Im Frühjahr 2025 zeigte das Stadtarchiv Moosburg die Ausstellung „Vergessen und vorbei?“, die sich mit dem früheren Kriegsgefangenenlager Stalag VII A und der Geschichte des Geländes nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges befasste. Mehr als 3300 Menschen besuchten die Ausstellung in der Stadthalle, das Interesse ging weit über die Moosburger Grenzen hinaus. Nun ist die Ausstellung in einem Katalog wiedergegeben, der sich wie ein Zeitdokument liest. Wer sich für die traurige Geschichte eines der größten Kriegsgefangenenlager des nationalsozialistischen Regimes interessiert, dem ist diese Publikation zu empfehlen.
Von September 1939 bis zur Befreiung durch die Amerikaner am 29. April 1945 bestand in Moosburg das Stalag VII A, es unterstand der Wehrmacht und war kein Konzentrations- oder Vernichtungslager. „Stalag“ ist die Abkürzung für Mannschafts-Stammlager; „VII“ steht für den „Wehrkreis VII (München)“, eine militärische Verwaltungseinheit während der NS-Zeit; der Buchstabe „A“ bedeutet, dass das Moosburger Lager das erste seiner Art im Wehrkreis München war. Rund 150 000 Kriegsgefangene aus über 70 Ländern wurden im Stalag registriert, etwa 260 000 wurden durchgeschleust.
Nach der Befreiung wurde das Gelände bis 1948 als Internierungslager für gefangengenommene Nationalsozialisten genutzt, später siedelten sich Geflüchtete und Heimatvertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten sowie aus osteuropäischen Ländern an. Ähnliches geschah auf dem Areal des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau. Ab den 1960er-Jahren zogen sogenannte Gastarbeiter zu, ein neues Stadtviertel entstand. Von den mehr als 130 Lagergebäuden des Stalag VII A sind heute nur noch drei Wachmannschaftsbaracken an der Schlesierstraße und eine Gefangenenbaracke an der Egerlandstraße erhalten, die sogenannte „Sabathiel-Baracke“.

Wie bei anderen ehemaligen Kriegsgefangenenlagern dauerte es lange, bis die Aufarbeitung der Vergangenheit in Moosburg angegangen wurde. Erst Anfang des Jahrtausends begannen lokale Akteure, sich verstärkt mit der Geschichte des Ortes auseinanderzusetzen – auch das dokumentiert der Band. Nach langer Diskussion darüber, wie man mit den Überresten des Lagers umgehen sollte, unterzeichneten schließlich der Landkreis Freising und die Stadt Moosburg im September vergangenen Jahres eine Zweckvereinbarung, um die Baracken zu sanieren und sie zu einem lebendigen Ort des Lernens und des Gedenkens zu machen.
Zwar gebe es bis zur konkreten Planung noch „ein paar Hürden“, sagte Landrat Helmut Petz (FW) kürzlich bei der Vorstellung des Katalogs in der Moosburger Georg-Hummel-Mittelschule, die sich in unmittelbarer Nähe des einstigen Stalag befindet. Er sei aber sicher, dass man diese Hürden überwinden werde.
Die Kriegsgefangenen wurden sehr unterschiedlich behandelt
Auf 260 reichlich illustrierten Seiten präsentiert der Katalog die Geschichte des Geländes von 1939 bis heute. Die Texte sind leicht verständlich und kurz gehalten, sodass sie sich auch für ein fachfremdes Publikum eignen. Das Buch konzentriert sich auf vier Hauptthemen: das Kriegsgefangenenlager, das spätere „Civilian Internment Camp“ für Unterstützer des NS-Regimes und mutmaßliche Kriegsverbrecher, die Entstehung des Moosburger Stadtteils „Neustadt“ und die lokale Erinnerungskultur.
Am umfassendsten ist das Kapitel über das Stalag. Dabei bemühen sich die Autorinnen und Autoren des Katalogs unter der Leitung des Stadtarchivars Stephan Kopp darum, die verschiedenen Aspekte des Alltags im Lager – von Zwangsarbeit bis hin zur medizinischen Versorgung und zur Verpflegung – mithilfe von Bildern, Zeichnungen, Exponaten und Dokumenten zu erläutern. Im Katalog sind auch einige Biografien enthalten, die verdeutlichen, wie sehr die Menschen litten – und wie lange die Belastungen durch die traumatischen Ereignisse auch nach dem Krieg andauerten.

Ein Schwerpunkt liegt auf der unterschiedlichen Behandlung der Inhaftierten. „Während Briten und Amerikaner gut versorgt waren, bedeutete die Gefangenschaft für die italienischen und die sowjetischen Soldaten einen täglichen Kampf ums Überleben“, heißt es im Katalog. Das NS-Regime wandte die Genfer Konvention, die die Behandlung gefangener Soldaten regeln sollte, auf Briten und US-Amerikaner fast vollständig und auf Franzosen, Polen und Jugoslawen nur eingeschränkt und selektiv an. Menschen aus Italien (aus politischen Motiven) aber vor allem aus der Sowjetunion (aus rassistischen Gründen) wurden bewusst ausgeschlossen, sodass sie der Willkür der deutschen Führung völlig ausgeliefert waren und unter deutlich schlechten Bedingungen leben mussten.
Auch die Zahlen belegen dies: Von den 1891 Häftlingen, die nach derzeitigem Kenntnisstand im Bereich des Stalag VII A starben, stammten mindestens 1065 aus der Sowjetunion.
Der Katalog ist zum Preis von 34,90 Euro in der Moosburger Buchhandlung „Barbaras Bücherstube“ und über www.stalag7a.de erhältlich.

