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Bankraub in Freising:Prozessauftakt: Raubzug in fünf Landkreisen

Mordprozess Landshut

Am Landgericht in Landshut wird seit dieser Woche über die Taten des 40-Jährigen Bankräubers verhandelt. Er hatte unter anderem eine Bank in Kranzberg überfallen.

(Foto: dpa)

40-jähriger Angeklagter muss sich wegen Raubzügen in fünf Landkreisen vor dem Landshuter Landgericht verantworten.

Jahre lang hat er seiner Frau vorgespielt, einen Job zu haben und täglich zur Arbeit zu gehen. Er fälschte Lohnabrechnungen und den Mitarbeiterausweis einer Firma, für die er nie tätig war. Doch statt in die Arbeit zu gehen, saß er den ganzen Tag daheim, trank Alkohol und konsumierte Drogen. Seinen finanziellen Beitrag zur Miete und Lebenshaltung, so erzählte der heute 40-jährige Angeklagte, bestritt er zunächst aus den monatlichen Raten, die er durch die Auflösung eines Bausparvertrags bekam. Und als das Geld aufgebraucht war, suchte er sich nicht etwa einen Job - sondern überfiel Banken.

Seit Dienstag muss sich der Münchner vor der sechsten Strafkammer des Landgerichts Landshut unter Vorsitz von Richter Ralph Reiter wegen einer Serie von neun Banküberfällen verantworten, die er zwischen Mai 2016 und Dezember 2018 in München sowie den Landkreisen Freising, Erding, Fürstenfeldbruck, Pfaffenhofen und Landshut begangen hatte. Darunter waren Überfälle in Fahrenzhausen, Kranzberg und Tegernbach. Dazu kam ein versuchter Bankraub in Kirchdorf, den der 40-Jährige abbrach, weil es zu lang dauerte, bis die Zeitschaltuhr den Tresor öffnete. Bei seiner Überfallserie, die er mithilfe einer täuschend echt aussehenden Softairpistole verübte, erbeutete der Angeklagte insgesamt 218 000 Euro.

Zu Verhandlungsbeginn gestand der 40-Jährige seine Taten

Zum Prozessauftakt am Dienstag änderte der 40-Jährige sein Aussageverhalten. Nachdem er laut Richter Reiter in der Ermittlungsphase keine Angaben gemacht hatte, räumte er in einer vom Verteidiger vorgetragenen Erklärung zu Verhandlungsbeginn die Taten vollumfänglich ein. Es tue dem Angeklagten sehr leid, was er den Bankangestellten und seiner eigenen Familie - er ist Vater von kleinen Zwillingen - angetan habe, ließ er über den Anwalt mitteilen. Die Beute, so hieß es in der Erklärung, habe der Beschaffung von Drogen und der Finanzierung des Lebensunterhalts gedient. Mit Blick auf eine mögliche Drogensucht soll im weiteren Verlauf des Prozesses, für den zwei weitere Verhandlungstage angesetzt sind, eine Gutachterin gehört werden. Der Angeklagte gab an, vor den Überfällen Kokain genommen zu haben. "Man meint dann, über den Dingen zu stehen, und ist abgezockter."

Der Richter wollte nicht so recht glauben, dass der 40-Jährige das Geld nur für Drogen und den Lebensunterhalt ausgegeben hat. Zwischen zwei Überfällen habe der Angeklagte mal innerhalb eines halben Jahres "fast 100 000 Euro durchgebracht". Der Richter fragte ihn direkt, ob er einen Teil der Beute noch versteckt habe. Der Angeklagte verneinte das.

Bei seinen Überfällen erbeutete der Bankräuber teils über 50 000 Euro

Die größten Einzelbeträge erbeutete der Bankräuber in Forstern im Kreis Erding (knapp 57 000 Euro) sowie in Kranzberg (rund 55 000 Euro). Der Angeklagte habe den Bankangestellten die Pistole teilweise nur in einem Abstand von zehn Zentimetern vor den Kopf gehalten und bei den Überfällen regelmäßig davon gesprochen, ein Blutbad anzurichten, falls wer die Polizei hole, sagte ein Beamter der Kripo Erding als Zeuge aus. "Ich wollte niemanden verletzten", versicherte der Angeklagte. "Sagt, ja keiner, dass Sie jemanden über den Haufen schießen wollten, aber es gibt auch psychische Verletzungen - und die haben Sie in Kauf genommen", so der Richter.

Auf den Angeklagten kam die Polizei über dessen Fluchtautos. Zunächst nutzte er einen Passat, dann einen BMW. Beim Abgleich von Fahrzeughaltern mit dieser Kombination blieb nur ein Verdächtiger über. Der wurde auch durch DNA-Spuren überführt, die man auf einem abgebrochenen Teil der Softairpistole fand, die dem Angeklagten bei einem der Überfälle zu Boden fiel.

© SZ vom 25.09.2019/lada
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