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Polizeiinspektionen im Landkreis:Mehr Personal, weniger Überstunden

Ein Polizeiwagen in der Freisinger Innenstadt: Die angespannte Lage mit vielen Überstunden hat sich zuletzt etwas beruhigt.

(Foto: Marco Einfeldt)

In den Polizeiinspektionen in Freising, Moosburg und Neufahrn hat sich die Situation etwas entspannt - Anfang März haben zusätzliche Beamte ihren Dienst aufgenommen. Nun ist auch wieder Zeit für Fuß- oder Zusatzstreifen.

Die Arbeitsbelastung der bayerischen Polizistinnen und Polizisten ist hoch. Mehr als 2,3 Millionen Überstunden haben sie im vergangenen Jahr geleistet, wie der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) vor Kurzem bei einer Pressekonferenz berichtete. Im Landkreis aber hat sich die Situation inzwischen deutlich verbessert.

Jeder Beamte leistete laut Herrmann durchschnittlich 72 Plusstunden, die noch nicht ausgeglichen werden konnten. Um die Arbeitsbelastung zu senken, versprach der Innenminister zusätzliche Stellen. Für dieses Jahr rechnet er mit 1400 Beamten, die ihre Ausbildung abschließen werden - 690 neue Polizisten konnten schon Anfang März auf die bayerischen Dienststellen verteilt werden. Hans-Peter Kammerer, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord, spricht von einem positiven Trend. "Wir sind recht gut bedient worden." Auch die Inspektionen im Landkreis profitieren davon.

In Freising habe sich die personelle Situation seit Anfang März durch zwei neue Beamte verbessert, berichtet Inspektionsleiter Ernst Neuner. Nun stehen 80 Soll-Stellen 75 Ist-Stellen gegenüber. "Das ist schon relativ gut." Dass Soll-Stellen tatsächlich alle besetzt sind, sei nahezu unmöglich, erklärt Neuner. Denn Teilzeitbeschäftigte, Langzeiterkrankte oder auch schwangere Frauen werden mit einberechnet. "Mehr geht natürlich immer, aber mit dem momentanen Personalstand bin ich zufrieden", sagt er. Nun könnten auch wieder mehr "Kür-Aufgaben" übernommen werden, Fuß- oder Zusatzstreifen sind beispielsweise wieder möglich.

Viele Überstunden wegen Klimademos

Im vergangenen Jahr sah das noch anders aus, damals mussten seine Beamten phasenweise in großer Zahl Überstunden machen. "Das lag auch mit daran, dass die Klimademos betreut werden mussten, das kostete viele Stunden", sagt Neuner. Durch ein flexibles Schichtmodell, bei dem in ruhigeren Zeiten Überstunden abgebaut werden, versuche man, deren Zahl zu reduzieren. "Wir sind auf einem relativ guten Weg, das in den Griff zu bekommen", sagt der Polizeichef. "Bei Großlagen aber sind wir dran." Während des G-7-Gipfels 2015 auf Schloss Elmau beispielsweise habe jeder Beamte durchschnittlich 110 Überstunden angehäuft. Vor 2019 sei Freising bei den Überstunden über dem Bayerndurchschnitt gelegen, inzwischen habe sich die Zahl reduziert. "Wir bauen den Berg ab." Durch die neuen Beamten habe man mehr Luft und könne Kollegen mit vielen Überstunden auch mal nach Hause schicken.

In Neufahrn freut sich der Inspektionsleiter ebenfalls über mehr Personal. "Anfang März sind drei Kollegen versetzt worden, aber dafür haben wir vier neue bekommen", sagt Hermann Eschenbecher. 49 Soll-Stellen gibt es hier, 42 Stellen davon sind besetzt, zwei Dauererkrankte fallen derzeit aus. "Den täglichen Dienst können wir damit stemmen", berichtet Eschenbecher. Mehr Personal wäre immer besser, alleine schon um den Überstundenstand zu reduzieren. "Aber auch schon der eine Kopf plus tut uns gut." Programme, wie "Sicherheit durch Stärke", die den Personalmangel lösen sollen, zeigten allmählich Erfolge. "Da tut sich was". Allerdings dauere die Polizeiausbildung relativ lange: Von der Einstellung bis zum endgültigen Einsatz vergehen drei Jahre.

Die Überstundenzahl bei der Neufahrner Polizei lag im vergangenen Jahr noch knapp über dem bayerischen Durchschnitt, jetzt baue man diese mithilfe der besseren Personaldecke allmählich wieder ab. "Sie auf Null zu bringen, werden wir nie schaffen. Aber wir sehen einen Silberstreifen am Horizont", sagt Eschenbecher.

Auch bei der Moosburger Polizeiinspektion hat sich die Situation seit März leicht entspannt. Zwei zusätzliche Beamte hat Christian Bidinger nun zur Verfügung und damit insgesamt 34 Köpfe - darunter auch Teilzeitkräfte. 38 Beamte sollten es laut Soll-Stellen eigentlich sein, komplett besetzen könne man die allerdings nie. "Ich bin zufrieden, die zusätzlichen Kollegen bedeuten eine spürbare Verbesserung", sagt Bidinger. Zwar würde auch er sich noch mehr Beamte wünschen, "aber grundsätzlich können wir unsere Aufgaben erfüllen". Überstunden fallen wie in jeder Polizeidienststelle an, das bedingten schon der Alltag und der Schichtdienst, erklärt der Inspektionsleiter. Allerdings bewegten sich diese in einem erträglichen Rahmen: "Wir liegen unter dem Durchschnitt."

© SZ vom 06.04.2020/nta

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