Großprojekt in FreisingEin Lernviertel mit Modellcharakter

Lesezeit: 3 Min.

Eine gewaltige Baugrube klafft derzeit an der Wippenhauser Straße in Freising. Hier wird das neue Berufsschulzentrum gebaut.
Eine gewaltige Baugrube klafft derzeit an der Wippenhauser Straße in Freising. Hier wird das neue Berufsschulzentrum gebaut. Marco Einfeldt
  • Der Landkreis Freising baut bis 2029 ein neues Berufsschulzentrum für 157 Millionen Euro als Herzstück eines innovativen Lernviertels an der Wippenhauser Straße.
  • Das Projekt verbindet vier Schulen mit 4500 Schülern über einen begrünten Boulevard und setzt auf nachhaltige Mobilität mit Radwegen, Tempo 30 und einem zentralen Bushub.
  • Das Lernviertel wurde als Kandidat für die Internationale Bauausstellung München ausgewählt und soll als Modellprojekt für zukunftsfähige Bildungsinfrastruktur dienen.
Von der Redaktion überprüft

Diese Zusammenfassung wurde mit der Unterstützung einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt. Lesen Sie mehr über unseren Umgang mit KI.

Fanden Sie diese Zusammenfassung hilfreich?
Mehr Feedback geben

An der Wippenhauser Straße entsteht Freisings größtes Bildungsprojekt: ein begrünter Boulevard, der mehrere Einrichtungen verbindet. Es ist ein Experiment, wie Schule, Mobilität und Nachbarschaft zusammenwachsen können.

Von Kerstin Vogel, Freising

SZ bei Google bevorzugen

Noch klafft an der Wippenhauser Straße eine riesige Baugrube. Doch was hier zusammen mit dem Neubau des Berufsschulzentrums entsteht, hat Modellcharakter: ein Lernviertel, klimafreundlich, physisch und digital vernetzt. Dort, wo heute Camerloher-Gymnasium, Wirtschaftsschule, Fach- und Berufsoberschule FOS/BOS sowie Berufsschule an der Wippenhauser Straße einzelne Lernorte bilden, soll künftig ein begrünter Boulevard die Bildungseinrichtungen verbinden. Entstehen soll ein „identitätsstiftender und selbstverständlicher Ort im Stadtbild“, wie es in einer Präsentation aus dem Landratsamt heißt.

Große Schatten spendende Bäume und Sitzelemente sollen zum Verweilen einladen und zugleich als grüne Klassenzimmer genutzt werden können. Sport- und Calisthenics-Geräte werden nicht nur den Schülerinnen und Schülern, sondern der gesamten Nachbarschaft zur Verfügung stehen, denn das ist eines der Ziele, die der Landkreis hier verfolgt. Stadtplaner und Soziologen nennen so einen konsumfreien Raum, der Begegnung und Gemeinschaft fördert, einen „dritten Ort“.

Sogar zum Projekt der Internationalen Bauausstellung Metropolregion München (IBA-M) hat es der Landkreis Freising mit diesen Plänen gebracht. Die steht unter dem Leitthema „Räume der Mobilität“ und zeichnet Projekte aus, die beispielhaft für die Entwicklung zukunftsfähiger Städte und Regionen stehen.

Eine Chance, die der Landkreis nutzen will. Nur wenige Tage vor Bekanntwerden der IBA-Kandidaten erfolgte der erste Spatenstich für den Neubau des Staatlichen Beruflichen Schulzentrums – seither wird gebaut. Die Fläche dieses derzeit größten Hochbauprojekts des Landkreises summiert sich auf  29000 Quadratmeter, das entspricht mehr als vier Fußballfeldern. Seit dem Baustart im Oktober 2025 wurden bereits 70000 Kubikmeter Erde ausgehoben. Die Projektkosten belaufen sich auf 157 Millionen Euro. Werden alle Fördermöglichkeiten ausgeschöpft, dürfte der Eigenanteil des Landkreises bei knapp 120 Millionen Euro liegen.

