Junge Tüftler in Neufahrn:Die Kinder und ihre Roboter

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Roqaia Abdalazez, Tristan Logemann, Nikolas Rosenberg und Kursleiterin Antje Hanusch (von links). (Foto: Marco Einfeldt)

Am Oskar-Maria-Graf-Gymnasium interessieren sich viele Kinder und Jugendliche für die Robotik. Ein Schülertrio hat sogar den Sprung ins Deutschlandfinale der „World Robot Olympiad“ geschafft – und dafür fleißig trainiert.

Von Francesca Polistina, Neufahrn

Antje Hanusch hatte lediglich gehofft, etwa 15 Schülerinnen und Schüler zusammenzukriegen. Einen Robotik-Kurs in dieser Form, also rein wettbewerbsorientiert, hatte es am Oskar-Maria-Graf-Gymnasium (OMG) in Neufahrn bis dahin noch nicht gegeben, und Neuigkeiten brauchen üblicherweise Zeit, um sich zu etablieren. Deshalb war die Überraschung groß, als Anfang des Schuljahres sich knapp 50 Kinder und Jugendliche von der sechsten bis zur zwölften Klasse für den freiwilligen Kurs anmeldeten. Puh, das wird eine Herausforderung, dachte sich die Lehrerin.

Antje Hanusch unterrichtet Mathematik, Informatik und Chemie am OMG. Das Gymnasium wurde im Dezember als „Digitale Schule“ ausgezeichnet, Kultusministerin Anna Scholz bezeichnete es im Rahmen eines Besuchs im Februar als „Leuchtturm“. Seit dem vergangenen Schuljahr nimmt es unter 15 ausgewählten Modellschulen am Projekt „KI@school“ teil, bei dem mit der Künstlichen Intelligenz im schulischen Kontext experimentiert wird. Und nun also die Robotik.

Laut einer Studie der Internationalen Robotik-Föderation gehört Deutschland zu den am stärksten automatisierten Volkswirtschaften der Welt, nach Korea und Singapur. Das Interesse an Robotik hierzulande ist groß, gleichzeitig herrscht Unsicherheit, weil viele Menschen sich unzureichend oder gar nicht informiert fühlen und sich vor den Auswirkungen von Robotern fürchten, wie aus einer Analyse des Unternehmens United Robotics hervorgeht. Manche Experten empfehlen deshalb, schon früh mit der Sensibilisierung für das Thema anzufangen. Genau das wird am Oskar-Maria-Graf-Gymnasium getan.

An einem Mittwochnachmittag im Juni ist der Kursraum halb leer: Das Schuljahr neigt sich langsam dem Ende zu, außerdem hat die regionale „World Robot Olympiad“ kurz davor stattgefunden. Bei der World Robot Olympiad handelt sich um einen Wettbewerb, der das Ziel hat, Kinder und Jugendliche für Naturwissenschaft und Technik zu begeistern. Der regionale Wettbewerb fand Mitte Mai in der Neufahrner Schule statt, aus Bayern und Baden-Württemberg reisten insgesamt 40 Teams – und so wurde der Wettbewerb zum drittgrößten in Deutschland.

Auch neun Teams des Oskar-Maria-Graf-Gymnasiums waren dabei: Sie ließen ihre Roboter über das Spielfeld fahren, beobachteten, wie die kleinen Maschinen die vorgegebenen Aufgaben erledigten – zum Beispiel Objekte bewegen oder Farben mithilfe von Sensoren erkennen – und versuchten, die Überraschungsaufgabe so gut wie möglich zu lösen. Den gesamten Code programmierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst mit der Programmiersprache Scratch, die speziell für Kinder und Anfänger gedacht ist. Viele Teams konnten sich nicht weiter qualifizieren, andere erzielten viele Punkte und schafften den Sprung ins Deutschlandfinale, das am 14. und 15. Juni in Passau stattfindet. So auch ein Junioren-Team, das dort um einen Startplatz zum Weltfinale in Izmir in der Türkei kämpfen wird.

Die Roboter bestehen aus Lego-Teilen

Das Team besteht aus Roqaia Abdalazez, Tristan Logemann und Nikolas Rosenberg aus der Klasse 7 e, alle 13 Jahre alt. An diesem Nachmittag stehen sie im Klassenraum und bauen ihren Roboter mit Lego-Technik-Teilen neu. In ihrer Altersklasse konnten sie den Wettbewerb zwar mit Abstand für sich entscheiden, aber ein paar Dinge haben nicht so funktioniert, wie sie wollten, sagen sie. Deshalb treffen sie sich in der Schule und auch mal privat zu Hause, um sich auf den Wettbewerb in Passau vorzubereiten.

Fragt man die drei, was ihnen an der Robotik gefällt, antworten sie, dass Programmieren „einfach cool“ sei. Mit Programmiersprachen kannten sie sich zum Teil schon vor dem Kurs aus, und im vergangenen Jahr haben sie eine Menge dazugelernt. Und dann ist da noch die Verbindung zwischen Theorie und Praxis: Die Kinder sehen selbst, ob ihre Befehle korrekt sind und ob der Roboter angemessen gebaut wurde, und sie müssen sich ständig mit neuen Problemen konfrontieren. Das erfordert Konzentration – und natürlich auch Kreativität.

Laut Lehrerin Antje Hanusch haben sich nicht nur mathematisch und informatisch begabte Schülerinnen und Schüler für den Robotik-Kurs angemeldet, sondern auch solche, die einfach neugierig waren und etwas Neues ausprobieren wollten. Einige hätten den Wahlkurs im Laufe des Jahres wieder verlassen, andere seien konstant geblieben. Alles in allem seien die Schülerinnen „extrem engagiert“ gewesen, sagt sie, die Begeisterung für das Fach sei durchaus groß. „Ich musste sie oft aus dem Kursraum schmeißen“, sagt sie. Und das, sagt sie ganz offen, passiere ihr nach dem regulären Matheunterricht so gut wie nie.

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