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Bauprojekte in Neufahrn:Unter Sparzwang

Die ungeliebte Container-Mensa wird der Jo-Mihaly-Mittelschule wohl noch ein bisschen länger erhalten bleiben.

(Foto: Marco Einfeldt)

Noch weiß Kämmerer Johann Halbinger nicht, welchen finanziellen Schaden die Pandemie im Haushalt verursacht hat. Die Gemeinderäte wollen auf jeden Fall einige Projekte hinauszögern.

Noch weiß der Neufahrner Kämmerer Johann Halbinger nicht, wie groß der corona-bedingte Steuereinbruch ausfallen wird, doch dass er kommt, ist gewiss. Die Bundesregierung hat zwar einen Ausgleich der Gewerbesteuerausfälle als Hilfe für Kommunen beschlossen, wie hoch die ausfalle und wann sie komme, das ist noch nicht absehbar. Deshalb hat sich der Neufahrner Gemeinderat bei seiner Sitzung am Montag schon mal mit Sparmaßnahmen beschäftigt und eine Reihe von Projekten zumindest geschoben. Die bereits verhängte Haushaltssperre gilt an vorderster Stelle für die Verwaltung und ermöglicht dem Gemeinderat durchaus geplante Investitionen.

So entschied sich das Gremium einstimmig, den Trägern von Kindertagesstätten das aufgelaufene Defizit zu erstatten, und die pädagogischen Mitarbeiterinnen werden von September an die Großraumzulage München erhalten (Bericht folgt). Sämtliche schiebbare Bauvorhaben in Neufahrn aber werden geschoben.

Am Langzeitprojekt Mesnerhaus soll zumindest der Schimmel beseitigt werden

Beim Langzeitprojekt Mesnerhaus zum Beispiel sollen nur Gebäudesubstanz-erhaltende Maßnahmen durchgeführt werden. Für heuer heißt das Schimmelbekämpfung. Denn 2015* hatte es in dem denkmalgeschützten Gebäude gebrannt, durch das Löschwasser begann es zu schimmeln, und bis heute wurden die Schäden nicht beseitigt. Der neue Architekt, der das stockende Projekt im Vorjahr übernommen hat, fürchtet, dass der Schimmel in immer tiefere Mauerschichten vordringt, weshalb dringend etwas getan werden muss. Laut aktueller Kostenermittlung braucht es für die wichtigsten konservatorischen Maßnahmen an Wänden und Decken etwa 75 000 Euro, weitere 50 000 Euro für die Holzelemente. Insgesamt sind 2,86 Millionen Euro veranschlagt. Dass das Mesnerhaus seit 5 Jahren* vor sich hin gammelt, ist die eine Sache, die manch einem und einer im Gemeinderat nicht so recht einging, die andere ist der mangelnde Versicherungsschutz. Laut Verwaltung ist es nicht mehr nachvollziehbar, wer vor vielen Jahren dafür verantwortlich war, Fakt ist, dass die Versicherung jetzt nur 20 Prozent der Brandschäden zahlt.

Projekte wie das seniorengerechte Wohnen und eine Horterweiterung sollen verschoben werden

Klarer war die Lage bei den übrigen Projekten, die alle einstimmig geschoben wurden. Dazu gehören das seniorengerechte Wohnen an der Bahnhofstraße (Kostenschätzung 2,86 Millionen Euro), die neue Turnhalle für die Jahnschule (3,9 Millionen), die Erweiterung des Hortes zu einer viergruppigen, integrativen Einrichtung (2,8 Millionen) und, einmal mehr, die Mensa der Mittelschule. Hier, betonte SPD-Gemeinderätin Beate Frommhold-Buhl, sei der Beschluss "besonders bitter". Schließlich sei man schon so weit mit den Plänen gewesen, habe es dann aber geschoben, weil es so aussah, als würde es keine Ganztagsklassen mehr an der Neufahrner Mittelschule geben. Nun aber gibt es die offene Ganztagsschule, und jetzt ist kein Geld da, um einen Ersatz für die ungeliebte Container-Mensa zu schaffen.

Schließlich ging es noch um den gemeindlichen Sozialbau in der Albert-Einstein-Straße. Die Wohnungen sind seit Jahren sanierungsbedürftig, 350 000 Euro sind veranschlagt und im aktuellen Haushalt eingestellt. Das Tempo der Sanierung ist aber ohnehin gemächlich, die Heizung ist bereits erneuert, die Bäder werden sukzessive ersetzt und für die Leitungssanierung liegt gerade mal eine Kostenschätzung vor. Was Verwaltung und Gemeinderat dazu bewog, weiter zu machen, ist vor allem, dass der staatliche Zuschuss von 30 Prozent in den Folgejahren nicht mehr fließt. Saniert werden muss aber trotzdem.

*Anmerkung der Redaktion: Ursprünglich stand im Artikel, das Mesnerhaus habe 2005 gebrannt. Tatsächlich war der Brand 2015. Dies wurde nachträglich geändert.

© SZ vom 24.06.2020/lada
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