Landkreis FreisingJurist, Handwerker und Olivenbauer

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Bis zur letzten Minute arbeitet der scheidende Freisinger Landrat Helmut Petz in seinem Büro,  damit keine Akten liegenbleiben.
Bis zur letzten Minute arbeitet der scheidende Freisinger Landrat Helmut Petz in seinem Büro,  damit keine Akten liegenbleiben. Marco Einfeldt
  • Der scheidende Freisinger Landrat Helmut Petz (69) zieht sich nach seiner Wahlniederlage komplett aus der Politik zurück, will aber weiter an der Münchner Uni lehren.
  • Petz bilanziert seine Amtszeit positiv und verweist auf Erfolge wie die Sanierung des Klinikums, den Ausbau erneuerbarer Energien und neue Wohnungsbauprojekte.
  • Neben seiner Lehrtätigkeit will sich der Jurist seinem Hausbau in Freising widmen und seine 480 Olivenbäume auf Sardinien bewirtschaften.
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Der scheidende Landrat Helmut Petz hätte gern eine weitere Amtszeit angehängt, hat aber auch ohne Politik jede Menge zu tun.  Der Jurist lehrt an der Uni, ist Teilzeit-Landwirt und will endlich sein Haus in Freising sanieren.

Von Petra Schnirch, Freising

Der Bär liegt gemütlich auf einer Blumenwiese, ein Bein lässig nach oben gestreckt. Helmut Petz gefällt die Abschiedskarte. Doch so, wie sich die Mitarbeitenden im Landratsamt den Ruhestand ihres Chefs vorstellen, wird der wohl nicht aussehen. In dieser Woche hat der scheidende Landrat Helmut Petz schon die nächsten dienstlichen Termine, zwar nicht in der Freisinger Behörde, aber an der Münchner Uni. Der Jurist hält dort Vorlesungen. Zum Chillen hat er keine Zeit.

Er sei kein Mensch für den Ruhestand. „Meine Frau behauptet, ich habe ADHS“, sagt der 69-Jährige und lacht. In den vergangenen Jahren sind viele Dinge liegen geblieben. Für Freunde, Familie, das Haus in Freising, das seit vier Jahren eine Baustelle ist, will er sich jetzt mehr Zeit nehmen. Der Jurist Petz hat auch ein Handwerker-Gen. In einem Jahr will er umziehen, so der Plan, bisher lebt die Familie in Feldmoching. Damit nicht genug. Petz schreibt Fachbücher, will wieder Vorträge halten. Außerdem ist er Olivenbauer und hat 480 Olivenbäume auf Sardinien. Er hoffe, dass er mit all dem, was er vorhat, 50 Wochenstunden nicht überschreiten werde, sagt er und lacht wieder. Wichtig sei ihm, etwas Sinnvolles zu tun.

Was er nicht mehr will: sich in der Kommunalpolitik engagieren. Das schließt er kategorisch aus, er werde kein politisches Amt mehr übernehmen. Deshalb gibt er auch den Vorsitz der Fluglärmkommission ab. Als „Bürger mit einer politischen Haltung“ will er die Gegner einer dritten Startbahn am Flughafen aber weiterhin mit seiner juristischen Expertise unterstützen, wenn sie das wünschen. In der Region wartet man in diesen Tagen auf eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts. Der Landkreis Freising hat Beschwerde gegen die Nichtzulassung einer Revision im Prozess um das „ewige Baurecht“ für den Startbahnbau eingereicht. Petz hätte das Projekt, das er für „Unsinn“ hält, in seiner Amtszeit gern abgeräumt.

Dennoch bleibt er Realist. Die Chancen, mit einer Nichtzulassungsbeschwerde Erfolg zu haben, lägen bei unter zehn Prozent, sagt er. Petz weiß, wovon er spricht. Vor seiner Wahl zum Landrat 2020 war er selbst Richter am Bundesverwaltungsgericht in Leipzig und dort in letzter Instanz für Bau-, Naturschutz- und Flughafenrecht zuständig. Er hatte aber immer enge Bezüge zum Landkreis. Seine Eltern stammen aus Freising und Marzling. Zudem leitete Petz von 1998 bis 2002 das Bauamt am Landratsamt. 2002 kandidierte er vergeblich für das Bürgermeisteramt in Hallbergmoos.

