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Bau an der Nordostumfahrung:Marzling leidet am meisten

Am weitesten fortgeschritten sind die Maßnahmen bei der Brücke über einen Feldweg südlich von Altenhausen, hier soll am kommenden Mittwoch der Überbau fertig gemacht werden.

(Foto: Marco Einfeldt)

Bis 28. September ist die Landshuter Straße gesperrt. Ende des Jahres soll der Südanschluss der neuen Freisinger Nordostumfahrung .fertig sein. Derzeit nerven zusätzlich die Laster, die Material für die Sanierung der A 92 bringen.

Seit über zwei Wochen ist die Landshuter Straße zum Ärger vieler Autofahrer zwischen dem Bauhof in Freising und der Anschlussstelle Marzling gesperrt. Bis Ende September wird das noch so bleiben. Grund dafür ist die Nordostumfahrung der Bundesstraße B301. Über insgesamt 4,2 Kilometer soll sie Ende 2020 das Tertiäre Hügelland im Osten von Freising durchlaufen. Sie wird von Erlau über Marzling zum Autobahnanschluss Freising-Ost führen. Drei Jahre ist der Spatenstich bereits her - bleibt das Großprojekt im Zeitplan? Und was passiert gerade auf der Baustelle?

"Stand jetzt werden wir Ende 2020 fertig", sagt Bauleiter Thomas Gottschalk vom Staatlichen Bauamt Freising. Am 28. September könne die Landshuter Straße wieder freigegeben werden. "Dort wird gerade vor allem im Erdbau gearbeitet", erzählt Gottschalk. Beim neuen Kreisverkehr an der Anschlussstelle Marzling zur B301 zum Beispiel, ganz am Ende der Sperrung, wird aktuell Erde aufgeschüttet. "Der Kreisverkehr liegt leicht im Damm und schräg, bisher ist er deshalb noch nicht befahrbar", so Gottschalk. Da der Bereich der Baustellen so uneben ist, werden für die Herstellung von Straßeneinschnitten und Dämmen in diesem Jahr insgesamt 300 000 Kubikmeter Erde bewegt. Ende September, so Gottschalk, ist der Erdbau am Kreisverkehr fertig, die Strecke soll dann asphaltiert werden. Nach aktuellem Stand sollen die gesamten Bauarbeiten am Südanschluss an die Landshuter Straße noch in diesem Jahr abgeschlossen werden.

Marzlings Bürgermeister Werner fährt regelmäßig die Straßen ab und kontrolliert

Für den Marzlinger Bürgermeister Dieter Werner sind das gute Nachrichten. Seine Gemeinde treffen die Bauarbeiten besonders hart. Dort hat man neben der Nordostumfahrung noch eine weitere Großbaustelle vor der Haustür: Die Sanierung der A92 zwischen Freising-Ost und Deggendorf, südlich von Marzling. "Es sind nicht die Umleitung und die Arbeiten an der Nordostumfahrung, die uns belasten, sondern der Baustellenverkehr, besonders von der A92", erzählt Bürgermeister Dieter Werner. "Sand-, Kies- und Asphaltgemische werden auf Baufahrzeugen durch die Riegerau transportiert." Beschwerden der Anwohner schätzt Werner auf fünf bis sechs pro Woche.

"Wir befassen uns täglich damit", sagt der Marzlinger Bürgermeister, der seit Baustellenbeginn mit seinen Kollegen regelmäßig die Straßen abfährt und kontrolliert. "Hier sind mittlerweile ständig LKWs mit 40 Tonnen unterwegs, auf Straßen, die nicht mehr die jüngsten sind." An vielen Stellen weise der Asphalt bereits Sprünge auf. Werner habe Verständnis, dass es "erst mal schlimm und dann noch schlimmer wird", bis sich die Verkehrslage an der Nordostumfahrung und der A92 verbessern kann. "Aber wir leben jetzt seit fast drei Jahren mit diesen Geschichten. Es wird Zeit, dass sie fertig werden", sagt der Bürgermeister.

Beim neuen Kreisverkehr an der Anschlussstelle Marzling zur B301, ganz am Ende der Sperrung, wird aktuell Erde aufgeschüttet.

(Foto: Marco Einfeldt)

Auch die Brücken liegen soweit im Zeitplan - nur bei einer könnte es eng werden

Neben der Baustelle in Marzling beinhaltet die Nordostumfahrung vier Brücken, auch diese sollten bis Ende des Jahres fertig sein. Auch hier ist man weitestgehend im Zeitplan. "Einzig die Brücke, die über die Gemeindeverbindungsstraße zwischen Tüntenhausen und Zurnhausen führen soll, könnte sich bis Anfang nächsten Jahres verzögern", so Bauleiter Gottschalk. "Die ist doch ziemlich groß." Am weitesten ist die Brücke über einen Feldweg südlich von Altenhausen, hier soll am kommenden Mittwoch der Überbau fertig gemacht werden. Bei den anderen Brücken, über einen Feldweg südlich von Erlau und einen Radweg von Tüntenhausen nach Zolling, geht es ebenso planmäßig voran.

Das Projekt der Nordostumfahrung hat in der Vergangenheit auch Kritik widerfahren. Der Grund für die Umfahrung war eine dadurch angestrebte Entlastung des Verkehrs der Mainburger Straße (B301) in Freising. Die Kritik, die unter anderem vom Bund Naturschutz in Freising geäußert wurde: Die Umfahrung werde später nicht genug benutzt, um eine tatsächliche Entlastung zu bringen. Das rechtfertige nicht den dadurch nötigen Flächenverbrauch. Die Verkehrserhebung des Staatlichen Bauamts vor zehn Jahren aber ergab, dass die Nordostumfahrung die B301 in der Ortsdurchfahrt Freising um bis zu 6 700 Fahrzeuge pro Tag erleichtert. Außerdem, so heißt es im Gutachten, würden einzelne Ortsstraßen vom Schleichverkehr um bis zu 1 400 Fahrzeuge entlastet. Insgesamt seien werktäglich etwa 14 900 Fahrzeuge an der B301 nördlich von Freising unterwegs. Die Umfahrung soll dazu auch die Flughafenanbindung von Norden verbessern, und, durch die Verbindung zwischen B 301 und Staatsstraße 2350, einen Zugang zur A 92 östlich von Freising schaffen.

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