Wo verlaufen die Grenzen des Sagbaren? Was ist noch ein Witz, was schon Herabwürdigung? Diese Fragen tauchen regelmäßig in den Medien auf, etwa dann, wenn Satire in Beleidigung und Diffamierung umschlägt. Satire ist durch das Grundgesetz geschützt, juristisch ist sie aber nicht eindeutig definiert. Geschmacklos sind die Witze des Freisinger FDP-Landratskandidaten Tobias Weiskopf aber in jedem Fall: Er gibt es selbst zu und bereut es zutiefst. „Ich habe mit meinem Versuch der Überspitzung kräftig daneben gelangt“, sagt er.
Konkret geht es um den politischen Aschermittwoch der FDP Bayern am 18. Februar in der Stadthalle Dingolfing. Damals hatte das Organisationsteam den 28-jährigen Politiker aus Allershausen gebeten, im Stil der Satiresendung „Heute-Show“ durch den Saal zu gehen und für Stimmung zu sorgen. Weiskopfs Programm dauerte mehr als 30 Minuten, an drei Stellen ging er mit seinen Witzen zu weit.
Die entsprechenden Videoausschnitte sind nicht mehr öffentlich zu sehen, denn direkt am Tag der Veranstaltung realisierte Weiskopf seine Fehler und ließ die Aufzeichnungen entfernen. Laut Focus-Online, der zuerst berichtete, soll Weiskopf zum bayerischen FDP-Generalsekretär Karl Graf von Stauffenberg, dem Enkel des Hitler-Attentäters, gesagt haben: „Ein Stauffenberg ist im Raum, das kann in Bayern immer ein bisschen gefährlich sein. Oh, der zündet nicht richtig, aber das war damals schon so. Lieber Karl, erst die Verantwortung übernehmen, wenn die Feldschlacht verloren ist, das liegt ja bei euch in der Familie. Spaß beiseite, ein bisschen locker machen.“
Er habe sich „extrem unglücklich versprochen“, sagt der FDP-Politiker
Über den ehemaligen FDP-Bundestagsabgeordneten Thomas Sattelberger, der in der Vergangenheit die Jungen Liberalen, unter anderem auch Weiskopf, zu Festen bei sich zu Hause eingeladen hatte, sagte er: „Wenn wir gerade bei den Epstein-Files sind: Wann steigt denn eigentlich die nächste Party bei Thomas Sattelberger?“ Auch über den früheren US-Präsidenten Bill Clinton und seine Affären machte er einen geschmacklosen Witz.
Konfrontiert mit seinen Scherzen, zeigt sich Weiskopf zerknirscht. Er habe seine Fehler erkannt und bedauere sie sehr, sagt er. Weiskopf betont, dass er keineswegs Sattelberger in Verbindung mit Jeffrey Epstein bringen wollte, in der Interaktion mit dem Publikum habe er sich „im Zuge einer Überleitung extrem unglücklich versprochen“. Auch die Passage über Karl von Stauffenberg sei „unpassend“ gewesen.
Mit Stauffenberg habe er das Thema direkt im Anschluss persönlich geklärt, sagt der Kreisrat aus Allershausen. Bei Sattelberger, der in Dingolfing nicht anwesend war und Focus gegenüber die Äußerungen als „diffamierend“ und „verletzend“ betrachtete, habe sich Weiskopf nach der Veröffentlichung des Artikels entschuldigt. „Mir hat das persönlich die letzten Wochen sehr zu schaffen gemacht“, sagt der Allershausener. „Ich werde weiter dazu beitragen, dass die Veranstaltung gründlich aufgearbeitet wird.“

