Ein Moosburger in Bhutan:Nachhilfe am Fuße des Himalaja

bhutan

Für das "Build Bhutan Project", reiste der Moosburger Metallbaumeister Johann Reif nach Bhutan vermittelte dort Lehrlingen und Berufsschullehrern seine berufliche Erfahrung.

(Foto: privat)

Der Moosburger Metallbaumeister Johann Reif reist für vier Monate nach Bhutan und vermittelt dort sein Wissen an einheimische Berufsschullehrkräfte. Seit Corona fehlen in dem Land Tausende indischer Arbeitskräfte.

Von Charline Schreiber, Moosburg

In Bhutan, direkt an den Südhängen des Himalaja-Gebirges, hat Johann Reif die "Krönung seiner beruflichen Laufbahn" erlebt, wie er selbst es ausdrückt. Für das "Build Bhutan Project", reiste der Metallbaumeister in das bhutanische Königreich und vermittelte dort Lehrlingen und Berufsschullehrern seine berufliche Erfahrung.

Vier Monate war Reif vor Ort, inklusive dreiwöchiger Quarantäne. Er erzählt von einer coronabedingt schwierigen Anreise über Indien, bevor er in Bhutan mit offenen Armen empfangen wurde. Corona ist es auch geschuldet, dass das bhutanische Ministerium überhaupt erst Auslandsvertreter nach Bhutan einlud und das "Build Bhutan Project" startete. Denn die Pandemie zwang Tausende indischer Arbeitskräfte, wieder nach Indien zurückzukehren, was zu Folge hatte, dass viele Baustellen zum Stillstand kamen. Der Aufruf Bhutans an Auslandsvertreter, einzureisen und weiter auszubilden, ging über eine Zentrale in Brüssel bis nach Moosburg und landete im November vergangenen Jahres bei Johann Reif. "Ein glücklicher Zufall", nennt Reif das.

Schon im Alter von 30 Jahren war Reif Entwicklungshelfer in Westafrika. "Entweder du hörst danach auf oder du bleibst für immer daran hängen", sagt der heute 67-Jährige. Er sei daran hängen geblieben, schiebt es auf sein "Helfergen". Dieses Helfergen scheinen auch seine Mitreisenden zu haben - ein Maurermeister, der nach dem Jugoslawienkrieg im Kosovo beim Wiederaufbau geholfen hat und ein Zimmermeister, der, wie Reif selbst, bereits in afrikanischen Ländern als Entwicklungshelfer tätig war.

Bau einer Stahlhalle

Reifs erster Einsatz war auf einer Baustelle im Landinneren, für den Bau einer Stahlhalle, erinnert er sich. Fertig stellte er selbst diese nicht, erzählt er, denn die Berufserfahrung des Metallbaumeisters wird besonders in Lehre und Ausbildung benötigt. Auszubildende besuchen in Bhutan Ganztagsberufsschulen, die zwar die Theorie eines Fachbereiches lehren, weniger aber die Praxis. Ausbildungsbetriebe seien zudem rar. "Ich bin seit über 40 Jahren dabei, Lehrpläne zu erstellen, aber das ist auch für mich Neuland gewesen", verrät Reif.

Im "Technical Training Institute" legte er in seiner Ausbildung den Fokus auf die Metallgestaltung buddhistischer Embleme. Die acht glücksverheißenden Symbole des Buddhismus fänden sich im Land immerzu wieder, unter anderem in Toren und Zäunen. In der Ausbildung lehrte Reif deswegen die Gestaltung zweier dieser Symbole: die Lotusblume und das Muschelhorn; 13 Berufschullehrer bildete Johan Reif während seines viermonatigen Aufenthalts in Bhutan aus.

Große Anerkennung

Für seine Arbeit sei ihm viel Wertschätzung entgegengebracht worden, sagt er, die Anerkennung sei groß. Er wohnt während seines Aufenthalts abwechselnd in Sterne-Hotels oder einem voll möblierten Appartement, nahe des bhutanischen Ministeriums, erzählt er. Dieser von Reif geschätzte, respektvolle Umgang hat auch einen Grund: Im Königreich Bhutan strebt das Volk nach keinem Bruttosozialprodukt, sondern nach der "Gross National Happiness", dem Bruttonationalglück.

Institutionen würden geprüft, ob sie zum Glück der Menschen in Bhutan beitragen können, erklärt Reif. Der Umgang miteinander sei feinfühlig, es werde aufeinander geachtet, die Bevölkerung sei gar "unverdorben", wie es der 67-Jährige beschreibt. Das heute etwa 790 000 Einwohner zählende Land öffnete seine Grenzen für touristisch Reisende erst in den 1970er Jahren und ist somit noch immer kein bekanntes Reiseziel. Auch das macht für Reif den Reiz des Landes aus.

Kein Ruhestand mit 67

Um die Entwicklung in Bhutan voranzutreiben, soll künftig zwei Berufsschullehrern ermöglicht werden, das in Deutschland angewandte duale Ausbildungssystem bekannt zu machen. An einen Mann und eine Frau gibt der erfahrene Metallbaumeister dann in seinem eigenen Betrieb sein Wissen weiter. Johann Reif ist mit seinen 67 Jahren eigentlich schon im Rentenalter, seinen Metallbaubetrieb führt er aber weiterhin. "Ich denke noch nicht zu 100 Prozent ans Aufgeben, also mache ich weiter", sagt Reif. Die Gesundheit müsse mitmachen, dann würde er auch ein zweites Mal nach Bhutan reisen.

Am 4. November stellt Johann Reif in der Gaststätte Maisberger in Neufahrn die Ergebnisse seiner Arbeit in Bhutan vor. Das sei kein klassischer Reisebericht, betont er, sondern eine berufliche Erzählung. Anhand von Bildern wird Reif zeigen, was er und andere Auslandsvertreter in den vier Monaten im bhutanischen Königreich erreicht haben.

Zur SZ-Startseite
bhutan

SZ PlusSZ-MagazinGlück
:"In unserer Sprache gibt es keinen Begriff für eine Depression"

Chencho Dorji war der erste Psychiater in Bhutan. Das asiatische Land ist bekannt dafür, das Glück seines Volkes anzustreben - aber Dorjis Arbeit wurde lange kritisch gesehen.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB