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Freisinger Szene:Abtanzen bis zum Morgengrauen

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Die Domberger Technospatzen wollen das Freisinger Nachtleben bereichern.

(Foto: privat)

Die Domberger Technospatzen, alias Raffael Schlackl und Joseph Berger, etablieren in Freising gerade eine neue Szene mit "richtig fetten Techno-Partys, wie es sich gehört".

Die Freisinger Party-Szene ist tot? Nein, denn die Domberger Technospatzen etablieren in Freising gerade die Techno-Szene. Hinter diesem Namen stecken die beiden Freisinger Raffael Schlackl (24), BWL-Student und Joseph Berger (25), Immobilienkaufmann. Unter ihren Pseudonymen "Alpaca" und "Herr Berger" prägen sie in Zusammenarbeit mit einem Freund von PES-Veranstaltungstechnik seit einiger Zeit mit ihren Veranstaltungen "Anstalt: Tanzbar" in Clubs wie dem Towers, Lindenkeller und seit neustem im Nigel Parker das Freisinger Nachtleben.

Kennengelernt hat sich das Duo in München, als Joseph zum ersten Mal auflegte. Raffael kam zu ihm und beging ein absolutes No-Go, indem er ihn minutenlang bedrängte, einen seiner Lieblingstracks zu spielen, den er dabei hatte. Am nächsten Tag meldete sich Joseph bei ihm, um ihn nach dem Titel des Tracks zu fragen, der ihm ganz gut gefallen hatte. Sie beide wollten eine Plattform, wo sie auflegen konnten. Seit sie im B-Trieb den letzten Rave ausgerichtet haben, wurden die Partys größer, die Technik wurde hochwertiger.

"Das sind nicht nur wir beide, das ist ein Kollektiv"

Es gelang ihnen, die verschiedenen Freundeskreise Freisinger Techno-Begeisterter, die ihre Leidenschaft bisher nur in privaten Raves auslebten, zusammen zu bringen und schufen so eine große Familie, wie sie selbst es bezeichnen. "Das war der richtige Zeitpunkt, die richtigen Leute. Das sind nicht nur wir beide, das ist ein Kollektiv, ohne das ginge es nicht", sagt Joseph. "Wir sind ein fester Kern von 50 bis 100 Leuten, der auf jeder unserer Partys ist." Alle Freunde und deren Geschwister helfen mit. Da werden Veranstaltungslayouts designt und schon mal an Garderobe und Kasse ausgeholfen. Trotz des Organisierens feiern die beiden gerne auf ihren Partys mit.

In ihrem Zweiergespann ist Raffael für die Struktur und die Buchhaltung zuständig, Joseph ist der verplante und kreative Kopf, der die DJs kontaktiert, Ideen hat und sich die einprägsamen wie lustigen Texte für die Veranstaltungen ausdenkt. "Wir sind wie ein altes Ehepaar", scherzen sie. Für ihr Projekt hat Raffael sein BWL-Studium ein wenig zurückgefahren und Joseph gesteht, er würde 40 Prozent seiner Arbeitszeit mit Gedanken zu den Veranstaltungen verbringen. "Die Musik hat mein Leben verändert. Plötzlich ist mein Job nur noch für den Unterhalt da. Ich lebe für die Musik." Natürlich hege man die Hoffnung, davon mal leben zu können. Doch es geht ihnen nicht um Profit. Sie wollen die jungen Talente, aus deren Wohnzimmern und in den Club holen, ihnen eine Plattform bieten und den Techno-Begeisterten "eine richtig fette Techno-Party, wie sie sich gehört", sagt Raffael.

Inzwischen haben sie einen festen Stamm an Freisinger DJs

"Techno, das ist Underground und industriell. Da braucht es nicht mehr als ein geiles Sound- und Lichtsystem", sagt Joseph. Es geht ihnen um ein persönliches Verhältnis, eine gemeinsame Wellenlänge und eine gute Atmosphäre. Vor den Engagements gehen sie mit ihren neuesten Partnern essen. Inzwischen haben sie einen festen Stamm an Freisinger DJs, sie selbst legen auch immer noch auf. Das Konzept hat Erfolg, viele würden die beiden gern nach München holen. Mit dem Bullit-Club gibt es jetzt eine Kooperation. Allerdings wollen die beiden nicht weg aus Freising, es geht ihnen um die hiesige Szene, die Bewegung, die ins Rollen gekommen ist.

Techno ist ein Lebensgefühl, das über Generation und Nationalität verbindet. Kommen darf zu ihren Veranstaltungen jeder, ob Asylbewerber oder Hausfrau Mitte 40. "Hauptsache, sie feiern Techno und machen keinen Stress", sagt Joseph. Nur mindestens 18 Jahre muss man sein. Am Schönsten finden es beide auf den Partys, wenn es fünf bis sechs Uhr morgens ist, dann ist nur der harte Kern übrig. Für die Zukunft wünschen sich die beiden, dass mehr Techno-Begeisterte auf die Szene aufmerksam werden. Es soll wieder eine Destination für diejenigen geben, die des Mainstreams überdrüssig sind. "Freitagabend geht es ins Nigel Parker", sagt Joseph. Am 4. und 5. März steigt mit "Soundterrain present Vinyl" ein weiteres ihrer Projekte. Dabei werden richtige Vinyl-Platten aufgelegt.