Auch ausgelagerte Klassen sollen in das Lernviertel zurückkehren

Im Jahr 2029 soll das neue Berufsschulzentrum als Herzstück des Lernviertels eröffnet werden. Acht im Moment in den Steinpark ausgelagerte Klassen mit 150 Schülern können dann an die Wippenhauser Straße zurückkehren, wie Tobias Grießer, Sprecher des Landratsamtes, schildert. Allein die Berufsschule hat derzeit 2142 Schülerinnen und Schüler, mit Fachakademie und Berufsfachschule für Kinderpflege sind es 2469. Insgesamt werden an den vier Schulen gut 4500 Schülerinnen und Schüler sowie 350 Lehrkräfte vom „Bildungsboulevard“ profitieren.

Die Bauarbeiten liegen im Zeitplan, hieß es in der vergangenen Woche bei einem Infonachmittag mit Baustellenführungen. Anwohner, aber auch die Mitglieder der Schulfamilien und andere Interessierte hatten sich dabei über den Stand des Projektes informieren und ihre Sorgen vorbringen können.

Wie das neue Lernviertel einmal aussehen soll, davon konnten sich Anwohner an verschiedenen Schautafeln ein Bild machen.
Wie das neue Lernviertel einmal aussehen soll, davon konnten sich Anwohner an verschiedenen Schautafeln ein Bild machen. Marco Einfeldt

Denn natürlich haben vor allem die Nachbarn unter der Baustelle zu leiden, wie einige von ihnen bei der Veranstaltung deutlich machten. Erst kürzlich hatte starker Regen einer Anwohnerin Lehm in die Auffahrt gespült, ein anderer Nachbar klagte über den andauernden Krach.

Gegen den Baulärm gibt es naturgemäß kein Rezept. Doch in einem Punkt dürfen die Anwohner auf echte Verbesserung hoffen: beim Verkehr. Vor allem die Schulbusse sind seit Jahren ein Ärgernis. Zum Schulstart und -ende verursachen 45 Busse innerhalb von 30 Minuten täglich ein Chaos, immer wieder kommt es zu gefährlichen Situationen. „Für so viel Verkehr ist die Wippenhauser Straße nicht geeignet“, stellte eine Anwohnerin fest. Genau hier setzt das Konzept des Lernviertels an. Es soll „moderne Bildungsinfrastruktur mit nachhaltiger Mobilität verbinden“, wie es in der Sprache der IBA  heißt.

Konkret versprochen werden sichere Schulwege durch Tempo 30, beidseitige Radwege, sogenannte Speedbumps (Bodenschwellen), Ampeln und Zebrastreifen. Der Fokus soll klar auf Fußgängern und Radfahrern liegen und ein moderner Bushub soll den öffentlichen Nahverkehr bündeln.

Gut 60 Interessierte sind zu dem Infonachmittag in die Aula des Camerloher-Gymnasiums gekommen.
Gut 60 Interessierte sind zu dem Infonachmittag in die Aula des Camerloher-Gymnasiums gekommen. Marco Einfeldt

Über Mitfahr-Apps und ein digitales Parkraummanagement soll zudem der Individualverkehr zusätzlich reduziert werden. Es wird viele Fahrradstellplätze, am Ende aber deutlich weniger Parkplätze für Autos geben. Optisch soll sich die neue Berufsschule „mit viel Holz präsentieren“.  Das Dach wird begrünt und mit einer Photovoltaikanlage bestückt.

Der Zeitplan für die Entstehung des Lernviertels sieht vor, das Berufsschulzentrum und den Boulevard davor bis 2029 fertigzustellen. 2027 bis 2028 soll außerdem eine neue Fahrradgarage am Camerloher Gymnasium entstehen. Der Bau des Busknotens folgt in den Jahren  2030 bis 2032. Anschließend wird der Boulevard bis 2034 vor das Camerloher Gymnasium und dann auch zum Bushub verlängert.

2035 ist schließlich noch der Neubau der Werkstätten für FOS und BOS geplant – das allerdings ohne den Rückenwind der Internationalen Bauausstellung. Die ist 2034 vorbei.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

CSD in Freising
:Flagge zeigen im Vorhof des Vatikans

Rund 1500 Teilnehmer feiern den ersten Christopher Street Day in Freising. Sie wollen damit zeigen, dass es auch auf dem Land eine queere Gemeinschaft gibt – und sie wollen gehört werden.

SZ PlusVon Lena Meyer

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: