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Meer aus gelben Säcken in Freising:Erschreckende Wahrheit

Zugemüllt: Der Freisinger Marienplatz diente am Freitag als Sammelplatz für gelbe Säcke. Aktivisten mehrerer Umweltgruppen wollten darauf aufmerksam machen, wie viel Plastikabfall in den Haushalten anfällt.

(Foto: Marco Einfeldt)

Aktivisten sammeln Plastikmüll am Marienplatz

Freisings Aushängeschild, der Marienplatz, ist im Müll versunken - zumindest einige Stunden lang. Ein Meer aus gelben Säcken lag dort am Freitagvormittag. Passanten blieben ungläubig stehen, viele machten Fotos. Von fünf Uhr morgens an sammelten Aktivisten die Säcke in der Oberen und Unteren Hauptstraße sowie den Seitengassen ein - diese lagen dort zur regulären, monatlichen Abholung bereit - und brachten sie zum Marienplatz. Die Agenda-21-Gruppe "Energie und Klimaschutz" wollte mit der Aktion zeigen, wie viel Plastikmüll allein in einem kleinen Bereich in Freising anfällt.

Etwa 3000 Säcke waren es am Ende - deutlich mehr als die 2000, die Josef Beck, Sprecher der Agendagruppe, zuvor als Ziel genannt hatte. Die Zahlen, die er dazu lieferte, waren eindringlich: Zur Produktion der in einem gelben Sack entsorgten Kunststoffe seien im Durchschnitt zehn Liter Erdöl nötig. Hochgerechnet auf den Säcke-Teppich am Marienplatz, mache das 30 000 Liter Erdöl, allein für den Plastikabfall aus vier Wochen. Deshalb habe sich die Agendagruppe des Themas angenommen. Beck dankte den 24 Helfern, darunter waren Schüler und Studenten der "Fridays for Future"-Bewegung und der Grünen Jugend, die vor Schule oder Vorlesung mitangepackt hatten. Mit dabei war außerdem die Moosburger Greenpeace-Gruppe. Die Idee stammte von Fritz Schüller aus der Agendagruppe.

OB Tobias Eschenbacher begrüßte die Initiative und nannte es beeindruckend, wie viel Abfall zusammengekommen sei. Das führe einem erst vor Augen, wie viel Plastik-Müll im Haushalt anfalle. Mit der Aktion solle nicht der moralische Zeigefinger erhoben werden. Es gehe um eine Bewusstseinsbildung, damit die Kunststoff-Schwemme reduziert werden könne, und nicht um persönliche Angriffe gegen SUV-Fahrer oder "junge Mädchen", sagte er in Anspielung auf die zum Teil aggressiven Reaktionen auf die Auftritte von Klima-Aktivistin Greta Thunberg. In den vergangenen Jahren sei die Müllmenge in Freising noch einmal angewachsen, sagte Eschenbacher. Mitarbeiter der Firma Heinz, die die Säcke nach der Aktion entsorgten, nickten zustimmend.

Manuela Gaßner gab zum Abschluss noch Tipps, wie sich Verpackungsmüll im Alltag vermeiden lasse: beispielsweise Obst und Gemüse lose, Getränke in Mehrwegflaschen kaufen, Brot im Stoffbeutel verpacken lassen.