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Freisinger Campus unterstützt Bauern:Mit Omas Rezept auf den Markt

Der Biohof Meidinger aus Mintraching will einen nach Familienrezept hergestellten Kartoffelsalat im Glas auf den Markt bringen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Hochschule in Weihenstephan hilft interessierten Landwirten bei Produktion und Vermarktung eigener Lebensmittel. Dank des Trends zu mehr Regionalität könnten so auch kleinere Betriebe ihr Auskommen erwirtschaften.

Von Petra Schnirch, Freising

Das Interesse vieler Landwirte an einer Direktvermarktung und dem Verkauf selbst erzeugter, veredelter Rohstoffe ist groß. Unterstützung bekommen sie bei der Entwicklung neuer Produkte am Campus in Weihenstephan. Gemeinsam mit der Ökomodellregion Ampertal und dem Kompetenzzentrum für Ernährung hat die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) eine Initiative für die Landwirtschaft zur Lebensmittelherstellung am eigenen Hof gestartet. 122 Teilnehmerinnen und Teilnehmer loggten sich am Dienstagnachmittag bei der ersten Online-Veranstaltung zu dem Thema ein.

Lebensmittel müssen heutzutage, anders als noch vor 25 Jahren, nicht mehr nur "billig, billig, billig" sein, wie Thomas Lötzbeyer, Professor an der HSWT, eingangs sagte. Gerade bei jungen Leuten sei das Interesse an einer auf ihren Bedarf zugeschnittenen Ernährung groß - und vor allem an regionalen und nachhaltigen Produkten. Es gebe immer mehr Kunden, "die das zu schätzen wissen". Dafür seien sie auch bereit, höhere Preise zu bezahlen. Lötzbeyer sieht hier viel Potenzial für die Landwirte, denn für den regionalen Markt könnten Lebensmittel in kleinen Serien hergestellt werden. Eines der Anliegen der Hochschule sei, zu zeigen, dass kleinere Höfe überlebensfähig sind - und "dass Ökonomie und Ökologie zusammen möglich sind". Zu Beginn der Corona-Krise unterstützte die HSWT bereits Gastronomen, die sich mit neuen Produkten ein zweites Standbein aufbauen wollten.

Kostenlose Workshops

Das Online-Treffen war nur ein Auftakt, Anfang März sind zwei kostenlose Workshops für interessierte Landwirte geplant, bei denen erste Ideen mit Unterstützung der Lebensmittelexperten weitergedreht werden sollen. Auf einer eigenen Plattform der HSWT, dem "Food Startup Inkubator Weihenstephan" (https://fsiws.com), werden zudem Webinare für Start-up-Gründer angeboten, etwa zu Themen wie Online-Marketing oder Verpackung. Das Technikum der Hochschule steht für Pilot-Produktionen zur Verfügung. Dort kann im kleinen Maßstab gearbeitet und getestet werden.

Eine Möglichkeit, die auch Biobauer Christian Meidinger aus Mintraching nutzte. Er will in der kommenden Woche einen nach Familienrezept hergestellten Kartoffelsalat im Glas auf den Markt bringen und schilderte bei dem Online-Meeting kurz seine Erfahrungen. Auslöser sei gewesen, dass er im vergangenen Jahr viele sehr große Kartoffeln geerntet habe, berichtete er. Die Gastronomie als typischer Abnehmer fiel 2020 aus. Deshalb sei die Idee entstanden, einen Kartoffelsalat anzubieten. Der werde komplett in Handarbeit hergestellt, auch für das Schälen der gedämpften Kartoffeln gebe es keine Maschine. "Das ist sehr arbeitsintensiv." Größtes Problem laut Meidinger war: Er verfügt bisher über keine geeignete Produktionsstätte, um in die Lebensmittelproduktion einzusteigen.

Keine Angst vor der Vermarktung

Ein Bekannter machte den Biobauern auf den "Food Startup Inkubator" aufmerksam. Im Technikum stehen Pilotanlagen bereit, mit denen kleinere Mengen zu Testzwecken, aber auch erste Chargen für den Markt hergestellt werden können. "Man kann sich ausprobieren", sagte Meidinger. Ohne diese Angebot wäre er nicht so weit gekommen. Verkaufen will er den Kartoffelsalat in seinem Hofladen, außerdem ist er im Gespräch mit einer Supermarktkette, die bereits seine Kartoffeln im Sortiment hat. Vor der Vermarktung habe er keine Angst.

Die Digitalisierung biete hier eine große Chance, so Lötzbeyer. Als er vor 25 Jahren angefangen habe, Lebensmittel zu entwickeln, sei das "nervenaufreibend" gewesen. Die großen Ketten dominierten den Markt. Um ein Produkt zu platzieren, habe man zweistellige Millionen-Beträge in Fernsehwerbung investieren müssen.

Wichtig ist Networking

Als ersten Schritt raten die Experten aus Weihenstephan interessierten Landwirten, in der eigenen Küche zu experimentieren, zum Beispiel mit alten Rezepten der Oma. Dann sollte man Freunde und Verwandte probieren lassen, ob das Ergebnis auch schmeckt. Wichtig sei zudem das Networking, man könne sich mit anderen Landwirten zusammenschließen und das Sortiment im eigenen Hofladen erweitern.

Christian Meidinger sieht im Verkauf veredelter Rohstoffe in jedem Fall einen zusätzlichen Geschäftszweig. Sein Öl für den Kartoffelsalat bezieht er von einem anderen Betrieb, der sich darauf spezialisiert hat. Positiv überrascht habe ihn, dass das Interesse an der Online-Veranstaltung so groß gewesen sei, sagte er. Das zeige, dass findige Landwirte auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen seien. Auch kleinere Betriebe könnten so ihr Auskommen erwirtschaften. Für seinen eigenen Hof sammelt er schon neue Ideen. So überlegt er, im Herbst eine Kartoffelsuppe auf den Markt zu bringen.

© SZ vom 18.02.2021
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