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Neue Wege beim Malteser Hilfswerk:"Wir lassen niemanden im Stich"

Pflege in Niedersachsen

Die Coronakrise ist eine große Herausforderung für Demenzkranke. Sie vermissen ihre Kontakte und leiden unter Einsamkeit.

(Foto: David Hecker/dpa)

Das Malteser Hilfswerk geht in Zeiten der Coronakrise neue Wege. Im Demenzcafé Malta empfangen ehrenamtliche Mitarbeiter Gäste in Einzelbetreuung, um das Gefühl der Einsamkeit zu lindern.

Von Sara Livadas, Freising

Die gesamte Gesellschaft ist von der Pandemie betroffen. Doch was ist mit denjenigen, die bereits unter normalen Umständen Hilfe benötigen? Ältere oder demenzkranke Menschen zählen meist nicht nur zur Risikogruppe, sondern sehen sich durch die Schutzmaßnahmen des Lockdowns mit zusätzlichen Herausforderungen konfrontiert. "Noch mehr als sonst sind viele ältere Menschen derzeit auf zuverlässige Unterstützung angewiesen", stellt der Malteser Kreisgeschäftsführer von Erding, Freising und Ebersberg, Sebastian Oberpriller fest. Auch das Malteser Demenzcafé Malta in Freising hat neue Wege gefunden, um seine Besucher nicht im Stich zu lassen.

Die Angebote der Malteser sind in diesem Krisenjahr stark gefragt. Laut einer Pressemitteilung vom 13. November ist vor allem die Inanspruchnahme des Hausnotrufdienstes gestiegen. Besorgte Angehörige sollen seit dem Frühjahr vermehrt dafür gesorgt haben, dass Eltern oder ältere Verwandte sich mit einem Hausnotrufgerät für den Notfall absichern. Die Sorge vor einer Infektion hält immer mehr Senioren vom Einkaufen ab. Schon während des ersten Lockdowns verzeichneten die Malteser zahlreiche Anfragen nach sogenanntem "Essen auf Rädern". "Wir sind gerade dabei, unseren Menüservice im Landkreis Freising aufzubauen und freuen uns, Senioren schon in einigen Gebieten mit Menüs versorgen zu können", so Oberpriller.

Besuche gegen Depressionen

Ein weiteres Problem, das reduzierte Kontakte und abgesagte Veranstaltungen gerade bei alleinstehenden älteren Menschen mit sich bringen, ist die Einsamkeit. Die Ehrenamtlichen des Malteser Besuchsdienstes hielten während des Lockdowns telefonischen Kontakt und durften nach den Lockerungen, natürlich unter der Beachtung der Schutzmaßnahmen, die Senioren wieder treffen. "In dieser Situation, wo viele sich besonders einsam fühlen und auch Depressionen entwickeln können, ist unser Besuchsdienst ein wertvolles Angebot", sagt die ehrenamtliche Besuchsdienstleiterin Christine Gräfin La Rosée.

Auch das ehrenamtliche Team des Café Malta arbeitet weiter und kann seit Juni wieder seine an Demenz erkrankten Gäste in Einzelbetreuung empfangen. "Ich denke, wir haben ein Konzept, mit dem wir so sicher wie möglich arbeiten können. Es ist unser Ziel, dass das Angebot auch weiterhin erhalten bleiben kann und die Angehörigen entlastet werden. Aber wir können nicht sagen, wie lange das noch funktioniert, beziehungsweise funktionieren darf", lautet die Aussage der Leiterin Saskia Lenz. Für die Demenzkranken sei es besonders schwierig, sich an die Absagen von Gruppentreffen zu gewöhnen, da die Gruppen mitunter schon seit Mai 2017 existieren. "Für die Leute ist es extrem wichtig, dass sie den Kontakt zu anderen haben. Sie vermissen sich gegenseitig und fragen auch nacheinander." Deswegen hätten sie es dann sehr genossen, als Mitte September wieder Gruppenangebote möglich gewesen seien. "Doch das haben wir jetzt wieder auf eine sehr niedrige Zahl herunterfahren müssen", berichtet Lenz von der aktuellen Situation des Demenzcafés.

Das Hygienekonzept hat das Team nochmals verschärft

Das Hygienekonzept, das bereits im Sommer entwickelt wurde, habe das Team angesichts der steigenden Infektionszahlen noch einmal verschärft. Denn nicht nur die Demenzkranken seien oft der Risikogruppe zugehörig, auch viele der Ehrenamtlichen Helfer zählten durch ihr Alter dazu. "Wir haben von Anfang an klargestellt, dass es keiner machen muss und nur die Leute kommen sollen, die sich dazu auch in der Lage fühlen. Das heißt, die Ehrenamtlichen haben als Erstes einen neuen Vertrag bekommen, in dem daraufhin gewiesen wurde, dass die momentanen Einzelberatungen ein freiwilliges Angebot sind. Der eigene Vertrag erlischt auch nicht, wenn sie sagen: 'Nein das ist mir zu unsicher'", berichtet die Leiterin von der Veränderung im Arbeitsalltag.

Die Coronakrise und ihre Auswirkungen sieht Saskia Lenz vor allem für die Angehörigen der Demenzkranken als eine große Herausforderung an. Jeder Arztbesuch sei während der Pandemie ein Kraftakt und einen Besuch, zum Beispiel beim Hautarzt, würde man da lieber mal verschieben. Auch könne man sich nicht einfach auf die Hilfe von Nachbarn oder Freunden verlassen, um das Risiko einer Ansteckung nicht zu erhöhen und so blieben die Angehörigen oft auf sich alleine gestellt, lauten die Befürchtungen der Leiterin.

"Wir lassen niemanden im Stich", erklärt Kreisgeschäftsführer Oberpriller. Wer Hilfe für sich selbst oder für Angehörige benötigt, erhält Informationen unter den Telefonnummern 08161/936990, 08122/995516 oder im Internet unter diesem Link. Dienste der Malteser können in der Regel flexibel und auch nur vorübergehend in Anspruch genommen werden.

© SZ/nta

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