Freising Männerfürsorge schließt Herberge

Pachtvertrag läuft aus. Bisher keine Einigung mit Landkreis über Finanzierungsmodell

Von Peter Becker, Freising

Das letzte Stündlein hat für die Freisinger Herberge des Katholischen Männerfürsorgevereins (KMFV) geschlagen. Seit diesem Freitag stehen Wohnungslose, die dort eine Nacht verbringen wollen, vor verschlossenen Türen. Der Pachtvertrag, den der Eigentümer wegen Eigenbedarfs gekündigt hat, läuft aus. "Bis zum Ende des Monats wird die Herberge geräumt und dem Vermieter übergeben", informiert KMFV-Sprecher Ralf Horschmann in einer Pressemitteilung. Weil die Organisation bislang mit dem Landkreis Freising keine Einigung über ein adäquates Finanzierungsmodell erzielt hat, habe sich der Männerfürsorgeverein nicht nach einer geeigneten Nachfolgeimmobilie umsehen können. "Ob es in Zukunft ein ähnliches Angebot in Freising geben wird, ist ungewiss", stellt Horschmann fest.

Aufgrund der guten Vernetzung des KMFV ist es seinen Mitgliedern gelungen, seine letzten Klienten in andere Einrichtungen seiner Organisation oder der Wohnungslosenhilfe zu vermitteln. "Es ist sehr bedauerlich, dass wir die Herberge schließen müssen", kommentiert dies Volker Zacharias, Leiter der Herberge und des Anton-Henneka-Hauses in Gelbersdorf. Somit gebe es kein vergleichbares Angebot für Wohnungslose im Landkreis Freising mehr. Wir sind dementsprechend weiterhin daran interessiert, ein solches Angebot im Landkreis anzubieten. "Ob und inwieweit dies möglich ist, müssen Gespräche mit dem Landkreis zeigen. Wir sind auf jeden Fall gesprächsbereit."

Seit diesen Freitag stehen Wohnungslose an der Kammergasse vor verschlossenen Türen. Die Herberge ist geschlossen, das Haus wird geräumt.

(Foto: Marco Einfeldt)

Der KMFV hat im Jahr 2006 die Trägerschaft für die Herberge übernommen. Das Haus an der Kammergasse hat sieben Plätze und zwei Notbetten zur Übernachtung in fünf Einzel- und zwei Doppelzimmern geboten. Dort konnten Wohnungslose kurzfristig übernachten und sich ihren Wunsch von einem Bett zum Schlafen, Essen, Waschen und sauberer Kleidung erfüllen. Dies hat nun aufgrund der Kündigung und des Defizits in der Finanzierung ein Ende.

Der KMFV bat den Landkreis 2013, pauschal einen Zuschuss über 66 640 Euro im Jahr zu gewähren. Der Kreisausschuss lehnte diesen Antrag im Oktober des vergangenen allerdings ab, weil dies laut Berechnung der Verwaltung zu Mehrausgaben von etwa 25 000 Euro geführt hätte. Zum anderen lehnte die Verwaltung im Landratsamt den Vorschlag der KMFV ab, weil sie die Abrechnungsweise durch Tagessätze für transparenter hält. Der damalige Landrat Michael Schwaiger hielt die Herberge als Unterkunft für Umherziehende zwar durchaus für notwendig. Er bezweifelte aber, dass alle Personen, die dort aufgenommen werden, die Berechtigung dazu hätten.

Ein Problem stellen aus Sicht der Verwaltung im Landratsamt etwa EU-Angehörige aus Rumänien, Bulgarien und Ungarn dar, die in der Wohlstandsregion eine Arbeitsstelle angetreten, diese aber rasch wieder verloren haben. Diese hätten keinerlei Anspruch auf Sozialleistungen des Landkreises. Claudia Schacherl von der Sozialverwaltung des Landkreises kritisierte in einer Sitzung des Kreisausschusses im vergangenen Oktober, dass dem Amt oft Informationen über die Personen in der Herberge fehlten. Dies sei bei anderen Trägern anders. Zacharias hatte im Mai während einer Versammlung des Psychosozialen Arbeitskreises erklärt, in der Angelegenheit mit dem neuen Landrat Josef Hauner sprechen zu wollen.