Unterbringung von Geflüchteten:So ziemlich jedes Gebäude ist recht

Unterbringung von Geflüchteten: Im leer stehenden Studentenwohnheim an der Giggenhauser Straße sollen im kommenden Jahr Geflüchtete unterkommen.

Im leer stehenden Studentenwohnheim an der Giggenhauser Straße sollen im kommenden Jahr Geflüchtete unterkommen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Der Landkreis Freising kämpft darum, seine ihm zugewiesenen Geflüchteten unterzubringen. Landrat Helmut Petz will vermeiden, wieder Schulturnhallen zu belegen. Das würde für böses Blut in der Bevölkerung sorgen.

Von Peter Becker, Freising

Mit Verwunderung haben Vöttinger Bürgerinnen und Bürger vor ein paar Tagen registriert, dass das Studentenwohnheim an der Giggenhauser Straße leer geräumt wird. Den Grund dafür erfuhren sie später: Das Landratsamt hat mit dem Studentenwerk und dem Freistaat einen Vertrag geschlossen, der vorsieht, das in die Jahre gekommene Wohnheim von Juli des kommenden Jahres an als Unterkunft für Geflüchtete zu nutzen. Das ist nicht alles an Quartieren, welche das Landratsamt requiriert hat. Von diesem Wochenende an wird das Dachgeschoss des Stabsgebäudes als Unterkunft vorbereitet, ein Haus in Kranzberg ist gefunden und im kommenden Jahr stehen Räume in der Postbankfiliale am Freisinger Bahnhof zur Verfügung, informierte Sandra Schulenberg vom Sachgebiet Asyl am Donnerstag im Kreisausschuss des Kreistags.

Im Dachgeschoss des Stabsgebäudes ist Platz für 180 Personen. Kräfte der Hilfsorganisationen sind am Wochenende im Einsatz, um die Räume bewohnbar zu machen. Ende Januar soll das Postgebäude an der Bahnhofstraße bezugsfertig sein. Landrat Helmut Petz (FW) versichert, dass für die Anwohnerinnen und Anwohner von Steinpark und Wohnheim eigens Informationsveranstaltungen stattfinden sollen. Im Falle der Immobilie in Vötting komme dies "zu spät", kritisierte Maria Lintl (FSM). Die Bevölkerung dort sei schon verunsichert. Landrat Petz entschuldigte das damit, dass der Vertrag erst am Mittwoch unterzeichnet worden sei. Im Übrigen sei er, was das Wohnheim betrifft, schon seit Monaten im Gespräch mit der Stadt Freising.

Generell ist das Team um Sandra Schulenberg ständig mit der Akquise von neuen Unterkünften beschäftigt. Pro Monat bekommt der Landkreis 100 Geflüchtete zugewiesen. Ständig besteht die Gefahr, an die Kapazitätsgrenzen zu stoßen. Und dann müssten am Ende wieder Schulturnhallen belegt werden, was Petz unbedingt vermeiden will. "Keiner will an die Turnhallen ran", versicherte der Landrat. Das war zuletzt auch der Tenor des Landkreistags. Was Petz auf jeden Fall verhindern will, ist ein "politisches Getöse", das nicht dem Umgang mit Menschen entspreche.

Was die Unterkünfte anbelangt, ist der Landkreis nicht wählerisch. Alles Mögliche kommt in Betracht, von Bürogebäuden bis hin zu ungenutzten Hallen. Die Erzdiözese würde ebenfalls Räume zur Verfügung stellen, doch Kardinal Reinhard Marx hatte zuletzt versichert, derzeit stünden keine zur Verfügung. Wenig Sorgen bereiten dem Landratsamt die Kosten für die Unterbringung der Geflüchteten, denn diese erstattet die Bundesregierung zurück. Beunruhigend ist dagegen, dass mancherorts die Stimmung am Kippen ist, die Hilfsbereitschaft nachlässt. Das sei im Landkreis Freising nicht so. "Bei uns kocht nichts hoch", versicherte Petz.

Nach Angaben von Sandra Schulenberg sind derzeit im Landkreis 2533 Personen in 94 eigenen und vier Unterkünften der Regierung untergebracht. 1001 davon sind Bleibe berechtigt. 428 wiederum davon stammen aus der Ukraine und haben unbefristetes Bleiberecht. Insgesamt befinden sich 2000 Schutzsuchende aus dem osteuropäischen Staat im Landkreis. Alle zwei Wochen komme ein Bus mit fünfzig Personen am Landratsamt an, informierte Sandra Schulenberg. 48 Stunden zuvor werde der Landkreis informiert, der sich dann Gedanken machen kann, wo und wie er die Ankommenden unterbringen will. "Es ist nicht möglich, alle passgenau zu verteilen", gesteht Sandra Schulenberg.

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