Die Geburtsklinik im Freisinger Krankenhaus will schwangeren Frauen, die sich für eine Geburt in Freising entscheiden, noch mehr Sicherheit geben – und setzt dafür auf Telemedizin. Sollte es bei einer Geburt zu einem Notfall kommen, erhält das Freisinger Ärzteteam in Zukunft über modernste Technik sofort Online-Unterstützung aus dem Perinatalzentrum in Landshut, um die Patientin bis zum Eintreffen des spezialisierten Notarztes bestmöglich zu betreuen. 30 Minuten, die entscheidend sein können.
Möglich macht das ein vom Freistaat und dem Verein „Sternstunden“ finanziertes Telemedizinprojekt. Es ist bei der Kinderklinik Dritter Orden in Passau angesiedelt und hat zum Ziel, Geburts- und Kinderkliniken in Bayern über ein digitales System zu vernetzen und so die Notfallversorgung von Neugeborenen zu verbessern.
Denn: „Bis zu zehn Prozent aller Neugeborenen brauchen nach der Geburt irgendeine Form von medizinischer Unterstützung“, wie Professor Matthias Keller, Chef der Kinderklinik Passau, im Oktober zum Start des Projekts dem BR erklärte: Drei von 1000 Kindern erlitten eine Gehirnschädigung, weil sie während der Geburt zu wenig Sauerstoff bekommen. Die ersten Lebensminuten seien entscheidend.
Das Freisinger Klinikum kooperiert schon seit Jahren bei der Geburtshilfe mit der Kinderklinik in Landshut. Eine eigene Kinderstation aufzubauen, nennt Geschäftsführerin Maren Höntzsch „wünschenswert“, die Möglichkeiten seien jedoch begrenzt. Zwar sei es gelungen, eine Kinderärztin zu gewinnen, die seit Mitte Januar auch die Notaufnahme mit ihrer Expertise verstärke. Für eine eigene Station aber bräuchte es fünf solcher Kollegen, so Höntzsch: „Die aber sind Mangelware“, von einem Intensivmediziner für Kinder gar nicht zu reden.
Trotzdem kommen aktuell pro Jahr 800 bis 900 Kinder im Freisinger Krankenhaus ärztlich gut versorgt zur Welt. Möglich machen das auch die Kinderärzte und -ärztinnen aus dem Perinatalzentrum Landshut, die von 8 bis 12 Uhr in Freising Dienst tun. Absehbar schwierige Fälle oder auch Frühchen werden von Freising gleich nach Landshut verlegt, die Zusammenarbeit verläuft Höntzsch zufolge „reibungslos“ – und so scheint auch der nächste Schritt der telemedizinischen Unterstützung aus der Nachbarstadt nun logisch.
Die Freisinger Klinik ist die einzige in Oberbayern, die es in das Programm geschafft hat
Denn sollte es bei einer Geburt in Freising zu unerwarteten Komplikationen kommen – laut Chefarzt Dario Vincenti ein- bis zweimal im Monat – wird im Moment zwar der spezialisierte Notarzt in Landshut alarmiert. Bis zu dessen Eintreffen aber müssen sich die Freisinger Ärzte um die Patientin kümmern.
„Natürlich können wir das“, sagt Vincenti. Trotzdem freut auch er sich, wenn in Zukunft – konkret wohl ab Mitte des Jahres – in solchen Fällen ein Spezialist aus Landshut digital zugeschaltet wird und die Behandlung mit seiner Expertise bis zum Eintreffen des Notarztes unterstützt. „Uns schaut dann ein Neonatologe live mit der Kamera über die Schulter, kann konkrete Anweisungen geben und uns sozusagen steuern wie Roboter.“
Landrat Helmut Petz, der auch Aufsichtsratsvorsitzender des Krankenhauses ist, nennt die Neuerung eine „Sensation“, die vom Freisinger Klinikum in Eigeninitiative auf den Weg gebracht worden sei. Tatsächlich ist die Freisinger Geburtsklinik bis jetzt die einzige in Oberbayern, die in das Projekt aufgenommen worden ist, in ganz Bayern sind es zehn. Dafür habe man sich auch ein bisschen anstrengen müssen, sagt Chefarzt Vincenti. Es sei überprüft worden, ob die Strukturen passen und die Standards erfüllt sind: „Das ist schon auch eine kleine Ehre, dass wir da dabei sind.“

