Umstrittenes neues Wohnviertel in Freising:Stadtheimatpfleger hegen Bedenken

Geplante Bebauung auf dem "Erdbeerfeld" entspricht nicht dem Charakter von Neustift, so die Kritik.

Von Kerstin Vogel, Freising

In der Auseinandersetzung um das Neustifter "Erdbeerfeld", auf dem die Stadt bekanntlich ein neues Wohnviertel mit bis zu 170 Wohnungen bauen lassen möchte, hat sich jetzt der Verein Stadtheimatpflege zu Wort gemeldet. Man verfolge mit Aufmerksamkeit die Planungen und Diskussionen zur städtebaulichen Entwicklung des "Neustifter Feldes", heißt es in einem Brief an den Oberbürgermeister und die Stadträte. Man begrüße ausdrücklich die Möglichkeit zur Beschaffung innerstädtischen Wohnraumes "und insbesondere auch von bezahlbarem Wohnraum dank des kooperativen Baulandmodells".

"Schützenswerter Freibereich"

Auch die Ansätze zu einer nachhaltigen Bebauung wie Dachbegrünungen, regenerative Energiemodelle oder Durchgrünung mit Fußwege-Verbindungen sehe man positiv. Gerade deshalb aber dürften gewichtige städteplanerische und ökologische Gesichtspunkte nicht unberücksichtigt bleiben, so der Verein weiter. Diese seien in der vorliegenden ersten Bebauungsplanstudie durchaus kritisch zu sehen. So verweist der Verein auf aktuelle, übergeordnete Planungen der Stadt wie die Steckbriefe für die Stadt- und Ortsteile, in denen Ziele und Schwerpunktbereiche für die Stadtentwicklungsplanung (Step 2030) formuliert würden. In dem Steckbrief für Neustift sei das 16 000 Quadratmeter große Erdbeerfeld definiert als "innerstädtisches Freiraumpotenzial" und "schützenswerter Freibereich", so der Hinweis der Heimatpfleger.

Als Ziele seien die Entwicklung als urbaner und gemischter Stadtteil, der Erhalt und die Aufwertung der historischen Ortsmitte und der Landshuter Straße sowie der Erhalt des Siedlungscharakters in der Grottenau und in den Villenarealen am Lankesberg definiert. Die Rede sei von maßvoller Nachverdichtung und dem Schutz der Freiräume und Hangkanten.

Typisch für Neustift sei die kleinteilige Bebauung mit Einfamilien- und Reihenhäusern, die in der Regel über angemessene Grünflächen und Gärten verfügten. Diese Ortsteil-prägende Baustruktur sei in Jahrhunderten gewachsen und Ausdruck der Geschichte und Identität Neustifts. Diesen besonderen Charakter zu erhalten müsse höchste Priorität bei allen Planungen zur Bebauung des Neustifter Felds haben, so die Forderung des Vereins.

"Zu dicht, zu hoch"

Die Dimensionen der geplanten Bebauung würden diesem Ziel jedoch widersprechen. Bis zu 180 neue Wohnungen sollten hier ersten Überlegungen zufolge entstehen, überwiegend im Geschosswohnungsbau und bis zu fünf Stockwerke hoch: "Wir halten das für nicht vertretbar; der Umfang der Besiedelung ist zu groß, die Bebauung zu dicht und die Gebäude zu hoch."

Auch um die Verkehrserschließung sorgen sich die Stadtheimatpfleger: In den schmalen Erschließungsstraßen für dieses Baugebiet sei schwer vorstellbar, dass das bei der aktuell geplanten Anzahl von Wohneinheiten zu erwartende Verkehrsaufkommen verträglich gelöst werden kann. Gleichwohl vertraue man darauf, dass der Stadt die Problematik der geplanten Dimensionen bewusst ist und hoffe auf ein bürgerfreundliches Ergebnis im Sinne einer ökologisch und stadtplanerisch nachhaltigen Entwicklung Freisings, heißt es in dem Schreiben abschließend.

© SZ vom 02.08.2021 / vo
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