Die eigentliche Erkenntnis des Abends stand schon vor Beginn der Gesprächsrunde fest: Wer behauptet, Kommunalpolitik interessiere die Menschen kaum, der irrt sich – zumindest in diesem Fall. Während der zweiten Podiumsdiskussion in der Gemeinde Neufahrn war die beachtlich große Aula des Oskar-Maria-Graf-Gymnasiums bis zum letzten Stuhl und darüber hinaus gefüllt. Ein paar Hundert Menschen saßen im Publikum.
Spätestens nach einem Blick auf die Protagonisten stand auch die zweite Erkenntnis des Abends fest: Kommunalpolitik ist noch ein wahnsinnig männliches Ding. Auf der Bühne standen Marc Bosch (Bosch als Bürgermeister, BaB), Wolfram Braun (Freie Wähler), Maximilian Heumann (SPD), Ozan Iyibas (CSU) und Christian Meidinger (Grüne), per Video zugeschaltet war Felix Bergauer (ÖDP). Sie alle wollen Bürgermeister werden.
Der vom Freisinger Tagblatt organisierte und von Bastian Amann moderierte Abend bot einige unterhaltsame Momente. Mal war es bizarr: „Wann tauschen wir uns die Flasche Whisky?“ (Bosch). Mal weltpolitisch-ironisch: „Mercosur geht schneller als das Neubaugebiet Neufahrn Ost“ (Braun). Mal ambitioniert: „Das Thema ist für meine zweite Amtszeit“ (Iyibas). Mal progressiv: „Menschen wie mich, die einen Kinderwagen schieben“ (Heumann). Mal programmatisch: „Ich verspreche Ihnen!“ (Meidinger). Und ja, manchmal sogar realistisch: „Wir müssen von Idealvorstellungen abrücken“ (Bergauer). Der Ton zwischen den Kandidaten war gelegentlich mal zickig, meistens aber respektvoll. Kritik an der Verwaltung kam vor allem von Bosch (BaB) und Braun (FW), die aktuell nicht im Gemeinderat sitzen, und deshalb mit dem Alltag eines Rathauses bisher weniger konfrontiert wurden.

Kommunalwahl 2026:Sechs Kandidaten für Neufahrn
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Besonders intensiv wurde über die Gemeindeentwicklung diskutiert. Alle Kandidaten waren sich einig, dass Neufahrn neue Wohn- und Gewerbegebiete brauche, um mehr Steuereinnahmen zu generieren. Doch am „Wie“ schieden sich die Geister: So war vor allem Bosch (BaB) der Meinung, dass die Gemeinde sich im Hinblick auf Unternehmensansiedlungen nicht allzu wählerisch zeigen dürfe, wenn sie wirklich wachsen wolle. Gerade in heutigen Zeiten: „Wir müssen nehmen, was vor der Haustür liegt“, sagte er. Meidinger (Grüne) sah es anders: „Ich will weg von Neufahrn als Logistik-Standort“, betonte er, er will vor allem innovative Unternehmen in die Gemeinde locken. Alle Kandidaten sind optimistisch, dass sich ein neuer Investor für den Green Campus finden wird. Das Projekt ist vor Kurzem geplatzt, weil der Investor sich aus wirtschaftlichen Gründen zurückgezogen hatte.
Die meisten Kandidaten sprechen sich gegen die Stadterhebung aus
Auch über die aktuelle Kita-Krise wurde ausführlich gesprochen. Iyibas (CSU) schlug eine „Personaloffensive der Gemeinde“ vor und sprach von „Konsequenzen“ für die Träger, die das Problem des Personalmangels selbst nach Monaten und Jahren nicht lösen können. „Dann müssen wir uns einen neuen Träger aussuchen oder, als ultima ratio, die Einrichtung rekommunalisieren“, sagte er. Das Problem betrifft aktuell vor allem den Kindergarten am Keltenweg. Für Braun (FW) sollte die Nachbarschaftshilfe mehr integriert und eingebunden sein. Heumann (SPD) möchte auf interkommunale Vernetzung setzen und einen „runden Tisch“ mit Verwaltung, Einrichtungen und den Eltern etablieren. Als junger Vater sei ihm das Thema besonders wichtig.
Dem Vorschlag von Iyibas (CSU), die Stadterhebung zu beantragen, um damit mehr Firmen anzusprechen und das Image der Gemeinde zu verbessern, standen die anderen Kandidaten skeptisch gegenüber. „Die Kosten übersteigen den Nutzen“, sagte Bergauer (ÖDP), der sich den Bürokratieaufwand ersparen und den dörflichen Charakter der Gemeinde unbedingt bewahren möchte. Für Braun (FW) ist es für ein Unternehmen irrelevant, ob eine Kommune Stadt oder Gemeinde ist. Hauptsache, die Rahmenbedingungen passen.
Neben den vielen, erwarteten politischen Slogans war durchaus Platz für Ideen, die sich vielleicht sogar einfach umsetzen ließen. So bemängelte Stefan Bäumel, Leiter des Gymnasiums, der im Publikum saß, dass die Verkehrssituation am Keltenweg in der Früh und zu Mittag chaotisch, für die Kinder sogar gefährlich sei. Alle Kandidaten waren sich einig, dass sich dort etwas ändern müsse: Die meisten sprachen sich für ein Fahrverbot aus, ausgenommen Lehrkräfte.
Am Ende des Abends stimmten die Zuschauer per Handy-Umfrage darüber ab, wer der überzeugendste Kandidat war: Knapp 250 Menschen aus dem Publikum machten mit. Iyibas lag vorn, gefolgt von Heumann, Braun, Meidinger, Bosch und Bergauer. Am 8. März wird gewählt: Es bleibt spannend.

