie er erzählt. "Wir haben Strohhalme aus abbaubaren Alternativen und als To-Go-Becher haben wir das Recup System", so Wunner. Bei dem Recup-System handelt es sich um einen Becher, den man gegen Pfand erhält und dann nicht nur an der Q-Bar, sondern bei allen beteiligten Gastronomen oder Geschäften wieder abgeben kann. Statt Plastik, das nach einmaliger Benutzung weggeworfen wird, gibt es also einen wiederverwendbaren Becher mit Pfand.

Maisstärke als Alternative zu Plastik

Auch die Bäckerei Geisenhofer verzichtet schon eine Weile vor der Verordnung auf Plastik. So gibt es dort Verpackungen und Strohhalme aus Maisstärke und bei den To-go-Kaffeedeckeln und Bechern wurde auf Pappe umgestiegen, wie Stephanie Geisenhofer berichtet. "Das war schon länger unsere Philosophie, deswegen finde ich die Verordnung natürlich auch sehr gut", so Geisenhofer.

Der Umstieg auf Pappe ist allerdings nicht für alle so einfach. Im Asia-Sushi Restaurant Chumi werden derzeit bei Bestellungen für zu Hause noch die restlichen Plastik- und Styroporboxen verwendet. Wegen der großen Nachfrage während Corona hatten sie etwas mehr Verpackungen bestellt, wie Huyen Nguyen, die Tochter des Chefs, erzählt. "Aktuell sind wir noch am Überlegen, welche Alternative wir dann nehmen, wir hatten schon Probeboxen aus Bambus oder Pappe, Problem ist allerdings, dass die Soße dort oft ein bisschen durchgehen kann", so Nguyen. Im Restaurant gibt es aber nur wenige Strohhalme aus Plastik, das zu ersetzen ist nicht so schwer, nur das mit dem Lieferservice ist noch problematisch. "Für alle, die ihr Essen aber hier zum Mitnehmen abholen, gibt es die Möglichkeit, eigene Tupper-Boxen mitzunehmen. Das ist für alle eigentlich am billigsten und es macht keinen Müll", sagt Nguyen. Auch hier sind die alternativen Verpackungen nämlich deutlich teurer als Plastik. "Das könnte dazu führen, dass wir die Preise etwas anheben müssen, was viele dann nicht verstehen, aber irgendwie muss das Geld ja auch wieder reinkommen", so Nguyen.

Auch im Park Café werden momentan die Restbestände aufgebraucht, wegen größerer Bestellungen für Festivals vor der Pandemie ist noch etwas übrig. Grundsätzlich sind sie aber eigentlich schon seit zwei Jahren alternativ unterwegs, erzählt Can Tuna, einer der Inhaber. "Strohhalme haben wir jetzt aus Papier oder aus Stroh, welche aus Makkaroni hatten wir mal probiert, aber festgestellt, dass Papier für uns am besten ist. Strohhalme gibt es bei uns sowieso nur noch auf Verlangen", so Tuna. Schließlich ist Müll, ob Plastik oder nicht, auch immer noch Müll, wie er sagt. To-go-Becher für kalte Getränke gibt es jetzt aus Mais oder Zuckerstärke, bei den To-go-Boxen für das Essen setzt man auf Pappe. Zu den Plastik-Restbeständen gehören noch die Deckel für den Kaffee To-go, auch die geben sie aber nur auf Nachfrage heraus.

Einige setzen auf das Recup-System

Genau wie die Q-Bar will Can Tuna danach das Recup-System nutzen. Wie Diego Campo und Huyen Nguyen findet auch er es schade, dass die Alternativen so viel teurer sind. "Ich muss schon fast ein Zehnfaches bezahlen", berichtet er. Trotz dieses Nachteils komme die Verordnung für ihn viel zu spät. "Wenn man sieht, wie viel Plastik allein am Meer rumliegt, dann kommt man da schon von alleine drauf, Plastik zu reduzieren. Wir privat versuchen auch, so viel es geht, auf Plastik zu verzichten. Kleinvieh macht auch Mist, wie ich immer sage, es kann nur jeder klein für sich anfangen", so Can Tuna.

© SZ vom 31.07.2021
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