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FFP2-Maskenpflicht in Bayern:"Die Leute rennen uns die Bude ein"

Ofen oder Luft: So lassen sich FFP2-Masken wiederverwenden

Nach einem Einkauf sollte die FFP2-Masken zum Austrocknen aufgehängt werden, bügeln darf man sie aber nicht.

(Foto: Till Simon Nagel/dpa)

Wegen der angekündigten FFP2-Maskenpflicht in Geschäften und Verkehrsmitteln stehen die Kunden in den Apotheken im Landkreis Schlange. Lieferengpässe gibt es anders als im vergangenen Frühjahr jedoch nicht.

Von Petra Schnirch, Freising/Moosburg

"Wir werden überrannt" - das berichten die Apotheker im Landkreis unisono. Viele Freisinger wollen sich noch schnell FFP2-Masken besorgen, denn von Montag an sind diese in Geschäften sowie in Bussen und Bahnen Pflicht. "Es ist wahnsinnig", sagt Silvia Tüllmann, Inhaberin der Freisinger Stadt-Apotheke. Das Telefon klingele seit Dienstag nonstop, der Laden sei voll. Sie komme zu nichts anderem mehr. Anders als im Frühjahr ist der Mund-Nasen-Schutz aber keine Mangelware. Sie habe keine Angst, dass die Masken ausgehen, sagt Ingrid Kaiser, Sprecherin der Apotheker im Landkreis und Inhaberin der Engel-Apotheke in Lerchenfeld.

Auch sie sei "völlig überrumpelt" worden, als sie am Dienstag zum Dienst kam, erzählt sie und lacht. "Die Leute rennen uns die Bude ein". Zwei Drittel der Kunden fragten nach FFP2-Masken. Das sei "sehr plötzlich gekommen", sagt sie. Doch sie befürwortet die neue Regelung. "Das habe ich mir schon lange gewünscht." Denn die bisher weit verbreiteten OP- oder die selbst genähten Stoffmasken seien lediglich ein Spuckschutz. Auch könne der FFP2-Schutz nicht unterhalb der Nase getragen werden. Das sei die richtige Entscheidung, sagt Kaiser. Dass es zu Nachschubproblemen kommen könnte, glaubt sie nicht. Dennoch hat sie die Ausgabe vorerst auf zehn Stück pro Person beschränkt.

Drei bis vier Euro pro Stück als "fairer Preis"

Billig sind FFP2-Masken nicht. Als fairen Preis nennt Kaiser eine Spanne zwischen drei und vier Euro das Stück. Auf dem Markt gebe es derzeit eine große Zahl von Billiganbietern, sagt Silvia Tüllmann. Sie bestelle lieber bei den Laborfachbetrieben, mit denen sie seit vielen Jahren zusammenarbeite. "Da weiß ich, dass ich ordentliche Ware bekomme", zum überwiegenden Teil aus deutscher Produktion. Atemschutzmasken aus Deutschland - genauer gesagt aus Niederbayern, "aus der Nachbarschaft" - gibt es auch in der Michaeli-Apotheke in Moosburg. Filialleiter Daniel Schwinning sieht wegen des Vertrauensverhältnisses mit den Kunden sogar eine Chance für die Apotheken. Wer Masken über andere Quellen beziehe, wisse nicht, was für eine Qualität er erhalte. Auch bei Schwinning war in den vergangenen beiden Tagen "sehr, sehr viel los". Wer dennoch im Internet bestellen wolle, dem rät er, auf die CE-Zertifizierung zu achten, sie sollte auf dem Stoff aufgedruckt sein.

Getragen werden sollte die FFP2-Maske insgesamt nicht länger als acht Stunden, am Stück maximal ein bis eineinhalb Stunden, empfiehlt die Apotheker-Sprecherin. Nach einem Einkauf sollte sie zum Austrocknen aufgehängt werden. Wenn sie pfleglich behandelt werde, könne man sie etwa eine Woche lang einsetzen. Was man nicht tun sollte: Die Maske bügeln. Und ein weiterer wichtiger Hinweis von Ingrid Kaiser: Sie dürfe nicht nass werden, erklärt sie, sonst gingen die Poren auf und Viren könnten hindurch gelangen. Falls es also regnet und auf einem Parkplatz Maskenpflicht besteht, sollte man zum Schutz einen Schal davor halten, rät Kaiser, damit sie keine Tropfen abbekomme.

Kritik äußerten einige Freisinger Politiker daran, dass die Ausgaben für den Mund-Nasen-Schutz für sozial Schwache zum Problem werden könnten. Ministerpräsident Markus Söder legte am Mittwoch nach und kündigte an, dass für Bedürftige zwei Millionen kostenlose FFP2-Masken ausgegeben werden sollen. Apothekerin Silvia Tüllmann befürchtet dennoch, dass Niedrigverdiener finanziell stark belastet würden, vor allem wenn sie den Schutz beruflich benötigen.

Für Verwirrung sorgt offenbar die angekündigte Ausgabe weiterer FFP2-Masken für über 60-Jährige gegen eine geringe Eigenbeteiligung. Sie habe allein am Dienstagvormittag etwa 20 Anrufe bekommen, wie das funktioniere, schildert Tüllmann. Doch dieser Personenkreis müsse warten, bis die Bezugsscheine zugeschickt werden. Die Ersten hätten sie schon erhalten.

© SZ/nta
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