Die dritte Startbahn hält Helmut Petz für unnötig und unsinnig. Die Startbahngegner unterstützte er politisch und mit seiner juristischen Expertise, wie hier bei einer Demonstration gegen das „ewige Baurecht“ im Februar 2025 auf dem Freisinger Marienplatz.
Die dritte Startbahn hält Helmut Petz für unnötig und unsinnig. Die Startbahngegner unterstützte er politisch und mit seiner juristischen Expertise, wie hier bei einer Demonstration gegen das „ewige Baurecht“ im Februar 2025 auf dem Freisinger Marienplatz. Marco Einfeldt
Am Waffeleisen bewies Helmut Petz im Bürgermeister-Wahlkampf im Oktober 2001 sein Können. Er kandidierte damals in Hallbergmoos, unterlag aber Amtsinhaber Klaus Stallmeister.
Am Waffeleisen bewies Helmut Petz im Bürgermeister-Wahlkampf im Oktober 2001 sein Können. Er kandidierte damals in Hallbergmoos, unterlag aber Amtsinhaber Klaus Stallmeister. Marco Einfeldt

Helmut Petz hätte gern als Landrat weitergemacht, daraus macht er keinen Hehl. In der Stichwahl unterlag der Kandidat der Freien Wähler jedoch Herausforderin Susanne Hoyer von der CSU, die 54,5 Prozent der Stimmen erhielt. In ein Loch fallen werde er jedoch nicht, sagt Petz in seinem Büro, in dem auch an seinem vorletzten Arbeitstag noch Akten liegen, die bearbeitet werden müssen. „Jede Minute könnte ich dreimal füllen.“ Von den Strapazen des Wahlkampfs, den er neben einem vollen Landratskalender führte, hat er sich sichtlich erholt.

Das Freisinger Klinikum steht heute vergleichsweise solide da

„Ich bin mit mir im Reinen“, sagt Petz. Er habe viel gearbeitet und könne zusammen mit den Kreisräten eine „schöne Erfolgsbilanz“ vorzeigen. „Wir hatten ziemlich viele Ideen und haben fast alles weitergebracht“ – mit teils „mutigen Entscheidungen“. Eine der ersten Amtshandlungen nach der Wahl 2020 war der Wechsel in der Geschäftsführung des Klinikums. Die Stimmung unter den Beschäftigten damals „war im Keller“, erinnert sich Petz.

Mit einem Defizit von 7,4 Millionen Euro steht das Klinikum heute vergleichsweise solide da. Die Krankenhäuser seien chronisch unterfinanziert. Mit den neuen Beschlüssen des Bundes werde das nicht besser. „Das zahlen, wie immer, die Kommunen“, befürchtet Petz. „Die Medizin kann immer mehr, wird immer teurer, aber es darf nicht mehr kosten.“

Demokratie sei die einzige Staatsform, in der er leben wolle - das betonte Helmut Petz 2021 bei der „Langen Nacht der Demokratie“ in Freising. 
Demokratie sei die einzige Staatsform, in der er leben wolle - das betonte Helmut Petz 2021 bei der „Langen Nacht der Demokratie“ in Freising.  privat

Die Wohnungsbau GmbH des Landkreises, für die es bereits einen Auflösungsbeschluss gab, wurde in seiner Amtszeit neu belebt. Etwa 250 Wohnungen sollen entstehen. Zufrieden ist Petz auch mit den Fortschritten bei der Energiewende im Landkreis. 2026 könne die Stromversorgung zu hundert Prozent aus erneuerbaren Energien erfolgen. Freising sei damit bayernweit Vorreiter.

Der Flexbus in Moosburg macht ihm Freude, das sei das System der Zukunft. Der Bau der neuen Berufsschule mit Kosten von 147 Millionen Euro ist auf den Weg gebracht worden. Beim Hochwasserschutz hat sich einiges getan. Weitergekämpft hätte Petz gern für den Expressbus X610 über Allershausen nach Hochbrück oder eine S-Bahn von Freising oder Neufahrn nach Garching. Alles Projekte, die in verschiedenen Schubladen liegen.

„Die Weichen sind ganz gut gestellt“, bilanziert Petz. Das bescheinigten ihm und dem Kreistag mehrere Redner bei der letzten Sitzung der Amtszeit. Im Kreistag war Petz bekannt dafür, dass er viel und manchmal ausschweifend redet – aber immer mit einem feinen Sinn für Humor und respektvoll im Ton. Landrat sei „ein toller Job“, sehr verantwortungsvoll, mit einer „Fülle von Gestaltungsmöglichkeiten“, sagt Petz. Seiner Nachfolgerin Susanne Hoyer wünscht er, dass sie das gute Klima im Kreistag, die Aufbruchstimmung fortführt. Ein fairer Umgang miteinander und eine sachorientierte Politik seien eine Erfolgsgarantie.

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