Vielleicht hilft es ja, eine Schale süßen Brei und eine Flasche Bier für den nächsten Saunagang bereit zu halten. Nach finnischer Mythologie verwalten und schützen nämlich Sauna-Elfen die schweißtreibenden Orte. Und kleine Essensgaben stimmen die Fabelwesen gnädig - Bier und Brei sollen ihre Leibspeisen sein und sie zu helfenden Taten motivieren. Mit dieser Strategie könnten auch Schwimmbäder und Wellnessoasen aus dem Landkreis eine Unterstützung für die hiesigen Saunen erbitten. Denn die steigenden Energiekosten sind derzeit eine echte Herausforderung.
Sowohl eine Sauna als auch eine Badeanstalt verbraucht viel Wasser, viel Wärme und damit viel Energie. Trotzdem ist eine Schließung der Saunen im öffentlicher Raum noch nicht verordnet. Ein Grund zur Erleichterung ist das allerdings auch wieder nicht: Die fehlenden Beschlüsse aus Berlin erschweren eine weitere, langfristige Planung, so der Physiotherapeut Andreas Fürchtnicht aus dem Kneipp-Verein Freising. Als Reaktion auf die erhöhten Strompreise, hält der Kneipp-Verein somit seine Sauna bis zum 12. Oktober noch geschlossen.

Das sei keine ungewöhnliche Reaktion auf die momentane Situation, wie der Leiter des Freisinger Schwimmbads "Fresch" Alexander Frederking weiß. Viele öffentliche Anlagen zögen Revisionen und Schließungen vor, um den steigenden Energiekosten entgegen wirken zu können. Von denen ist auch das Freisinger Schwimmbad betroffen, jedoch sehe es Frederking dagegen "gut gewappnet": Das "Fresch" sei energietechnisch auf dem neuesten Stand und produziere seinen eigenen Strom.
So betreibe das Schwimmbad ein Blockheizkraftwerk im Keller des Hauses. Durch die Verbrennung von Gas, könne somit Energie und Strom erzeugt werden, erklärt Frederking. Dieser reiche aus, um den Bedarf des Bades zu decken - auch den der Saunalandschaft mit den elektrisch betriebenen Saunen. Dennoch müssten die Saunazeiten angepasst werden, erklärt Frederking. Man heize so spät wie möglich auf und fahre den Betrieb der Sauna so früh wie möglich runter. Trotz autarken Stroms, nennt er die aktuelle Situation eine Herausforderung, der eigene Energiebedarf sei trotz Modernität hoch.
"Wir sind im Äußersten zu allem bereit"
"Ein Schwimmbad verbraucht viel Energie, das ist jedem klar", bestätigt Tobias Tremmler, Leiter des Neufahrner Schwimmbads "Neufun". Deswegen wurden Bäder bereits angehalten, ihren Energiebedarf um etwa 20 Prozent zu senken, so Tremmler. Das Ziel konnten sowohl das "Fresch", als auch das "Neufun" erreichen - was allerdings erhebliche Einschränkungen bedeutet. So wurde bereits der Warmbadetag aus dem Angebot des "Neufun" gestrichen, erklärt Tremmler. Denn das "kurze und starke Aufheizen" sieht er problematisch und hält es für wenig sinnvoll in der jetzigen Situation. Statt also aufzuheizen, wird das Wasser runtergekühlt. Um zwei Grad. Das klingt nach einer unbedeutenden Maßnahme, spare in der Summe allerdings durchaus Energie ein, wie Frederking anmerkt. Auch das Duschwasser im "Neufun" sei nun um etwa vier bis fünf Grad Celsius kühler, schätzt Tremmler. "Wir sparen überall, wo wir sparen können", versichert er. Davon betroffen sind auch die Saunalandschaften.
Diese sollen nämlich nur nach Bedarf geöffnet werden, also nur dann, wenn es eine entsprechende Nachfrage erfordert, so Tremmler. Sonst blieben sie deaktiviert. Sollte es die Situation erfordern, sei er dazu bereit, weitere Maßnahmen zu unternehmen: "Wir sind im Äußersten zu allem bereit", sagt Tremmler.
Momentan kann eine Schließung der Saunen zwar ausgeschlossen werden, aber wie es wohl in wenigen Wochen aussehen mag - das weiß aktuell niemand. Man müsse eben abwarten und sehen, "wo die Reise hingeht", so Tremmler. Viele Freunde des Schwitzens führt sie zumindest ins Internet, um dort nach der passenden Heimsauna zu suchen. Trotz aktueller Energiesituation herrsche dort nämlich eine "ungebremste Nachfrage" auf noch lieferbare Saunen, sagt Daniela Moisel vom Onlinehandel Gartenhaus GmbH.
Die Nachfrage auf Heimsaunen liegt auf dem gleichen Niveau wie im Corona-Jahr 2020
Besonders Gartensaunen und solche, die im Außenbereich angebracht werden können, erfreuen sich großer Beliebtheit: Durch eine entsprechende Dämmung oder den Gebrauch von Solarpalelen, könnten die Stromkosten reguliert werden, erklärt Sebastian Arendt von der Gartenhaus GmbH. Auch die Nachfrage nach holzbefeuerten Saunen sei gestiegen sei, "um über 100 Prozent", merkt Arendt an. Und das, obwohl Holz ebenfalls ein teurer Rohstoff geworden ist.
Die aktuelle Nachfrage auf lieferbare Saunen sei vergleichbar mit der aus dem Jahr 2020, so Arendt. Dabei wollten die schweißtreibenden Temperaturen der vergangenen Wochen so gar nicht nach Saunagang klingen. Doch die Zahlen der Sauna-Aufrufe liegen im Juli 2020 und im Juli 2022 fast auf gleicher Höhe, Tendenz steigend, wie ein Blick in die Statistik der Such-Aufrufe verrät. Und das bayernweit. Zwar zeigt dieser Trend zunächst nur das gleichbleibende Interesse der Kunden an dem Produkt an und keine konkreten Käufe.
Trotzdem sei absehbar, so Arendt, dass dieses Jahr ähnlich viele Saunen verkauft werden könnten, wie vor zwei Jahren kurz nach dem ersten Lockdown. Die Menschen blieben daheim, surften im Internet - und kauften Saunen. Energiekrise und ein Krieg in mitten in Europa schienen weit weg.
In unruhigen Zeiten, spielt das eigene Zuhause eine zentrale Rolle
So ganz will es daher nicht ins Bild passen: Auf der einen Seite stehen Politiker, die dazu ermahnen, nicht mehr so oft zu duschen und die Heizung herab zu drehen. Auf der anderen Seite kaufen immer mehr Menschen eine Heimsauna. Deren Strombedarf ist allerdings erheblich und liegt durchschnittlich zwischen sechs und acht Kilowatt pro Stunde.
Sebastian Arendt sieht das so: "Immer wenn die Welt unruhig wird", sagt er, sei eine "Besinnung der Leute auf ihr Zuhause" zu beobachten. Krisen wie Krieg erinnere die Menschen daran, ihre eigenen Vier Wände wertzuschätzen.
