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Freising:Müllabfuhr auf dem Prüfstand

Bewältigung des Haushalts: Müll-Entsorgung

Die Grünen würden im Landkreis gerne gerechtere, mengenabhängige Müllgebühren einführen.

(Foto: Frank Rumpenhorst/dpa)

Das Landratsamt untersucht auf Antrag der Grünen Modelle für gerechtere Gebühren. Finanzielle Vorteile brächte nur der Einsatz kleinerer Tonnen

Die Fraktion der Grünen hat im März den Antrag gestellt zu untersuchen, ob im Landkreis im Sinne von mehr "Gebührengerechtigkeit" mengenabhängige Müllgebühren möglich sind. Der Anstoß dazu kam von Bürgern, die sich mit der entsprechenden Anfrage an die Umweltpartei gewandt hatten. Im Planungsausschuss des Kreistags stellte Sigrun Sindel von der Abteilung Abfallwirtschaft im Landratsamt verschiedene Modelle der mengenabhängigen Abfallentsorgung vor. Das Fazit lautete allerdings, dass diese teurer wären als das im Landkreis geltende System.

Beim Ident-System mit mobiler Datenerfassung wird die Anzahl der Leerungen erfasst, nicht jedoch das Gewicht oder das Volumen der Tonne. Die Abfallgebühr richtet sich laut Sindel meist nach einer vorgeschriebenen Grundgebühr. Dazu kommt eine zusätzliche Leistungsgebühr. Beim Wiegen der Tonne auf den Müllwagen wird das Gewicht vor und nach der Leerung erfasst. Keine Rolle spielt dabei das Müllvolumen. Gewogen wird nur, wenn die Tonne rausgestellt wird. Über das Jahr errechnet sich so die Müllgebühr über das Gewicht.

Technische Voraussetzung für Ident-Systeme sind die Ausrüstung der Tonne mit einem Barcode oder ein Chipnest für einen Transponder. Außerdem braucht es ein Schloss für die Tonne. Sonst könnte ja jemand auf die Idee kommen, seinen Müll auf Kosten anderer zu entsorgen. Das Müllfahrzeug muss mit entsprechender Technik versehen sein. Dazu wird eine EDV-Schnittstelle zur Gebührenerfassung benötigt.

Im Landkreis Freising beträgt die Gebühr für die Leerung einer Restmülltonne mit einem Fassungsvermögen von 120 Litern bei 26 Leerungen im Jahr 140,40 Euro. Der Landkreis Neustadt an der Aisch bevorzugt die Abrechnung nach Leerung. Aus Grund- und Leistungsgebühr ergibt sich für den Kunden schon bei verpflichtenden zehn Leerungen pro Jahr ein Betrag von 242,44 Euro.

Der Saale-Landkreis in Sachsen nutzt ein Gebührensystem mit Wägung. Allein für die 120-Liter-Tonne zahlt der Kunde bereits 88,56 Euro im Jahr. Dazu kommt eine Grundgebühr von 55,80 Euro für einen Haushalt von vier Personen, außerdem eine Gewichtsgebühr von 102,24 Euro im Jahr. Alles in allem zahlt der Kunde 246,60 Euro im Jahr.

Im Landkreis Aschaffenburg gilt ein Mix aus der Anzahl der Leerungen und der Wägung. Dort zahlt der Kunde eine Grundgebühr von 48,60 Euro pro Tonne. Dazu kommen eine Entleerungsgebühr von 65 Euro und eine Gewichtsgebühr von 102,24 Euro. Alles in allem beträgt die Jahresgebühr 215,84 Euro.

Sigrun Sindel sieht einige Vorteile des Ident-Systems für den Bürger. Es könnte ein Anreiz sein für einen bewussteren Umgang mit dem Rest- und Biomüll. Zum Beispiel durch gewissenhafte Trennung von Wertstoffen und erhöhte Eigenkompostierung. Restmüll könnte durch Verzicht auf Dosen und Flaschen schon beim Einkaufen reduziert werden. Kunden könnten Leerungen auf ein Mindestmaß reduzieren. Der Entsorger wiederum könnte die Kosten im Sinne einer Gebührengerechtigkeit besser einem Kunden zuordnen.

Sigrun Sindel sieht jedoch auch Nachteile. Am gravierendsten sei, dass sich manche Leute bemüßigt fühlen könnten, ihren Müll im Grünen zu entsorgen, um Gebühren zu sparen. Dem Entsorgungsunternehmen bringt eine Umstellung keine Vorteile. Es müsste zuerst hohe Investitionen wegen der Umrüstung von Fahrzeugen und der Tonnen zahlen, die sich erst langfristig amortisieren. In Städten lässt sich zudem der Müll aufgrund von Sammeltonnen schwer bestimmten Personen zuordnen. Und das größte Hindernis: Deutlich steigende Müllgebühren wären dem Kunden politisch schwer zu vermitteln.

Sigrun Sindel erwartet nicht, dass durch die Umstellung auf ein Ident-System im Landkreis Freising Entsorgungskosten eingespart werden könnten. Mit dem geltenden Abfuhrsystem könnte jeder Bürger bereits jetzt Müll einsparen, wenn er sein Konsumverhalten ändern würde. Eine Lösung für mehr "Gebührengerechtigkeit" hat Sigrun Sindel ebenfalls parat. Kleinere Haushalte im Kreis könnten etwa mit einer günstigeren 80-Liter-Tonne ausgerüstet werden.