Das Gemälde von Valentin Ott zeigt einen Wintertag in Freising vor vielen Jahren. Die Obere Hauptstraße ist mit einer weißen Schicht bedeckt, vier Kinder spielen mit dem Rodel, die Straßenwärter räumen den Weg mit einer Schaufel. Der wahre Protagonist des Bildes ist aber der Schnee, der schon seit Jahrhunderten ein beliebtes künstlerisches Motiv ist. Schneebilder haben oft eine beruhigende Wirkung, weil die Farbe Weiß die Kontraste verschwimmen lässt und der Schnee selbst mit der Stille assoziiert wird. Doch ist Ruhe wirklich das einzige Gefühl, das solche Gemälde auslösen?
Das Freisinger Stadtmuseum widmet dem Thema Winter in Freising eine kleine aber stimmungsvolle Sonderausstellung. „Schnee von gestern“ heißt die Schau, die in drei Sälen des Museums untergebracht ist – und der Titel ist wortwörtlich gemeint. Eva Willberg, Leiterin des Stadtmuseums und Kuratorin der Ausstellung, macht es anhand der Daten des deutschen Wetterdienstes deutlich: Zwischen 1961 und 1990 gab es in Freising durchschnittlich 34,5 Eistage im Jahr, das heißt Tage, an denen die Lufttemperatur stets unter null Grad blieb. Im Zeitraum zwischen 1991 und 2020 waren es im Durchschnitt 26,6. Im vergangenen Jahr waren es lediglich 16. Das bedeutet: Früher war es kälter und es gab Schnee. Und wenn es schneite, blieb der Schnee auch eine Zeit lang liegen.

„Es ist nicht eine verklärte kindliche Erinnerung, sondern es ist tatsächlich so, dass wir heute deutlich weniger Eistage haben“, sagt Museumsleiterin Willberg. Sie erklärt auch, dass das Ziel der Sonderausstellung nicht nur darin bestehe, winterliche Landschaften und Alltagsszenen von bekannten Freisinger Künstlern wie Karl Schwarzenbacher, Josef Nickl oder Bruno Braun zu präsentieren. Sondern auch, zum Denken anzuregen und sich mit dem Klimawandel auseinanderzusetzen.


Der Bogen der Exponate reicht von einem Pferdeschlitten über Gemälde und Grafiken bis zu einer modernen Installation, die das sonst fast lautlose Schmelzen von Eis akustisch wahrnehmbar macht und daran erinnert, dass Dinge sich stets wandeln. Zur Sonderausstellung gehören auch Bilder in Schwarz-Weiß, die vom Stadtarchiv bereitgestellt wurden und Freisinger Motive wie den ehemaligen städtischen Eislaufplatz am Veitsmüllerweg zeigen. Hinzu kommt eine filmische Dokumentation aus dem Jahr 1952 über die Freisinger Skisprungschanze. Denn in der Nachkriegszeit wurde am Schafhof eine Schanze aus Holz errichtet, die sich großer Beliebtheit erfreute, wie die zahlreichen durchaus amüsierten Zuschauer in der Dokumentation zeigen.

Die Sonderausstellung bietet die Möglichkeit, sich Gemälde anzuschauen, die sonst im Museumsdepot aufbewahrt werden und bisher noch nie gezeigt wurden. Denn die Museen stellen in der Regel nur einen winzigen Bruchteil ihrer Sammlung aus: Das Freisinger Stadtmuseum zeigt zum Beispiel acht Prozent seiner Objekte. „Zu den Aufgaben eines Museums gehören auch das Aufbewahren, Sammeln und Forschen“, präzisiert Leiterin Willberg. Umso schöner, dass die Freisinger Wintermotive nun zusammen ausgestellt werden.
Die Sonderausstellung „Schnee von gestern“ ist bis zum 22. Februar im Freisinger Stadtmuseum (Marienplatz 7) zu sehen. Sie ist dienstags von 15 bis 21 Uhr und mittwochs bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Museumseintritt kostet vier Euro, dienstags ist der Eintritt frei.

