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Landschaftspflegeverband Freising:Projekt gegen das Artensterben

Naturdenkmal Sempter Heide, 2017

Eine artenreiche Wiese, wie hier bei Sempt, könnte als 326 Hektar großer Biotopverbund bei Thonstetten entstehen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Wenn die privaten Landbesitzer mitmachen, könnte im Ampertal ein 326 Hektar großer Biotopverbund mit Wiesen und Feuchtgebieten entstehen. Doch der Weg dahin wird schwierig, die Bauern müssen überzeugt werden.

Im Ampertal bei Thonstetten soll ein 326 Hektar großer Biotopverbund aus artenreichen Wiesen und Feuchtgebieten als Modell für ein bundesweites Biotopnetz entstehen. Schon jetzt gibt es dort ein Wiesenbrütergebiet als Ausgleichsfläche der Stadt Moosburg und artenreiche Wiesen bei Oftlfing. Für dieses umfassende Projekt "MehrWert" hat der Landschaftspflegeverband Freising jetzt einen Zuschuss in Höhe von 800 000 Euro bei der Heinz Sielmann-Stiftung und der EU beantragt. Sollte das Projekt genehmigt werden, hat der Landschaftspflegeverband vier Jahre Zeit, die Grundstückseigentümer davon zu überzeugen, Teil des Biotopverbundes zu werden. Etwa 60 Prozent der Flächen des Projektgebiets werden im Moment noch als Acker genutzt.

Auch Kommunen besitzen Flächen in diesem Gebiet, deshalb stellte Matthias Maino, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbands, das Projekt "MehrWert" unlängst den Haager Gemeinderäten vor, die grundsätzlich damit einverstanden waren. Aber es dürften keine Nachteile für Landwirte entstehen und betroffene Eigentümer müssten bei Veränderungen eingebunden werden, betonten Robert Schwaiger und Franz Huber, die Landwirte unter den Räten. "Wie sich die Natur in diesem Biotopverbund entwickeln wird, ist unsicher, aber das Artensterben ist sicher", argumentierte Gemeinderat Klaus Reiter für ein Umdenken.

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Für die Landwirte dürfen keine Nachteile entstehen, dafür gibt es staatliches Fördergeld

Auch Moosburg, Langenbach und Marzling, auf deren Gemeindegebiet sich ebenfalls Flächen des geplanten Biotopverbunds befinden, sind grundsätzlich einverstanden. Aber Veränderungen anzuschieben wird nicht einfach, darüber ist sich auch Maino im Klaren, denn mehr als Dreiviertel der Flächen sind Privateigentum. Dazu kommt, dass die Grundstücks- und Pachtpreise ständig steigen und wer eine hohe Pacht für seinen Acker bezahlt, muss dieses Geld auch auf dieser Fläche erwirtschaften. Aber es gebe gut gefüllte Fördertöpfe, um Landwirte, die zum Beispiel in Zukunft auf Maisanbau verzichten, finanziell zu unterstützen, erklärte Maino. Vorstellbar sei auch, dass kommunale Eigentümer ihre Flächen günstig verpachteten und dies an Auflagen für den Naturschutz knüpften.

Bei der Entwicklung des Projekts werden viele mitreden. Geplant ist ein runder Tisch mit Vertretern der Gemeinden, des Wasserwirtschaftsamts, der Landwirtschaftsämter, den Obmännern des Bauernverbands, den Flächeneigentümern, Mitgliedern des Bundes Naturschutz, Fischern und Jägern. Sie alle werden diskutieren, wo Ackerflächen in extensives Grünland umgewandelt, keine Gülle mehr ausgebracht wird, Gräben aufgeweitet und ein Storchenhorst oder Besucherturm entstehen. Vier Jahre lang läuft das Projekt, so lange haben Maino und der Landschaftspflegeverband nun Zeit, mehr Lebensräume für Libellen, Brachvögel und artenreiche Wiesen zu schaffen, "ich kämpfe um jede Wiese und freue mich über jeden Landwirt, der Tiere hält, die das Gras und Heu der Wiesen verwerten", sagt Maino. Bisher seien gut 20 Prozent der Fläche Grünland, weitere 20 Prozent von Wald bedeckt. Aber das solle sich langsam ändern.

Kommunale Flächenbesitzer sollen zunächst als Vorbilder vorangehen

Zunächst würden die kommunalen Eigentümer der Flächen wie Gemeinden, Kirchenstiftung oder das Wasserwirtschaftsamt überzeugt, ihre Flächen extensiv zu nutzen. Diese Beispiele sollten dann andere Grundstückseigentümer, die ihre Fläche verpachtet haben, und Landwirte überzeugen, die Nutzung zu ändern, beschrieb Maino das Vorgehen. Dafür gebe es zahlreiche Subventionstöpfe, aus denen zum Beispiel der Verzicht auf Gülleausbringung oder die Haltung von Wasserbüffeln gefördert werde. Diese Wiederkäuer könnten nämlich gut in sumpfigen, nassen Gebieten leben. Das Ampertal sei mit seinen Gewässer- und Feuchtgebieten von großer Bedeutung für die Verwirklichung eines bundesweiten Biotopverbundes, erklärt Maino. Gesetzlich sei festgelegt, dass auf mindestens zehn Prozent der Fläche jedes Bundeslandes ein Netz verbundener Biotope geschaffen werden soll. Dafür gebe es eine abgestimmte, landesweite Planung.

Für die Auswahl des Ampertals als "MehrWert"-Projekt sprach, dass es bereits eine Datengrundlage über die Flora und Fauna gibt und die betroffenen Kommunen bereit sind, mitzumachen. Von der Sielmann Stiftung wurden noch zwei weitere Modellprojekte ausgewählt, und zwar die Insel Rügen und das Vechte- und Dinkeltal in Niedersachsen. Allerdings gebe es noch große Defizite bei der Umsetzung eines deutschlandweiten Biotopverbunds und das Artensterben gehe ungebremst weiter, heißt es in der Projektbeschreibung von "MehrWert." Dass ein neuer Baustein im Biotopband entstehen kann, liegt nun in den Händen der Landwirte und Ampertalgemeinden.

© SZ vom 11.02.2020
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