Die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) muss derzeit auf ihren größten Hörsaal verzichten. Das Löwentorgebäude am Weihenstephaner Berg muss dringend saniert werden. Seit eineinhalb Jahren dürfen der große Saal mit 250 Plätzen sowie einige Büroräume nicht mehr betreten werden, „da die darüber liegenden Balken Risse haben und der beauftragte Tragwerksplaner Gefährdungen nicht ausschließen konnte“, wie Kanzlerin Karla Sichelschmidt erklärt.
Der Hörsaal werde „schmerzlich vermisst“, sagt sie. Die HSWT habe ihr Studienangebot in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut und benötige gerade auch Kapazitäten für größere Vorlesungen. Die TU München (TUM) stellt zwar Ausweichräume zur Verfügung. „Die sind aber oft nur zu unattraktiven Randzeiten frei, sodass man durchaus von Engpässen sprechen kann“, so die Kanzlerin.
Geht man von der Stadt auf dem Fußweg am Lindenkeller vorbei auf den Weihenstephaner Berg, ist das Löwentorgebäude das erste dominierende Bauwerk des Campus. Bezogen wurde der Neubau zum Wintersemester 1925/26 von der Hochschule für Landwirtschaft und Brauerei. Seither steht das Löwentorgebäude wie ein Riegel zwischen Oberdiek- und Hofgarten. Es nahm zunächst die Institute für Physik und Chemie auf, damit reagierte man auf die Forderung nach einem Ausbau der Grundwissenschaften. Wenige Jahre später wurde die Hochschule dann in die Technische Hochschule München eingegliedert.
Später nutzte die TUM die Räume gemeinsam mit der HSWT, die damals noch Fachhochschule hieß. Seit 1989 stehen sie ganz der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf zur Verfügung, die in dieser Zeit einen enormen Wachstumssprung machte.
Umbauten in den folgenden Jahren sind für die aktuellen Probleme maßgeblich verantwortlich. In den Achtziger- und Neunzigerjahren seien tragende Balken gekürzt worden, um Verdunkelungen anbringen zu können, erklärt Karla Sichelschmidt. Außerdem wurden auf dem Dach Einbauten vorgenommen, „sodass die Lasten für die tragenden Elemente zu schwer sind“. Um Sicherheitsrisiken auszuschließen, habe der mit der Untersuchung beauftragte Statiker die Sperrung empfohlen und die Hochschule sei diesem Rat gefolgt.

Derzeit seien die Fachleute des Staatlichen Bauamts und die beauftragten Experten dabei, die technisch beste und wirtschaftlichste Lösung zu entwickeln. „Es sind aufwendige Maßnahmen notwendig, die eine sorgfältige Planung erfordern“, so die Kanzlerin weiter. Deshalb rechnet man an der HSWT damit, dass mit den eigentlichen Bauarbeiten erst im kommenden Jahr begonnen werden kann. „Wie die optimale Lösung aussieht, wird gerade analysiert – es müssen jedenfalls weitere Stützelemente eingebaut werden, um die Lasten abzufangen.“ Spätestens 2027 sollen die Räume wieder zur Verfügung stehen. Dann allerdings wird der Hörsaal weniger Plätze haben – voraussichtlich werden es unter 200 sein, wie die HSWT mitteilt.
Wenn möglich, soll dann auch der Platz vor dem Löwentorgebäude neu gestaltet werden. Bis vor wenigen Jahren diente die Asphaltfläche als Parkplatz. Bereits 2022 sagte Hochschulpräsident Eric Veulliet, dass die Hochschule in dem Innenhof gern einen Ort der Begegnung schaffen wolle. Die Kanzlerin bekräftigt nun, dass die Neugestaltung des „Löwentorplatzes“ auf der Wunschliste der HSWT stehe. „Wir würden diesen Platz gern begegnungsfreundlich gestalten und in diesem Zusammenhang auch einen barrierefreien Zugang zum Hofgarten ermöglichen.“ Die Realisierung hänge aber davon ab, dass die entsprechenden Mittel bereitgestellt werden könnten.

